Glückwunsch zum Deutschen Hotelnachwuchs-Preis 2026! Was bedeutet für dich die Auszeichnung und wo stehst du gerade beruflich?
Ich fühle mich sehr geehrt, den Deutschen Hotelnachwuchs-Preis gewonnen zu haben. Für mich ist diese Auszeichnung eine große Wertschätzung für die Arbeit und das Engagement, das ich in den vergangenen Jahren investiert habe. Gleichzeitig sehe ich den Preis als Chance, zum Nachdenken und Umdenken in der Hotellerie anzuregen.
Aktuell bin ich F&B Managerin im NH Collection München Bavaria. Persönlich bin ich fest entschlossen, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln, zu wachsen und mein Umfeld positiv zu beeinflussen. Für meine berufliche Zukunft bin ich offen gegenüber spannenden Möglichkeiten.
Wie bist du in der Hotellerie gelandet? Was hat dich besonders gereizt?
Früher habe ich immer „Gilmore Girls" geschaut und davon geträumt, einmal Hoteldirektorin zu werden. Für andere Menschen ein Zuhause auf Zeit zu schaffen und echte Gastfreundschaft zu leben, ist für mich eine Berufung.
Besonders gereizt hat mich schon immer die Vielfalt der Hotellerie: die unterschiedlichen Aufgaben, Bereiche, Hotelkonzepte, Orte und Menschen aus aller Welt. Für mich bedeutet Hotellerie, dass jede Stärke und jede Begabung ihren Platz in dem Konstrukt Hotel hat. Genau diese Vielfalt macht die Branche so besonders: Was mich anspricht, begeistert vielleicht Person A, während Person B etwas ganz anderes reizt. Dadurch bietet die Hotellerie für unterschiedlichste Persönlichkeiten und Talente den passenden Platz. Gemeinsam können wir unsere individuellen Fähigkeiten einbringen, um das Beste für unsere Gäste zu schaffen und besondere Erlebnisse möglich zu machen.
Autorität beginnt dort, wo wir Verantwortung übernehmen. Veränderung entsteht, wenn wir bereit sind, sie aktiv mitzugestalten.
Wenn du auf deinen bisherigen Weg schaust: Welche Stationen gab es und wie schnell ging der nächste Schritt?
Mein Weg begann in der Gastronomie – zunächst in einer Bäckerei sowie in einer kleinen Weinstube bzw. Straußwirtschaft. Nach dem Abitur zog es mich ins Ausland, bevor ich ein sechsmonatiges Praktikum im F&B-Bereich eines Kurhotels im Allgäu absolvierte.
Anschließend studierte ich Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Hotel und Tourismus und schloss parallel meine Ausbildung zur Hotelfachfrau ab. Während dieser Zeit übernahm ich für ein Jahr die Sales-Abteilung meines Unternehmens und arbeitete zusätzlich in der Systemgastronomie.
Nach meiner Ausbildung startete ich im Restaurantbereich einer Hoteleröffnung. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Eröffnung verschoben, sodass ich zunächst in einem anderen Hotel der Gruppe tätig war. Später wechselte ich für 1,5 Jahre ins Recruitment Consulting und sammelte Erfahrungen in den Bereichen Unternehmensberatung, Sales, Recruiting und Personal.
Danach kehrte ich in die Hotellerie zurück, zunächst als Hausdame und anschließend als Guest Relations Managerin. In dieser Rolle durfte ich zudem internationale Erfahrungen als Task Force Villa Host im Oman sammeln. Parallel absolvierte ich meinen Ausbilderschein. Seit Mai 2025 bin ich als F&B Managerin tätig.
Ich bin sehr lern- und wissbegierig. Mein aktueller HR Business Partner beschreibt mich gerne als einen Schwamm – ich sauge alles auf, was ich lernen kann. Ich kann mich für viele Themen begeistern und war in meiner Laufbahn oft diejenige, die „Ja" zu neuen Herausforderungen gesagt hat. Denn jede Aufgabe bietet die Chance, etwas Neues zu lernen – und vieles davon begleitet einen ein Leben lang.
Außerdem war es mir schon immer wichtig, authentisch zu führen. Das gelingt aus meiner Sicht am besten, wenn man die verschiedenen Bereiche eines Hotels selbst kennengelernt hat. Wenn ich auf meine bisherigen Stationen zurückblicke, durfte ich Einblicke in Front Office, Guest Relations, F&B, Sales, Housekeeping, Recruitment, HR und Beratung gewinnen. Die meisten dieser Stationen haben mich über etwa 1,5 Jahre begleitet und meinen Blick auf die Hotellerie nachhaltig geprägt.
Gab es einen Moment, eine Entscheidung oder einen Menschen, der dich besonders nach vorn gebracht hat?
Ich denke, dass uns viele Menschen auf unserem Weg prägen – und so ist es auch bei mir. Jede Begegnung hinterlässt Spuren, ob positiv oder herausfordernd. Aus beidem durfte ich lernen. In der Bibel heißt es: „Prüft alles und behaltet das Gute.“ Genau das versuche ich jeden Tag zu leben: das Gute zu übernehmen und Herausforderungen als Chance zu sehen, zu wachsen und daraus zu lernen.
Wenn ich besondere Menschen nennen müsste, dann zuerst Gott. Ich bin überzeugt, dass er mir die Hotellerie als Berufung geschenkt hat und mich auf meinem Weg begleitet. Immer wieder darf ich erleben, wie sich Türen öffnen und Dinge fügen, die ich selbst nicht hätte planen können.
Direkt danach kommen meine Eltern. Sie haben schon früh an mich geglaubt, mich ermutigt und mich auch in schwierigen Zeiten bedingungslos unterstützt – und tun das bis heute.
Eine ebenso wichtige Rolle spielt mein Freund. Die Hotellerie ist ein 24-Stunden-Betrieb, und die Trennung zwischen Beruf und Privatleben ist nicht immer einfach. Umso dankbarer bin ich, dass er meinen Traum mitträgt, mir zuhört, mich unterstützt und die Herausforderungen gemeinsam mit mir meistert.
Beruflich hat mich besonders Christian geprägt. Er hat von Anfang an an mich geglaubt, mich als Guest Relations Managerin eingestellt und mir die Möglichkeit gegeben, als Task Force Villa Host in den Oman zu gehen – eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Außerdem hat er mir das Vertrauen geschenkt, die Position als F&B Managerin zu übernehmen, und fördert und fordert mich bis heute in den unterschiedlichsten Phasen meiner Karriere.
Die andere Seite: Gab es einen Moment, in dem du kurz davor warst hinzuschmeißen und was hat dich davor zurückgehalten?
Ehrlich gesagt: ganz oft. An Tagen, an denen man im Frei einspringt, Doppelschichten arbeitet oder sogar im Hotel übernachten muss, weil Spät- und Frühdienst direkt aufeinander folgen. Auch dann, wenn man mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen muss, weil Kosten- und Personalvorgaben immer strenger werden und man als Führungskraft ständig zwischen operativem und administrativem Geschäft wechselt.
Frustrierend wird es auch, wenn man mit Leidenschaft arbeitet, sich weiterentwickeln möchte und trotzdem ausgebremst wird – sei es durch fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder weil Weiterbildung nur zweitrangig betrachtet wird. Besonders schwer fällt es mir, wenn Werte wie Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit nicht gelebt werden. Gerade als junge Führungskraft kann die Hotellerie herausfordernd sein, da Veränderungen oft langsamer stattfinden, als viele behaupten.
Ich sehe außerdem großes Potenzial in der Förderung von Nachwuchskräften, Quereinsteigern, jungen Talenten und insbesondere Frauen sowie jungen Müttern. Hier werden in unserer Branche noch viele Chancen nicht genutzt.
Trotz aller Herausforderungen wünsche ich mir, einen Unterschied zu machen – für die Zukunft der Hotellerie, für die nächsten Generationen und für die Menschen, die mit Leidenschaft in dieser Branche arbeiten. Ich bin überzeugt: Autorität beginnt dort, wo wir Verantwortung übernehmen. Veränderung entsteht, wenn wir bereit sind, sie aktiv mitzugestalten. Wachstum findet meist außerhalb der Komfortzone statt.
Es gibt viele Gründe, die Branche zu verlassen. Aber wenn das Herz wirklich für Gastfreundschaft schlägt, findet man oft wieder zu ihr zurück. Genau deshalb bin ich geblieben.
Was läuft in der Branche richtig gut, was aber kaum Erwähnung findet, und was würdest du sofort ändern, wenn du könntest?
Was in unserer Branche oft zu wenig gesehen wird, sind die unglaubliche Leidenschaft, der Zusammenhalt und die Vielfalt der Menschen, die in der Hotellerie arbeiten. Trotz vieler Herausforderungen geben täglich unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihr Bestes, um Gästen besondere Momente zu schaffen. Diese Gastfreundschaft, Kreativität und Bereitschaft, füreinander einzustehen, verdienen viel mehr Anerkennung.
Gleichzeitig bietet die Hotellerie unfassbar viele Möglichkeiten und Perspektiven: unterschiedliche Arbeitsorte, Hotelkonzepte und Karrierewege. Man kann unglaublich viel lernen, sich weiterentwickeln und ein vielseitiges Netzwerk aufbauen.
Wenn ich eine Sache sofort verändern könnte, wäre es der Umgang mit Menschen und der Fokus auf unsere Mitarbeitenden. Wir müssen stärker in Weiterbildung, individuelle Karrierewege und nachhaltige Nachwuchsförderung investieren. Diese darf nicht mit der Ausbildung oder dem Studium enden – wir müssen junge Talente langfristig begleiten und ihnen Perspektiven geben.
Auch die Integration und Schulung von internationalen Mitarbeitenden und Quereinsteigern sollte stärker im Fokus stehen. Durch gutes Onboarding und eine wertschätzende Einarbeitung können wir Menschen besser abholen und langfristig für die Branche begeistern.
Die Hotellerie lebt von Menschen – deshalb sollten auch die Menschen im Mittelpunkt unserer Entscheidungen stehen. Gleichzeitig wünsche ich mir ein höheres gesellschaftliches Ansehen für die Berufe im Gastgewerbe, denn diese Branche schafft jeden Tag besondere Erlebnisse und verdient mehr Wertschätzung.
Was kann die Hotellerie jungen Menschen bieten, das andere Branchen nicht haben?
Die Hotellerie bietet jungen Menschen etwas, das nur wenige Branchen in dieser Form ermöglichen: eine unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten und Perspektiven. Unterschiedliche Arbeitsorte, Hotelkonzepte und Karrierewege eröffnen Chancen, sich stetig weiterzuentwickeln und ein vielseitiges Netzwerk aufzubauen – national und international.
Junge Menschen wünschen sich heute vor allem Weiterentwicklung, Work-Life-Balance, Flexibilität, Werte und Perspektiven. Genau das könnte das Gastgewerbe bieten, wenn wir bereit sind, uns weiterzuentwickeln, alte Strukturen zu hinterfragen und offen für Veränderung zu sein.
Kaum eine andere Branche ermöglicht es, so schnell Verantwortung zu übernehmen, mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zu arbeiten und täglich Neues zu lernen. Die Hotellerie lebt von Menschen und bietet die Möglichkeit, Erlebnisse zu schaffen, die in Erinnerung bleiben.
Für neugierige Menschen, die wachsen, gestalten und etwas bewegen möchten, ist die Hotellerie eine einzigartige Plattform für persönliche und berufliche Entwicklung.
Was macht für dich einen wirklich guten Arbeitgeber aus? Was würdest du einem Betrieb raten, dem der Nachwuchs davonläuft?
Ein wirklich guter Arbeitgeber stellt für mich den Menschen in den Mittelpunkt. Es geht nicht nur um Benefits oder Strukturen, sondern vor allem um Werte, Vertrauen, Wertschätzung und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Ein guter Arbeitgeber schafft Perspektiven, fördert Talente und gibt Mitarbeitenden das Gefühl, gesehen und gehört zu werden. Führung bedeutet für mich auch, Werte vorzuleben, zu inspirieren und einen Raum zu schaffen, in dem Menschen ihr Potenzial entfalten können.
Gerade junge Menschen möchten nicht nur arbeiten, sondern verstehen, wofür sie stehen, Verantwortung übernehmen und sich persönlich sowie beruflich weiterentwickeln. Deshalb müssen wir bereit sein, zuzuhören, alte Strukturen zu hinterfragen und uns an neue Bedürfnisse anzupassen. Die Erwartungen der nächsten Generation haben sich verändert – und das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance. Eine Chance, die Hotellerie weiterzuentwickeln, neue Wege zu gehen und eine Arbeitskultur zu schaffen, in der Menschen gerne bleiben. Nachwuchs- und Integrationsprogramme sowie interne Austauschmöglichkeiten können dabei helfen, Talente langfristig zu fördern.
Die Hotellerie lebt von Menschen. Wenn wir möchten, dass Menschen bleiben, müssen wir ihnen einen Grund geben, zu bleiben.
Hand aufs Herz: Geld oder Leidenschaft – was hält dich in der Branche?
Leidenschaft! 100 %
Der Preis ist gewonnen – was kommt jetzt? Wo willst du in 5 Jahren stehen?
Ich wollte schon immer Hotelier werden – für mich zeigt das, dass die Hotellerie nicht nur ein Beruf, sondern eine echte Leidenschaft und Berufung ist.
Mein Ziel ist es, eines Tages ein Hotel zu führen und in der Branche etwas zu bewegen: Nachwuchs und Potenziale zu fördern, Menschen die Schönheit und Vielfalt der Hotellerie näherzubringen und Talente zu entwickeln.
Ich möchte Mentor und Brückenbauer sein, Leidenschaft entfachen, Netzwerke und Kooperationen nutzen und voneinander lernen. Denn uns verbindet im Gastgewerbe mehr, als uns trennt.
Mein persönlicher Anspruch ist es, Menschen auf Augenhöhe und mit Wertschätzung zu begegnen, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und Gastfreundschaft in allen Bereichen meines Lebens zu leben.
Was möchtest du jungen Menschen mitgeben, die gerade über einen Einstieg in der Branche nachdenken?
Mein Rat an junge Menschen: Seid mutig und traut euch. Bleibt neugierig, offen und habt den Mut, neue Wege zu gehen. Die Hotellerie ist eine Branche, in der ihr fürs Leben lernt – sie bietet eine unglaublich vielseitige Grundlage, mit der euch später viele Türen offenstehen, national wie international.
Sammelt Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen, stellt Fragen und sagt auch einmal „Ja" zu Herausforderungen außerhalb eurer Komfortzone. Jede Erfahrung bringt euch weiter und hilft euch, euch persönlich und beruflich zu entwickeln. Ihr lernt neue Menschen, Kulturen und vor allem euch selbst besser kennen.
Wir brauchen genau euch – mit euren individuellen Gaben, Talenten und Persönlichkeiten. Die Hotellerie lebt von Vielfalt und Leidenschaft für Menschen. Ich bin überzeugt: Für jeden gibt es den passenden Platz und ein Zuhause in dieser Branche.












