Suche

Besonderheiten bei Hotelimmobilientransaktionen

Hotelimmobilien unterscheiden sich in zahlreichen Aspekten von anderen Gewerbeimmobilien: lediglich ein Mieter pro Objekt, lange Vertragslaufzeiten und eine konstante Produktqualität durch vertragliche Instandhaltungsregelungen. Robin Barth, Consultant Investment & Letting bei Christie & Co, hat wesentliche Besonderheiten beleuchtet, um neuen Investoren den Einstieg auf dem deutschen Hotelinvestmentmarkt zu erleichtern.

DR pics24 | iStockphotoDR pics24 | iStockphoto

Hotel als Betreiberimmobilie

Innerhalb der Immobilienwirtschaft werden Hotels, anders als Büro- oder Wohnimmobilien, nicht den Gewerbeimmobilien, sondern den Sonderimmobilien zugeordnet. Ausschlaggebend hierfür sind einerseits die Architektur, die Bau- und Raumgestaltung, anderseits vor allem die charakteristische Ertragsstruktur von Hotels (Cashflow), die durch viele Einflussfaktoren, wie etwa Logis, F&B oder MICE geprägt ist. Außerdem lassen sich Hotelimmobilien aufgrund der hohen erforderlichen Investitionen in Gebäude und Ausstattung und die eingeschränkte Drittverwendungsfähigkeit von Sonderimmobilien differenzieren.
Der Wert von Hotelimmobilien bemisst sich an der marktüblichen erzielbaren Miete. Besondere Bedeutung haben dementsprechend neben exogenen Faktoren das Betriebskonzept sowie der faire Interessensausgleich zwischen Eigentümer und Betreiber. Die Grundlage hierfür bildet der Hotelbetreibervertrag.

Hotelimmobilieninvestoren

Die Hotelimmobilieninvestoren in Deutschland sind ebenso divers wie die zahlreichen vorhandenen Hotelkonzepte. Gemessen am Transaktionsvolumen sind die meisten Hotelimmobilientransaktionen in Deutschland jedoch auf Fonds bzw. institutionelle Anleger und Immobilien AGs bzw. REITs zurückzuführen. Ein Beleg der Attraktivität des deutschen Hotelinvestmentmarktes ist zudem die Partizipation zahlreicher internationaler Staatsfonds.

Partner aus dem HORECA Scout

Hotelbetreiberverträge

Wesentlichen Einfluss auf Hotelimmobilientransaktionen bei nicht eigentümergeführten Hotels hat die gewählte Vertragsart. Die in Deutschland am häufigsten verwendeten Vertragsarten sind Pachtverträge und aus gewerbesteuerlichen Gründen zusehends Mietverträge, bei denen die Hotels ohne Betriebsvorrichtungen vermietet werden und der Immobilieneigentümer lediglich eine Körperschaftssteuer, aber keine Gewerbesteuer abführen muss. > Um die bevorzugte Vertragsform des Pacht- oder Mietvertrags mit einer starken Marke kombinieren zu können, setzen Investoren auf die sehr geläufige vertragliche Dreieckskonstellation, die einen Pachtvertrag zwischen Eigentümer und Betreiber (white label operator) sowie einen Franchisevertrag zwischen Betreiber und Hotelmarke vorsieht. Ergänzend hierzu kann noch ein Owners Agreement zwischen dem Betreiber und der Hotelmarke (Franchisegeber) abgeschlossen werden. Hintergründe dieser komplexen vertraglichen Verbindung sind bilanzielle Restriktionen sowie die Strategien vieler großer Hotelketten, wonach keine direkten Pacht- oder Mietverträge mehr mit den Eigentümern der Immobilie unterzeichnet werden.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceRechtsprechung und Urteile
Gekündigt und sofort krank: Warum Arbeitgeber mit Misstrauen allein nicht weiterkommen

Einflüsse der COVID-19-Pandemie auf den Hotelimmobilienmarkt

Die Corona-Krise hat den deutschen Immobilienmarkt und insbesondere Betreiberimmobilien wie Hotels in eine Schockstarre versetzt. Für das gesamte Jahr 2020 wurden entsprechend scharfe Einbrüche in allen Sektoren des Immobilienmarktes, von der Bautätigkeit über Transaktionen bis hin zum Mietmarkt verbucht. Jedoch rechnen die meisten Immobilienexperten mit einer kräftigen Erholung der Immobilienwirtschaft, sobald die Pandemie abschwächt. Im Tourismus und der Hotellerie sprechen dafür unter anderem die langfristig positive Gästenachfrage und insbesondere der hohe Anteil des Inlandstourismus, die günstigen Finanzierungsbedingungen sowie eine Flucht in sichere Anlagen.

Themen in diesem Artikel
ManagementHotelimmobilienmarkt

Fazit

Hotelimmobilieninvestoren müssen sich auf eine Reihe verschiedener Besonderheiten bei der Transaktion von Hotelimmobilien einstellen. Zum einen weisen diese eine spezielle Beschaffenheit auf, die eine eingeschränkte Drittverwendungsmöglichkeit zur Folge hat. Zum anderen werden sie als sogenannte Betreiberimmobilien eingestuft, da ihre Ertragskraft und Wertentwicklung in besonderem Maße vom wirtschaftlichen Erfolg des Betreibers abhängen. Ungeachtet dieser Besonderheiten, die Hotelimmobilientransaktionen beeinflussen, partizipieren viele Arten von Investoren am Markt. Zusammengefasst sind Hotels eine strategische Wachstumsbranche mit positiven Aussichten, die jedoch einem stetigen Wandel unterworfen ist.

Zur Webseite von Christie & Co

Canva
Recht und Compliance

Gekündigt und sofort krank: Warum Arbeitgeber mit Misstrauen allein nicht weiterkommen

Ein Mitarbeiter kündigt und wird prompt krank – die Krankschreibung endet passgenau vor dem Resturlaub. Viele Arbeitgeber kennen dieses Muster und sind versucht, die Lohnfortzahlung zu streichen. Doch Vorsicht: Ein aktuelles Urteil zeigt, wie schnell der Verdacht allein zur teuren Falle wird. Wann reicht ein auffälliges Timing aus, um die Krankschreibung anzuzweifeln? Und was müssen Gastgeber konkret in der Hand haben, bevor sie handeln?

Kemal Üres
Führung, Management und Leadership

Neue Folge „Kemal Rettet“: Wenn Leidenschaft nicht mehr reicht

70 Stunden in der Woche – für vier Euro netto. Kann ein Café überleben, wenn die Inhaberin alles gibt, aber die Zahlen gegen sie arbeiten? Kemal Üres zeigt in Braunschweig, wo selbst bei zufriedenen Gästen die Gefahr lauert – und warum Herzblut allein keine Miete zahlt.

DIRS21; FWStudio, Pexels
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Hotelsoftware-Anbieter erweitert Direktvertrieb über das Zimmer hinaus

Der Wernauer Technologieanbieter DIRS21 hat auf der ITB Berlin zwei neue Module vorgestellt, die Hotels helfen sollen, sämtliche Flächen und Services digital buchbar zu machen. Mit DIRS21 Mice und DIRS21 Plus werden Tagungsräume und Zusatzleistungen in strukturierte Online-Buchungsstrecken überführt – ein Ansatz, der klassische Anfrageprozesse per E-Mail und Excel ablösen soll.

Steuerberatungsgesellschaft Schnitzler & Partner
Finanzen und Controlling

Kauf einer Unternehmensimmobilie: Neue Chancen bei der Kaufpreisaufteilung

Die aktuelle Rechtsprechung erweitert den Spielraum bei der Bewertung von Grund und Boden und kann – richtig genutzt – zu höheren Abschreibungsvolumen führen. Eine professionelle Beratung zur Kaufpreisaufteilung kann bei größeren Immobilienerwerben erhebliche Steuervorteile erschließen. Zugleich sollte der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zum erwartbaren Effekt stehen.

Anfang.Team
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Digitalisierung in der Hotellerie: Welche 3 Tools jetzt zur Basis gehören

Buchungsmaschinen und Channel-Manager laufen – doch echten Mehrwert schaffen Hotels erst, wenn die Unternehmensführung digitale Prozesse aktiv steuert statt zu delegieren. Ohne strategische Preisgestaltung und koordinierte Kampagnenplanung verpufft selbst die beste Technologie. Welche Tools sich wirklich lohnen und warum KI-gestützte Kommunikation jetzt zum Pflichtprogramm gehört, erklärt Hotelmarketing-Berater Michael Anfang.

PelfWave
Gehalt, Benefits und Altersversorgung

Mitarbeiterbindung im Gastgewerbe: Wie Betriebe hohe Fluktuations- und Ausfallkosten vermeiden können

Personalausfall im Restaurant löst eine Kettenreaktion aus: Mehr Schichten für andere, höhere Belastung, neue Ausfälle. 44 Prozent Fluktuation und 40 Prozent unbesetzte Stellen zeigen – wer qualifiziertes Personal hält, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Doch Standardlösungen aus dem Beraterbüro greifen nicht. Die Branche braucht Partner, die ihre Logik verstehen und echte Bindungsinstrumente kennen.

Weitere Artikel zum Thema

Kemal Üres
70 Stunden in der Woche – für vier Euro netto. Kann ein Café überleben, wenn die Inhaberin alles gibt, aber die Zahlen gegen sie arbeiten? Kemal Üres zeigt in Braunschweig, wo selbst bei zufriedenen Gästen[...]
Kemal Üres
DIRS21; FWStudio, Pexels
Der Wernauer Technologieanbieter DIRS21 hat auf der ITB Berlin zwei neue Module vorgestellt, die Hotels helfen sollen, sämtliche Flächen und Services digital buchbar zu machen. Mit DIRS21 Mice und DIRS21 Plus werden Tagungsräume und Zusatzleistungen[...]
DIRS21; FWStudio, Pexels
Anfang.Team
Buchungsmaschinen und Channel-Manager laufen – doch echten Mehrwert schaffen Hotels erst, wenn die Unternehmensführung digitale Prozesse aktiv steuert statt zu delegieren. Ohne strategische Preisgestaltung und koordinierte Kampagnenplanung verpufft selbst die beste Technologie. Welche Tools sich[...]
Anfang.Team
PelfWave
Personalausfall im Restaurant löst eine Kettenreaktion aus: Mehr Schichten für andere, höhere Belastung, neue Ausfälle. 44 Prozent Fluktuation und 40 Prozent unbesetzte Stellen zeigen – wer qualifiziertes Personal hält, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Doch[...]
PelfWave
LionTaste
Die Gastronomie erfindet sich neu – zwischen Ghost Kitchens und Creator-Events, zwischen Effizienz und Emotion. Lisa Marie Noack und Johannes Reichenbach von LionTaste zeigen, welche fünf Kräfte die Branche gerade radikal umformen. Ihre These: Wer[...]
LionTaste
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.