In welchen Bereichen müssen Gastronomen heute investieren, um in zwei Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben?
Drei Bereiche sind entscheidend: Menschen, Prozesse und Positionierung. Personal ist der wichtigste Faktor. Dazu gehören nicht nur faire Löhne. Betriebe, die heute in Mitarbeiterbindung, klare Strukturen, Führungskompetenz und echte Wertschätzung investieren, werden handlungsfähiger sein. Digitalisierung und Effizienz gewinnen massiv an Bedeutung. Kassensysteme, Warenwirtschaft, Personaleinsatzplanung und Reservierungsmanagement senken Kosten und ermöglichen bessere Entscheidungen. Wer seine Zahlen nicht in Echtzeit kennt, verliert schnell den Überblick und damit Wettbewerbsfähigkeit. Nicht zuletzt ist eine klare Positionierung ausschlaggebend. Gäste erwarten ein stimmiges Konzept mit erkennbarer Handschrift. Austauschbare Gastronomie wird es schwer haben.
Wie stark wird der Fachkräftemangel die Branche bis 2026 prägen?
Im neuen Jahr wird sich die Branche deutlich teilen: in Betriebe, die trotz weniger Personal stabil arbeiten und in solche, die den Fachkräftemangel nur verwalten. Es geht längst nicht mehr um temporäre Engpässe, sondern um einen dauerhaften Mangel auf allen Ebenen, vom Service über die Küche bis ins Management. Immer mehr Betriebe scheitern nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an fehlender Umsetzungsfähigkeit. Die Folge: Öffnungszeiten werden gekürzt, Angebote verschlankt, Konzepte angepasst. Gleichzeitig steigt der Druck auf Qualität und Organisation. Wer glaubt, Fachkräfte ausschließlich mit höheren Löhnen gewinnen zu können, greift zu kurz. Entscheidend sind Arbeitsbedingungen, Entwicklungsperspektiven sowie ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe. Fehlendes Personal wird vom Risiko zum zentralen Selektionsfaktor. Dadurch steht die Branche zunehmend vor strukturellen Veränderungen.
Wo sehen Sie das größte Missverständnis der Branche im Umgang mit dem Fachkräftemangel?
Viele Gastronomen glauben, der Fachkräftemangel sei vor allem ein Rekrutierungsproblem. Sie suchen intensiver, schalten mehr Anzeigen oder arbeiten mit Agenturen und wundern sich, warum sich nichts ändert. In Wahrheit ist Fachkräftemangel in erster Linie ein Führungs-, Struktur- und Organisationsproblem. Menschen verlassen nicht die Branche, weil sie keine Lust auf Gastronomie haben, sondern weil Arbeitszeiten unplanbar sind, Kommunikation schlecht läuft und Verantwortung einseitig verteilt ist. Solange Betriebe versuchen, alte Strukturen mit immer weniger Personal aufrechtzuerhalten, wird sich der Mangel weiter verschärfen. Der Wendepunkt entsteht dort, wo Gastronomen akzeptieren: Es geht nicht darum, mehr Menschen zu finden, sondern mit weniger Menschen besser zu arbeiten.
Welche Technologien werden 2026 den stärksten Einfluss auf Mitarbeiter- und Gästeerlebnis haben – und warum?
2026 gewinnt nicht nur der kreative Gastgeber, sondern auch der, der nachts wieder ruhig schlafen kann. Die entscheidenden Technologien nehmen Betreibern Unsicherheit ab: KI-gestützte Prognosen, automatisierte Dienstplanung, Echtzeit-Kennzahlen und integrierte Systeme, die Zusammenhänge sichtbar machen, bevor Probleme entstehen. Für Betreiber bedeutet das einen radikalen Rollenwechsel: weg vom permanenten Feuerwehrmodus, hin zum strategischen Entscheider. Technologie wird zum Frühwarnsystem. Sie zeigt, wann Personalkosten kippen, welche Schichten riskant sind und wo Umsatzpotenziale liegen. Der eigentliche Hebel liegt nicht in Effizienz, sondern in mentaler Entlastung. Wer seine Zahlen versteht, muss weniger kontrollieren. Wer verlässlich plant, muss weniger improvisieren. 2026 ist Technologie kein Nice-to-have mehr, sondern ein Schutzschild gegen Überforderung.
Wie kann Technologie Mitarbeiter entlasten, ohne das Gefühl echter Gastfreundschaft zu verlieren?
Technologie entlastet Mitarbeitende dann, wenn sie Orientierung schafft und Komplexität reduziert, nicht indem sie Beziehung oder Verantwortung ersetzt. Echte Gastfreundschaft entsteht nicht durch mehr Interaktion, sondern durch die richtige. Wenn Mitarbeitende weniger Zeit mit Listen, Rückfragen oder spontanen Dienstplanänderungen verbringen, bleibt Raum für Präsenz und Aufmerksamkeit. Intelligente Planung und klare Informationen im Hintergrund sorgen dafür, dass Mitarbeitende sicher auftreten können. Wer weiß, dass der Dienstplan stimmt und Abläufe greifen, arbeitet auch unter Druck gelassener. Diese Souveränität macht das Lächeln leichter. Entscheidend ist, dass Technologie nicht sichtbar dominiert, sondern leise unterstützt. Tablets ersetzen keine Begrüßung, kein System ersetzt ein Lächeln. Aber sie verhindern Fehler, Stress und Hektik, die das Gefühl echter Gastfreundschaft zerstören. Technologie darf den Menschen nicht ersetzen, sondern muss ihn in seine beste Rolle bringen.
Welche Aufgaben sollten aus Ihrer Sicht niemals digitalisiert bzw. automatisiert werden?
Alles, was Beziehung, Verantwortung und Haltung transportiert, sollte niemals automatisiert werden. Dazu gehört an erster Stelle die persönliche Ansprache des Gastes: Begrüßung, echtes Zuhören, das Gespür für Stimmung und der Umgang mit Beschwerden. Gastfreundschaft lebt von Aufmerksamkeit und die lässt sich nicht standardisieren. Ebenfalls nicht digitalisierbar ist Führung. Feedbackgespräche, Konfliktklärung und Motivation lassen sich nicht an Systeme delegieren, ohne Vertrauen zu verlieren. Auch unternehmerische Verantwortung darf nicht automatisiert werden. Entscheidungen über Qualität, Personal oder Preisgestaltung sind Ausdruck einer Haltung. Sie brauchen Kontext, Erfahrung und Mut, aber keine Algorithmen. Die Faustregel lautet: Alles, was Effizienz steigert, darf digital sein. Alles, was Bedeutung stiftet, muss menschlich bleiben. So entsteht moderne Gastronomie mit Seele.
Welche Rolle spielt die Mitarbeiterakzeptanz – und wie bekommt man Teams in so herausfordernden Zeiten mit ins Boot?
Mitarbeiterakzeptanz ist ein Erfolgsfaktor in herausfordernden Zeiten. Veränderungen scheitern in der Gastronomie selten an der Technik, sondern fast immer an fehlender Einbindung. Mitarbeitende müssen verstehen, warum sich etwas ändert, nicht nur was sich ändert. Wer nur neue Tools einführt, ohne den Nutzen für den Alltag zu erklären, erzeugt Widerstand statt Entlastung. Teams bekommt man ins Boot, indem man sie ernst nimmt: früh einbeziehen, zuhören, Probleme benennen und vor allem nicht beschönigen. Gerade in stressigen Phasen brauchen Mitarbeitende Orientierung und Verlässlichkeit, keine zusätzlichen Baustellen. Maßgeblich ist außerdem, Technologie als Unterstützung zu positionieren, nicht als Kontrollinstrument. Wenn Mitarbeitende merken, dass Planung fairer und Abläufe klarer werden, entsteht Akzeptanz fast von selbst. Am Ende gilt: Vertrauen schlägt Tool.
Wie sieht für Sie ein Gastronomiebetrieb aus, der 2026 optimal aufgestellt ist?
Ein optimal aufgestellter Gastronomiebetrieb ist 2026 kein Hochglanzbetrieb, sondern ein klar geführter. Er arbeitet mit wenig Reibung: Abläufe sind verständlich, Zuständigkeiten eindeutig, Zahlen transparent. Der Betreiber weiß jederzeit, wo er steht, ohne ständig eingreifen zu müssen. Entscheidungen basieren auf Überblick, nicht auf Bauchschmerzen. Mitarbeitende haben planbare Arbeitszeiten, verlässliche Informationen und das Gefühl, Teil eines funktionierenden Systems zu sein. Technik entlastet sie im Hintergrund, ohne den Arbeitsalltag zu dominieren. Denn Gastfreundschaft entsteht aus Ruhe, nicht aus Hektik. So ist der Service aufmerksam, das Angebot fokussiert, das Erlebnis stimmig. Für Gäste wirkt der Betrieb dadurch persönlich, nicht standardisiert. 2026 funktioniert ein solcher Betrieb organisatorisch ruhig und kulturell überzeugend. Nicht weil alle ständig mehr leisten. Sondern weil Struktur, Führung und Technologie sinnvoll zusammenspielen.






