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Branchenverbände gegen Tierhaltungskennzeichnung: Wenn Bürokratie Tierwohl verhindert

  • Acht führende Branchenverbände lehnen die geplante Kennzeichnungspflicht für Tierhaltungsformen in der Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten ab
  • Die Umsetzung würde neue IT-Infrastrukturen, getrennte Lagerhaltung und lückenlose Rückverfolgungssysteme erfordern – mit Kosten im mehrstelligen Millionenbereich
  • Das Bündnis warnt vor Fehlanreizen: Statt Tierwohl zu fördern, könnte wirtschaftlicher Druck Betriebe dazu zwingen, auf günstigere Haltungsformen auszuweichen

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Breite Allianz gegen gesetzliche Neuregelung

Ein ungewöhnlich breites Bündnis hat sich formiert, um gegen die geplante Ausweitung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes zu protestieren. Beteiligt sind der Bundesverband der Systemgastronomie, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, das Deutsche Institut für Gemeinschaftsgastronomie, der Deutsche Fleischer-Verband, das Deutsche Tiefkühlinstitut, der Großhandelsverband Foodservice, der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks sowie die organisierten Caterer.

In einem gemeinsamen Positionspapier wenden sich die Verbände an Entscheidungsträger in Bund und Ländern. Ihre zentrale Forderung: Die verpflichtende Kennzeichnung darf weder auf die Außer-Haus-Verpflegung noch auf verarbeitete tierische Erzeugnisse ausgedehnt werden.

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Die Allianz betont ausdrücklich, dass sie höhere Tierwohlstandards und eine starke heimische Landwirtschaft unterstützt. Zahlreiche Unternehmen der Branche hätten bereits eigene Programme entwickelt und beteiligten sich an Initiativen zum Aufbau besserer Haltungsbedingungen. Die geplante Gesetzesänderung schaffe jedoch kein zusätzliches Tierwohl, sondern produziere in erster Linie neue bürokratische Lasten.

Mehrstellige Millionenbeträge für IT und Logistik

Die praktische Umsetzung der Kennzeichnungspflicht würde massive Investitionen erfordern. Hersteller, Händler und Gastronomiebetriebe müssten neue IT-Systeme aufbauen, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit nach Haltungsformen sicherzustellen. Jede einzelne Charge müsste separat erfasst und dokumentiert werden.

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Hinzu käme die Notwendigkeit getrennter physischer Lagerung für Rohwaren unterschiedlicher Haltungsstufen. Speisekarten, digitale Bestell-Apps und Kassensysteme müssten kontinuierlich aktualisiert werden. Die damit verbundenen Dokumentationspflichten würden dauerhaft personelle Kapazitäten binden.

Nach Einschätzung des Verbändebündnisses entstünden dadurch Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe – und zwar nicht einmalig, sondern als permanente Belastung. Gerade kleine und mittelständische Betriebe könnten diese Mehraufwendungen in der gegenwärtig angespannten wirtschaftlichen Lage kaum bewältigen. Die Allianz sieht darin einen klaren Widerspruch zu den politischen Versprechen, Unternehmen von bürokratischen Lasten zu entlasten.

Themen in diesem Artikel
Recht und ComplianceBranche und TrendsBürokratieComplianceDEHOGAKennzeichnungspflicht

Kosten landen beim Endverbraucher

Die zusätzlichen Ausgaben für Systeme, Personal und Prozesse müssten letztlich an die Gäste weitergereicht werden. Besonders stark träfe dies die Gemeinschaftsverpflegung: Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulmensen, Senioreneinrichtungen und Kliniken arbeiten typischerweise mit knappen Budgets und engen Kalkulationen.

Höhere Preise in diesen Einrichtungen würden vor allem Familien sowie ältere Menschen treffen – also Bevölkerungsgruppen, die häufig auf preisgünstige Verpflegungsangebote angewiesen sind. Das Bündnis verweist zudem darauf, dass das Informationsbedürfnis bezüglich Tierhaltungsformen beim Außer-Haus-Verzehr ohnehin gering ausgeprägt sei. Für Gäste stünden bei der Auswahl von Gerichten primär Geschmack und Preis im Vordergrund, nicht die Haltungsbedingungen der verwendeten Rohwaren.

Paradoxe Wirkung befürchtet

Besonders brisant: Das Verbändebündnis warnt vor kontraproduktiven Effekten der geplanten Regelung. Statt höhere Tierhaltungsformen zu fördern, könnte die Reform genau das Gegenteil bewirken.

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Wenn Rohwaren aus besseren Haltungsformen, die damit verbundene komplexere Logistik und die aufwendigeren betrieblichen Abläufe die Kosten in die Höhe treiben, entstehe für viele Betriebe ein wirtschaftlicher Zwang. Unter diesem Druck könnten sich Gastronomen gezwungen sehen, auf günstigere Produkte aus niedrigeren Haltungsstufen auszuweichen, um ihre Preise wettbewerbsfähig zu halten.

Die Kennzeichnungspflicht würde dann nicht nur ihr Ziel verfehlen, sondern aktiv konterkarieren: Freiwillige Fortschritte beim Tierwohl, die Unternehmen in den vergangenen Jahren erzielt haben, würden ausgebremst oder sogar zurückgedreht. Die gut gemeinte Transparenz-Maßnahme hätte einen gegenteiligen Effekt auf das tatsächliche Tierwohl in den Ställen.

Fazit

Die Opposition des Branchenbündnisses gegen die Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung basiert auf einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse: Mehrstellige Millionenbeträge für IT-Systeme und Prozessanpassungen stehen einem geringen Informationsbedürfnis der Gäste gegenüber. Besonders problematisch erscheint die Gefahr paradoxer Effekte – wenn wirtschaftlicher Druck Betriebe dazu zwingt, auf schlechtere statt bessere Haltungsformen umzusteigen.

Die acht Verbände fordern die Politik auf, die geplante Ausweitung aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Als Alternative schlagen sie einen Dialogprozess vor, in dem gemeinsam mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette praxistaugliche Lösungen und gezielte Anreize für mehr Tierwohl entwickelt werden – statt einer Bürokratiewelle, die am Ende niemandem nützt.

Die Frage für Entscheidungsträger lautet: Wie lässt sich Tierwohl tatsächlich verbessern, ohne kleine und mittlere Betriebe zu überfordern und ohne Fehlanreize zu setzen, die dem eigentlichen Ziel zuwiderlaufen?

Handlungsempfehlungen

  1. Positionspapier studieren: Verschaffen Sie sich einen Überblick über die detaillierten Argumente des Verbändebündnisses und prüfen Sie, welche Auswirkungen die geplante Regelung konkret auf Ihren Betriebstyp hätte.
  2. Eigene Kostenkalkulation erstellen: Ermitteln Sie, welche Investitionen in IT-Systeme, Lagertrennung und Prozessanpassungen auf Sie zukämen und wie sich diese auf Ihre Preiskalkulation auswirken würden.
  3. Dialog mit Lieferanten suchen: Klären Sie frühzeitig mit Ihren Zulieferern, ob und wie diese eine getrennte Rückverfolgung nach Haltungsformen technisch und wirtschaftlich umsetzen könnten.
  4. Verbandskanäle nutzen: Informieren Sie sich über die Aktivitäten Ihres Branchenverbands zum Thema und bringen Sie eigene Praxiserfahrungen in die politische Diskussion ein.
  5. Alternative Tierwohl-Strategien prüfen: Unabhängig vom Gesetzgebungsverfahren können Sie prüfen, welche freiwilligen Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls in Ihrer Lieferkette wirtschaftlich tragfähig und kommunizierbar sind.
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