Suche
Anzeige

Gefahrenquelle Hotel-WLAN: Kabellose Netzwerkstrukturen auf dem Prüfstand

Mit Rückkehr zur gewohnten Routine sollten Hoteliers auch IT-seitigen Herausforderungen wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. Denn während die im Zuge von Corona geforderte Einhaltung von Hygieneauflagen im persönlichen Kontakt heute meist aufs Penibelste kontrolliert wird, ist von konsequentem Viren- und Bedrohungsschutz an anderer Stelle oft noch einiges im Argen. Dabei bietet die IT-Infrastruktur eines Hotels entscheidende Angriffsfläche. Paul Moll, Senior Field Marketing Manager Central Europe bei WatchGuard Technologies, gibt hilfreiche Tipps und weist auf Schwachstellen hin.

NicoElNino | iStockphotoNicoElNino | iStockphoto

WLAN als attraktives Ziel

Vor allem das Hotel-WLAN steht im Visier der Angreifer – schließlich werden solche Angebote von Gästen nicht nur gerne angenommen, sondern mittlerweile explizit gefordert. Die Gesamtheit potenzieller Opfer wächst also immer weiter. Einschlägige Studien untermauern, dass den meisten Hotelgästen eine WLAN-Verbindung sehr wichtig ist. Für viele stellt die Qualität dieses Service durchaus ein relevantes Kriterium bei der Auswahl eines Übernachtungsbetriebs dar – insbesondere, wenn das Hotelzimmer auch zum Arbeiten genutzt wird. Doch gerade vor dem Hintergrund des Austauschs vertraulicher Unternehmens- und persönlicher Informationen ist der Schutz des WLAN-Datenverkehrs umso essenzieller. Hotels, die dem Ruf nach einem jederzeit verfügbaren (im besten Fall kostenlosen) Gäste-WLAN nachkommen, sollten die sicherheitsrelevanten Implikationen keinesfalls vergessen. Nicht konsequent abgesicherte WLAN-Strukturen bieten viel Spielraum für Hacker, die darauf aus sind, den Netzwerkverkehr abzuhören und sensible Daten zu stehlen, um daraus Profit zu schlagen. Der Teenager, der im Urlaub nicht auf Internet verzichten kann, ist für Kriminelle dabei sicher weniger interessant als der Geschäftsmann, der via WLAN noch schnell die jüngsten Entwicklungspläne eines neuen Produkts an seinen Kollegen mailt oder über die WLAN-Verbindung des Hotels auf andere vertrauliche Unternehmensinformationen zugreift.

Partner aus dem HORECA Scout

Bewusstsein für Bedrohung schärfen

Für viele Gäste wie auch Hoteliers ist die in dem Zusammenhang bestehende Gefahr jedoch meist wenig greifbar, wahrscheinlich nicht einmal bewusst. Um hier für ein wenig mehr Klarheit zu sorgen: Es gibt verschiedene Kategorien von WLAN-Bedrohungen, die – aus der IT-Security-Brille betrachtet – spezifisch ins Gewicht fallen. Wie die Erfahrung zeigt, geht vom Einsatz sogenannter Evil Twin Access Points im Gastgewerbe ein besonders hohes Risiko aus. Obwohl diese Angriffsform bereits seit 20 Jahren bekannt ist, gehört sie nach wie vor zu den am weitesten verbreitetsten Varianten, die auf Seiten von Hotels weltweit immer wieder verheerenden Schaden anrichtet. Das Erschreckendste daran: Solche Attacken sind unglaublich einfach auszuführen, jeder Anfänger kann sich die dazu nötigen Kenntnisse über frei verfügbare YouTube-Videos aneignen. Und auch die im Zuge dessen nötigen WLAN-Hacking-Werkzeuge stehen öffentlich und legal im Internet zur Verfügung.

Wie kommt der Angreifer per Evil Twin Access Point zum Ziel?

Mit dem Einsatz eines Evil Twin Access Points sollen Gäste dazu gebracht werden, sich nicht mit den Funkstationen des Hotel-WLANs, sondern mit einem anderen, arglistig instrumentalisierten Zugangspunkt (dem wortwörtlichen bösen Zwilling) zu verbinden. Im Zuge dessen wird vom Hacker – der sich in Reichweite des Hotels befinden muss – zunächst die sogenannte SSID des Hotel-WLANs (also der Netzwerkname) mithilfe entsprechender Werkzeuge ausgelesen, um diese anschließend kopieren und selbst ausstrahlen zu können. Wenn das Hotel beispielsweise unter der SSID „WLAN Goldener Schwan“ sendet, wird der Angreifer dies übernehmen. Das dem Anwender angezeigte „Evil Twin“-Netzwerk sieht dann komplett identisch aus und es ist meist nur eine Frage der Zeit, bis sich Gäste mit diesem statt dem eigentlichen Hotel-WLAN verbinden. Hierbei kommen oft weitere Tricks zur Anwendung, mit denen der Hacker darüber hinaus dafür sorgen kann, dass sich die Telefone, Laptops, Smart Watches und Tablets der Gäste automatisch in sein Evil-Twin-Netzwerk einwählen. Dass die „gefälschte“ Verbindung geglückt ist, bemerken Nutzer in der Regel nicht. Sie können wie gewohnt im Internet surfen, auf E-Mails zugreifen, sich bei geschäftlichen Cloud-Anwendungen anmelden oder online auf Shopping-Tour gehen, wobei der Cyberbösewicht in der Lage ist, jeden einzelnen dieser Vorgänge mitzuverfolgen. Und damit nicht genug: Ihm stehen nun alle Wege offen, um Eingaben zu manipulieren, mitzuschneiden, zu verändern und umzulenken oder einfach nur Informationen zu sammeln. Passwörter, Kreditkartennummern und andere sensible Unternehmens- und persönliche Daten waren dann die längste Zeit sicher.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceFührung, Management und Leadership
Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

Lappalie? Von wegen.

Die IT-Security-Experten von WatchGuard Technologies wollten es genauer wissen und haben das Gefahrenpotenzial solcher Evil-Twin-Attacken mit einem Experiment einmal gezielt unter die Lupe genommen. Hierfür wurden öffentliche WLAN-Hotspots an mehr als 45 Orten in fünf Ländern getestet – unter anderem auch in zwölf Hotels und an 13 Flughäfen.

Themen in diesem Artikel
DigitalisierungCyber-SicherheitDigitalisierungWLAN

Nur vier Netzwerke der Stichprobe (alle in Großbritannien) verfügten über einen angemessenen Schutz gegen Evil-Twin-Angriffe – darunter war jedoch nicht ein einziges Hotel-WLAN. Auch die WLAN-Strukturen von bekannten Einzelhandelsmarken, Restaurants und Transportunternehmen in den USA, Deutschland, Brasilien und Polen fielen bei der Probe aufs Exempel durch. Wir sprechen also nicht vom Problem einer einzelnen Unternehmenskette oder Branche – vielmehr stellt sich die Herausforderung generell.

Insofern sollte dem Aufbau sicherer WLAN-Strukturen – sogenannten Trusted Wireless Environments – insgesamt deutlich höhere Bedeutung zugemessen werden. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Abhilfe schafft hier beispielsweise die Implementierung einer WLAN-Lösung mit Wireless Intrusion Prevention Systems (WIPS), die das kabellose Netzwerk konsequent auf etwaige Bedrohungen scannt. Wird eine solche erkannt, lässt sich diese im besten Fall sogar automatisch abwehren. Hier unterscheiden sich die einzelnen verfügbaren WLAN-Lösungen jedoch oft sehr stark im Leistungsumfang. Von daher sollte bei der Auswahl genau hingeschaut werden – insbesondere im Hinblick auf die Sicherheitsfunktionalität. Mit Produkten, die von unabhängiger Seite getestet wurden und nachweislich die wichtigsten WLAN-Bedrohungen identifizieren und blocken können, haben Hoteliers in jedem Fall gute Karten und können auch im WLAN mit einem zielführenden Hygienekonzept aufwarten.

Autoreninfo:

Lesen Sie auch
AußengastronomieGastro, Recht und Gewerbe
Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Paul Moll, Senior Field Marketing Manager Central Europe bei WatchGuard Technologies

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus? Steuerberater Christopher Arendt erklärt, wo die typischen Schwachstellen sitzen und warum wachsende Betriebe ihre Kontrollen jetzt mitwachsen lassen müssen.

Robert Bye, Unsplash
Außengastronomie

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Sommer, Sonne, Außengastronomie – und eine Rechnung, die je nach Standort um den Faktor 60 auseinandergehen kann. Pünktlich zum Start der Hauptsaison hat der Bund der Steuerzahler die Terrassengebühren für rund 200 deutsche Städte erhoben. Das Ergebnis macht deutlich, wie unterschiedlich Städte Außengastronomie bepreisen.

wattline GmbH
Allgemeine Haustechnik

Energieverbrauch im Gastgewerbe: Wo die größten Kostentreiber liegen

Strom, Gas, Heizung – Energiekosten gehören zu den größten Ausgabenposten in Hotels und Restaurants. Doch die Höhe der Rechnung ist alles andere als Zufall: Öffnungszeiten, Gästeaufkommen und die Lage des Betriebs spielen eine ebenso große Rolle wie die technische Ausstattung. Wer weiß, an welchen Stellschrauben sich tatsächlich drehen lässt, kann Kosten senken – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Doch welche Faktoren wiegen am schwersten, und wo verbergen sich die größten Einsparpotenziale?

Canva
Digitalisierung

KI-Inhalte kennzeichnen: Was ab 2. August 2026 gilt

Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung liegt – und warum Betriebe, die das ignorieren, Abmahnungen und empfindliche Bußgelder riskieren.

Lightspeed, L Seden
Branche und Trends

Nachhaltigkeit in der Gastronomie stößt an die Preisgrenze

Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal fünf Prozent Aufschlag. Für Gastronomiebetriebe wird die grüne Transformation damit zur ökonomischen Gratwanderung.

Gastfreund GmbH
Branche und Trends

Warum Hotels 2026 ohne digitale Gästekommunikation Marktanteile verlieren

Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern schlicht den Anschluss. Ein aktueller Branchenreport der Gastfreund GmbH zeigt, wo der größte Hebel liegt – und warum die eigentliche Herausforderung nicht Technologie, sondern Integration ist.

Weitere Artikel zum Thema

Canva
Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung[...]
Canva
Gastfreund GmbH
Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern[...]
Gastfreund GmbH
TheFork
Nicht wahrgenommene Reservierungen zählen zu den wirtschaftlich relevantesten Einflussfaktoren im Gastronomiebetrieb und wirken sich unmittelbar auf Umsatz und Auslastung aus. Aktuelle Marktauswertungen zeigen zugleich, dass sich No-Shows durch strukturierte Prozesse im Reservierungsmanagement deutlich reduzieren lassen.[...]
TheFork
Gemini
Bandspülmaschinen mit Kameras, Untertischgeräte mit Lernkurve, Spülanlagen mit dynamischer Energieverteilung – die Hersteller bringen Künstliche Intelligenz in einen der unterschätztesten Bereiche der Profi-Küche. Ein Überblick über drei Ansätze, die sich erkennbar unterscheiden.[...]
Gemini
SumUp, Unsplash
Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und das schneller als viele denken. Während der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit Jahresbeginn verpflichtend ist, müssen Hotels und Restaurants ab 2027 schrittweise auch beim Versand umstellen.[...]
SumUp, Unsplash
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.