Bewertungen sind heute allgegenwärtig: als klassischer Kommentar auf einer Buchungsplattform, als Sternebewertung im Online-Shop oder als spontanes Video auf TikTok. Sie bieten Orientierung beim Kauf eines Produkts oder der Buchung einer Reise – und sind längst mehr als nur objektives Feedback. Bewertungen sind Ausdruck von Meinung, Identität und Emotion geworden, und auch der Umgang mit ihnen unterscheidet sich deutlich zwischen den Generationen: Während die einen systematisch vergleichen, reagieren andere spontan und emotional und verstehen das Teilen ihrer Erfahrungen als Teil ihrer digitalen Identität.
Warum wir bewerten: Ein Blick über alle Generationen
Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse: Es gibt Gründe zu bewerten, die alle Generationen verbinden. So sehen die meisten Befragten Bewertungen als Möglichkeit, anderen zu helfen und Orientierung zu geben, unabhängig vom Alter.
Darüber hinaus werden jedoch deutliche Unterschiede sichtbar. Für die Gen Z ist Bewerten stärker emotional und sozial geprägt als für ältere Generationen.
68 Prozent geben an, dass es ihnen Spaß macht, bei den Babyboomern sind es lediglich 38 Prozent. Gleichzeitig gibt das Bewerten vielen das Gefühl, dazuzugehören: Mehr als die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen fühlt sich durch Bewertungen als Teil einer Community, fast jeder Zweite nutzt sie zur Selbstdarstellung.
Gen Z: Wenn Gefühle das Feedback prägen
Die Gen Z bewertet nicht nur, sie fühlt mit. Sympathie, Begeisterung, aber auch die Sorge vor Konsequenzen beeinflussen ihr Verhalten stärker als bei jeder anderen Generation. Für 82 Prozent ist das Schreiben von Bewertungen ein Ausdruck der freien Meinungsäußerung.
Entsprechend ad hoc fällt ihr Feedback aus: 65 Prozent geben an, spontan zu bewerten, wenn sie etwas besonders gut oder schlecht finden. Bei den Babyboomern sind es nur 36 Prozent, die sich so verhalten.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Emotionen auch das Bewertungsverhalten der jüngeren Generationen beeinflussen. So geben beispielsweise 31 Prozent der Gen Z an, positive Aspekte besonders hervorgehoben zu haben, weil sie den Anbieter sympathisch fanden. Zudem sagt fast jeder Fünfte, dass negative Aspekte bewusst abgeschwächt wurden, um niemandem zu schaden.
Zwischen Vertrauen und Vielfalt: Bewertungen bleiben zentral
„Wir sehen, dass Bewertungen heute nicht mehr nur gelesen, sondern in unterschiedlichen Formaten erlebt werden, von klassischen Texten bis hin zu kurzen Video-Reviews in den sozialen Medien", sagt Nina Hammer, Pressesprecherin bei HolidayCheck. „Damit verschiebt sich auch, welchen Quellen Nutzerinnen und Nutzer vertrauen."
Das zeigt sich besonders bei der Gen Z: 41 Prozent halten Bewertungen in sozialen Medien für besonders glaubwürdig, bei den Babyboomern unterschreiben diese Aussage nur 13 Prozent.
„Gerade diese hohe Zustimmung macht deutlich, wie wichtig es ist, Bewertungen im Kontext zu betrachten. Denn nicht jede Bewertung im Internet wird überprüft. Insbesondere auf sozialen Plattformen können Inhalte ungefiltert veröffentlicht werden. Umso wichtiger ist es, Bewertungen kritisch zu hinterfragen. Das bedeutet, mehrere Bewertungen zu vergleichen, unterschiedliche Quellen einzubeziehen und darauf zu achten, wer bewertet und unter welchen Bedingungen die Erfahrung gemacht wurde, etwa ob jemand als Familie, Paar oder allein gereist ist oder welche Erwartungen an Unterkunft oder Service bestanden."
Vier Generationen, vier Bewertungs-Typen
Sag mir dein Alter und ich sage dir, wie du bewertest: Der Report zeigt: Das Bewertungsverhalten unterscheidet sich je nach Generation deutlich und lässt sich in verschiedene Typen einteilen:
Die Baby-Boomer (1951-1965) agieren als „analytische Entscheider". Sie vergleichen Bewertungen über mehrere Plattformen hinweg und lesen gezielt mehrere Erfahrungsberichte. Ihr Ansatz ist strukturiert und faktenorientiert.
Die Gen X (1966–1980) agiert als „reflektierte Abwäger". Sie nutzt verschiedene Quellen, vergleicht unterschiedliche Perspektiven und ordnet Bewertungen bewusst ein. Ihr Ansatz ist ausgewogen und vergleichend.
Die Gen Y (1981–1995) agiert als „pragmatische Entscheider". Sie nutzt Bewertungen vor allem zur schnellen Orientierung und verlässt sich häufig auf Gesamtbewertungen statt auf tiefgehende Recherche. Ihr Ansatz ist effizient und zweckorientiert.
Die Gen Z (1996–2010) agiert als „emotionale Bewerter". Sie bewertet spontan und lässt sich stark von persönlichen Eindrücken, sozialen Medien und Einzelmeinungen leiten. Ihr Ansatz ist emotional, schnell und sozial geprägt.
Bewertungen zwischen Anspruch und Realität
Trotz ihrer hohen Relevanz stimmen Bewertungen nicht immer mit der eigenen Erfahrung der Realität überein. Gerade jüngere Nutzer geben an, dass sie gelegentlich Bewertungen gelesen haben, die nicht mit ihrer eigenen Reiseerfahrung übereinstimmen. 21 Prozent der Gen Z sagt sogar, dass sie sehr häufig Meinungen im Internet lesen, die von ihren Erfahrungen abweichen. Das zeigt, dass es im Bewertungsdschungel aus unterschiedlichen Plattformen, Formaten und Meinungen immer schwieriger wird, verlässliche Informationen zu erkennen. Umso wichtiger ist es, gezielt nach passenden Perspektiven zu suchen. Nutzerinnen und Nutzer können dafür beispielsweise Filter nach Altersgruppen nutzen, um Bewertungen zu finden, die zur eigenen Lebensrealität und Reiseplanung passen.
Gleichzeitig liegt in dieser Vielfalt auch ein großer Mehrwert: Bewertungen sind heute vielseitiger, emotionaler und individueller als je zuvor und bieten unterschiedliche Blickwinkel, die ein wichtiges Gegengewicht zur Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen darstellen. Wer sie nutzt, sollte daher nicht nur auf Sterne achten, sondern auch darauf, wer bewertet und aus welcher Perspektive Erfahrungen geschildert werden.
Für fundierte Entscheidungen lohnt es sich, verschiedene Quellen bewusst zu kombinieren. Videos und Inhalte aus sozialen Medien können dabei eine wertvolle Inspirationsquelle sein, sollten jedoch nicht die einzige Entscheidungsgrundlage bleiben. Verlässliche Orientierung bieten insbesondere Bewertungsplattformen, die ihre Inhalte auf Authentizität prüfen, etwa im Reisebereich Plattformen wie HolidayCheck, die sich dem strengen „Code of Conduct for online reviews and ratings for tourism accommodation" der EU angeschlossen haben und diesen auch konsequent umsetzen.











