Das Gastgewerbe steht weiterhin unter wirtschaftlichem Druck. Gestiegene Kosten, verhaltene Konsumstimmung, Fachkräftemangel und eine schwache konjunkturelle Entwicklung belasten viele Betriebe. Hinzu kommen Nachwirkungen der vergangenen Krisenjahre, in denen finanzielle Reserven vieler Unternehmen bereits deutlich zurückgegangen sind. Aktuelle Auswertungen von CRIF zeigen, dass 11,1 Prozent der Unternehmen im Bereich Gastronomie insolvenzgefährdet sind. In der Beherbergung liegt der Anteil bei 10,3 Prozent. Damit zählt das Gastgewerbe zu den Wirtschaftsbereichen mit erhöhter Insolvenzgefährdung in Deutschland. Regional betrachtet weisen Gastronomiebetriebe in Berlin die höchste Insolvenzgefährdung (14,4 Prozent) auf. Dicht dahinter liegen Nordrhein-Westfalen mit 14,3 Prozent und Sachsen mit 14,1 Prozent.
Wie gestaltet sich die wirtschaftliche Lage im Gastgewerbe?
Die Ursachen sind vielfältig. Hohe Energie-, Waren- und Personalkosten wirken sich unmittelbar auf die Ertragslage aus. Mit dem Ausbruch des Irankonflikts hat sich die Lage nochmal deutlich verschärft – private Haushalte und Unternehmen agieren angesichts unsicherer Rahmenbedingungen zurückhaltender bei Ausgaben für Restaurantbesuche, Reisen oder Veranstaltungen. Zwar hat die Regierung mit der Reduzierung der Mehrwertsteuer erste Maßnahmen auf den Weg gebraucht, um gegenzusteuern. Die Wirkung bleibt jedoch begrenzt.
Dass sich die Anzahl der Insolvenzen in der Branche weiter verschärfen dürfte, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Zahlungsmoral. In der Gastronomie werden Rechnungen aktuell im Durchschnitt mit 27,9 Tagen Verspätung bezahlt, in der Beherbergung mit einer Verzögerung von 25,6 Tagen. Eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr. Damals waren es in der Gastronomie 23,1 Tage und in der Beherbergung 22,7 Tage. Eine nachlassende Zahlungsmoral ist ein deutliches Signal für zunehmende Liquiditätsengpässe und daher ein relevanter Frühindikator für drohende Insolvenzen.
Inwiefern lösen Insolvenzen Kettenreaktionen aus?
Erschwerend kommt hinzu, dass die Gastronomie nicht die einzige Branche ist, die aktuell unter der steigenden Zahl von Insolvenzen leidet. In Gesamtdeutschland erwarten wir aktuell 26.000 Insolvenzen, ein Plus von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Entwicklung, die sich zusätzlich negativ auf die wirtschaftliche Situation im Gastgewerbe auswirken könnte, denn: ein Blick auf ähnliche Phasen in der Vergangenheit zeigt, dass Insolvenzen durchaus das Potenzial haben, Kettenreaktion auszulösen. Allein im vergangenen Jahr sind in Deutschland Insolvenzschäden in Höhe von 57 Milliarden Euro entstanden. Diese Forderungsausfälle betreffen Geschäftspartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch wirtschaftlich solide Unternehmen im Gastgewerbe können dadurch belastet werden. Offene Rechnungen werden später oder gar nicht bezahlt, Leistungen fallen aus oder geplante Veranstaltungen werden kurzfristig abgesagt. Besonders bei größeren Bankett-, Tagungs- oder Cateringaufträgen können einzelne Forderungsausfälle erhebliche Auswirkungen auf die Liquidität haben. Da Margen im Gastgewerbe häufig begrenzt und Fixkosten hoch sind, können größere Zahlungsausfälle auch grundsätzlich gesunde Betriebe belasten.
Zahlungsausfälle führen oft zu Dominoeffekten.
Wie können sich Betriebe vor Ausfällen schützen?
Um den eigenen Betrieb vor Ausfällen zu schützen, ist es umso entscheidender, Hinweise auf eine drohende Insolvenz von Geschäftspartnern frühzeitig zu erkennen und ganz konkret festzulegen, wie mit Geschäftspartnern in potenziell finanzieller Schieflage umgegangen werden sollte. Folgende drei Schritte helfen dabei:
1. Frühwarnsignale systematisch erfassen
Finanzielle Schwierigkeiten von Geschäftspartnern werden häufig nicht erst mit der offiziellen Insolvenzbekanntmachung sichtbar. Zu diesem Zeitpunkt ist der Handlungsspielraum meist bereits eingeschränkt. Auch verspätete Jahresabschlüsse, Änderungen im Handelsregister oder Umstrukturierungen können Hinweise liefern, werden aber oft erst relativ spät wahrgenommen. Frühe Anzeichen zeigen sich häufig im Zahlungsverhalten: verspätete Zahlungen, ungenutzte Skontofristen, Teilzahlungen, Rücklastschriften oder wiederholte Bitten um Zahlungsaufschub. Solche Entwicklungen sollten dokumentiert und in die Bewertung der Geschäftsbeziehung einbezogen werden.
Auch Veränderungen in der Kommunikation können relevant sein. Eine schlechtere Erreichbarkeit, häufig wechselnde Ansprechpartner, ausweichende Antworten oder ungewöhnlicher Zeitdruck bei Bestellungen und Vertragsabschlüssen können Hinweise auf eine angespannte Lage sein. Gleiches gilt für den Wunsch nach längeren Zahlungszielen, höheren Kreditlinien oder nachträglichen Änderungen bestehender Vereinbarungen. Bei Lieferanten zeigen sich Risiken eher in operativen Abläufen. Nicht eingehaltene Liefertermine, schwankende Qualität, unregelmäßige Liefermengen oder geänderte Zahlungsbedingungen können auf wirtschaftliche oder organisatorische Probleme hindeuten. Einzelne Auffälligkeiten sind nicht automatisch ein Krisensignal. Kritisch wird es, wenn mehrere Hinweise zusammenkommen oder sich Muster wiederholen. Ein wirksames Frühwarnsystem verbindet daher interne Beobachtungen mit externen Informationen. Persönliche Erfahrung und langjährige Geschäftsbeziehungen bleiben wichtig, sollten jedoch durch strukturierte Daten ergänzt werden.
2. Bonitätsprüfung als Bestandteil des Risikomanagements
Ein hilfreiches Werkzeug kann dabei die Bonitätsprüfung sein. Sie hilft, Risiken objektiver einzuschätzen und liefert Hinweise darauf, wie wahrscheinlich Zahlungsausfälle oder Insolvenzen bei einem Geschäftspartner sind. Moderne digitale Lösungen ermöglichen heute eine vergleichsweise einfache und kosteneffiziente Prüfung und Überwachung von Geschäftspartnern. Tools wie „Panorama" von CRIF können Unternehmen dabei unterstützen, Bonitätsinformationen zu nutzen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen auf eine breitere Informationsbasis zu stellen.
Obwohl diese Tools Bonitätsprüfungen heute wesentlich einfacher und günstiger machen, lohnt sich diese sicherlich nicht bei jeder kleinen Einzelbuchung von Privatpersonen oder Geschäftsreisenden. Bei größeren Aufträgen, langfristigen Vereinbarungen oder bei der Ausweitung bestehender Kreditlinien – und insbesondere auch, wenn es sich um einen Neukunden handelt, ist eine Überprüfung der Bonität unbedingt zu empfehlen, um den eigenen Betrieb vor größeren Ausfällen zu schützen. Ein weiterer Vorteil: Einige Tools bieten mittlerweile auch Funktionen, mit denen sich der gesamte Lieferanten- und Kundenstamm auf mögliche Risiken analysieren lässt. Insbesondere für Gastbetriebe, deren Kerngeschäft auf Geschäftsreisen ausgerichtet ist, kann dies einen deutlichen Mehrwert bieten.
Je höher der offene Forderungsbetrag und je länger der Zeitraum bis zur Zahlung, desto wichtiger ist eine belastbare Einschätzung der Bonität. Dabei ist nicht nur die einmalige Prüfung vor Vertragsabschluss relevant. Bonität verändert sich im Zeitverlauf. Deshalb sollte bei wichtigen Geschäftspartnern auch ein regelmäßiges Monitoring erfolgen. Eine Bonitätsprüfung ersetzt keine unternehmerische Entscheidung. Sie schafft jedoch zusätzliche Transparenz und hilft, angemessene Zahlungsbedingungen, Kreditlimits oder Sicherheiten festzulegen.
3. Vertragsgestaltung und Forderungsmanagement reduzieren Risiken
Neben der Überprüfung von Geschäftspartnern, sind klare vertragliche Regelungen ein wichtiges Mittel zur Risikobegrenzung – und zwar auch dann, wenn die äußeren Umstände kein Anlass für Bedenken zu geben scheinen. Dazu gehören festgelegte Kreditlimits, Anzahlungen bei größeren Aufträgen, kurze Zahlungsziele und eindeutige Regelungen zu Fälligkeiten, Stornierungen und Leistungsumfang. Besonders bei Veranstaltungen, Gruppenbuchungen oder umfangreichen Cateringaufträgen können Anzahlungen helfen, Vorleistungen abzusichern. Kreditlimits verhindern, dass offene Forderungen unkontrolliert anwachsen. Kurze Zahlungsziele ermöglichen eine frühere Reaktion, wenn Zahlungen ausbleiben.
Ebenso wichtig ist ein konsequentes Forderungsmanagement. Rechnungen sollten zeitnah gestellt, Zahlungseingänge regelmäßig kontrolliert und Mahnprozesse klar definiert werden. Verzögerungen erhöhen das Ausfallrisiko und reduzieren den Handlungsspielraum. Wenn bei einem Geschäftspartner bereits deutliche Krisensignale erkennbar sind, sollte das Risiko reduziert werden. Möglich sind etwa die Umstellung auf Vorkasse, die Senkung von Kreditlinien, zusätzliche Sicherheiten oder die Zurückstellung weiterer Leistungen bis zur Zahlung offener Forderungen. Bei Ratenzahlungsvereinbarungen, Stundungen oder erkennbaren Insolvenzanzeichen ist eine juristische Prüfung empfehlenswert.
Inwiefern gibt Risikomanagement Betrieben Handlungsspielraum zurück?
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Insolvenzrisiken im Gastgewerbe aktiv beobachtet und gesteuert werden sollten. Entscheidend für Betreiber ist, Risiken nicht isoliert zu betrachten. Eine verspätete Zahlung, eine veränderte Kommunikation oder eine einzelne operative Auffälligkeit muss noch kein Signal auf eine bevorstehende Insolvenz sein. In Kombination mit weiteren Hinweisen kann daraus jedoch ein aussagekräftiges Bild entstehen. Wer Risiken rechtzeitig erkennt, kann Zahlungsbedingungen anpassen, Sicherheiten vereinbaren oder Geschäftsbeziehungen neu bewerten. In einem wirtschaftlich angespannten Umfeld, wie wir es aktuell in der Branche und darüber hinaus beobachten, ist dieser frühzeitige Zugang zu verlässlichen Informationen ein wesentlicher Faktor für Stabilität. Damit wird Risikomanagement nicht zum zusätzlichen Verwaltungsaufwand, sondern zu einem Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung.











