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Wie sieht eine gute Unternehmenskommunikation in schwierigen Zeiten aus?

Digitale Kommunikation ist in aller Munde. Hier noch schnell ein Post über die neue Wochenkarte, dort noch schnell auf eine Bewertung antworten. Aber bringt das alles denn überhaupt etwas? Über Monate hinweg werden Profile bespielt und der Mehrwert bleibt aus. Der Gastro- und Marketing-Experte Michael Noel bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

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Wenn eine neue Speisekarte entwickelt wird, machen sich die Köche und Chefs darüber Gedanken. Welche Produkte nehmen wir, was hat gerade Saison, was könnte unseren Gästen schmecken, wie können wir die Komponenten anrichten, um ein Showeffekt zu erzeugen, stimmt der Deckungsbeitrag und kann das in der Servicezeit auch abgebildet und geleistet werden? Viele Facetten die hinter ein paar Gerichten stecken. Wieso macht sich aber keiner Gedanken darüber, wie der Betrieb sich in der Außendarstellung präsentiert?

Auch bei „Take-away“ Geschäft: Außendarstellung und deren Kommunikation planen

Es klingt vielleicht ein wenig hart, aber jede Woche die Wochenkarte zu veröffentlichen ist vergleichbar, als wenn dem Gast ein einfacher ungewaschener Salatkopf vom Markt serviert wird. Natürlich würde an dieser Stelle die Herangehensweise einer professionellen und strukturierten Social Media Strategie überdimensioniert wirken. Dennoch sollte auch die Außendarstellung und deren Kommunikation geplant und durchdacht werden. Wahrscheinlich erscheint es, vor allem den kleineren Betrieben, zu viel Aufwand oder schlichtweg nicht nötig. Aber was tun, wenn der Gast nicht mehr kommen darf und nur noch das „Take-away“ Geschäft funktionieren kann? Reicht dann einfach die Information über das Serviceangebot?

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Fakt ist, wenn ein Profil 300 Fans hat, heißt es nicht automatisch, dass alle Fans diesen Beitrag sehen. Oftmals ist es nur ein Bruchteil. Bleiben wir aber mal beim Thema der betrieblichen Darstellung und versetzen uns in das folgende Beispiel.

Ein Gast wohnt in einem kleineren Ort mit etwa 7.000 Einwohnern. In diesem Ort gibt es 3 Pizza Hersteller. Zwei davon sind klassische Lieferdienste die von der Pizza bis zum Burger alles anbieten. Einer davon ist ein Restaurant mit ehrlichem Handwerk und guter Qualität und einer hervorragenden Pizza. Die Lieferdienste profitieren oft von intuitiven Baukästen und deren Darstellung von Lieferando oder ähnlichen Anbietern. Das Restaurant muss in dem Fall ein gutes SEO betreiben und die Darstellung auf Social Media sinnvoll gepflegt haben.

Hier gibt es aber einen entscheidenden Faktor – Authentizität. Wo würden Sie lieber eine Pizza kaufen? Ansehnliche Bilder und günstiger Preis oder 2-3 Euro teurer, jedoch steht hier der sympathische Pizzabäcker vor der Kamera. Der dehnt gerade den Teig und belegt die Pizza. Nebenbei redet er in die Kamera und erklärt, was er da macht. Während die Pizza im Holzofen bäckt und der Prozess auf Kamera festgehalten wird, läuft dem Gast das Wasser im Mund zusammen. Zum Schluss holt der Pizzabäcker die Pizza aus dem Ofen und fordert vor der Kamera den Gast charmant auf, sich eine Pizza zu gönnen. Mit einem Klick kann der Gast auch bei Instagram direkt auf die Bestellseite gebracht werden oder direkt anrufen. Das Video geht nicht länger als 4 Minuten und lässt den Gast nahezu live dabei sein, als wenn er im Restaurant vor dem Ofen steht und zuschauen darf.

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Nutzer sollten häufig die Profile des Unternehmens aufrufen

Zusätzlich gibt es noch einen weiteren positiven Effekt für die Zukunft, der vielen nicht bewusst ist. Ein Thema welches vielen Social Media Managern da draußen die schlimmsten Albträume bereitet – der Algorithmus. Darüber könnte man ein eigenes Buch schreiben und mit Abschluss des Buches haben sich vermutlich wieder einige Dinge geändert. Aber eines bleibt sicher bestehen und das ist die Zeit des Nutzers. Man könnte dies schon als eine Währung bezeichnen. Die Zeit, die der Nutzer auf einem Profil verbringt, kann zu einer steigenden organischen Reichweite führen. Bedeutet, dass ein Profil mit hoher Aufmerksamkeit, zum Beispiel mit dem Thema Pizza, auch anderen Nutzern dasselbe Interesse angezeigt wird, ohne dass dafür bezahlt werden muss. In Facebook ist es leider nicht so einfach.

Themen in diesem Artikel
MarketingCoronaKommunikationMarketingUmsatzsteigerung

Leider ist es noch nicht möglich, Gerüche oder Geschmäcker auf digitalem Wege zu transportieren. Zumindest die visuelle Variante sollte in vollem Umfang ausgeschöpft werden. Seien Sie mutig und machen Sie sich einen strukturierten Plan, wie Sie Ihre Besonderheiten im Betrieb nach außen hin darstellen, sodass Sie nicht nur Ihre Stammgäste, sondern auch neue Gäste erreichen. Seien Sie kreativ und verlassen Sie sich nicht immer nur auf festgefrorene Bilder.

Über den Autor
Der Gastro- und Marketing-Experte Michael Noel arbeitet seit rund 15 Jahren in der Gastronomie und Hotellerie. 2019 hat er gemeinsam mit Andreas Hartnagel das Unternehmen HN Performance gegründet, mit dem sie Gastronomen und Hoteliers innerhalb deren individuellen Digitalisierungsvorhaben und der digitalen Unternehmenskommunikation beraten, schulen und begleiten. Zusätzlich ist diese Dienstleistung durch das BAFA förderfähig. Als Hotelbetriebswirt, Küchenmeister und zertifizierter Social Media Manager verfügt er über ein geballtes Know-how, mit welchem er der Gastronomie und Hotellerie in der digitalen Unternehmenskommunikation hilft und sein Wissen für seine Kunden und deren Gäste gewinnbringend umsetzt.

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