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Elektromobilitäts-Report 2022: Die 4 wichtigsten Trends zum E-Auto

Die Elektromobilität schreitet in Deutschland voran. Trotz der Unsicherheiten, die unter anderem Corona vielen Menschen gebracht hat, steigen die Neuzulassungen hierzulande seit Jahren kontinuierlich an. Und die Ampel-Koalition unterstützt diesen Trend deutlich: Ihr Ziel sind 15 Millionen vollelektrische Autos auf Deutschlands Straßen bis 2030. Welche Vorteile bietet diese Entwicklung?

andreas160578, Pixabayandreas160578, Pixabay

Dieses Ziel ist im Koalitionsvertrag fixiert, zusammen mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Förderung des autonomen Fahrens.

Peter Görtzen, Director Wholesale für die EMEA Region bei CTEK, der weltweit führenden Marke für Ladelösungen für Fahrzeuge, gibt einen Überblick über die Trends und notwendigen Entwicklungen. Generell gilt: In Zeiten steigender Benzinpreise und politischer Herausforderungen richtet sich mehr Aufmerksamkeit auf die Mobilität, mit der Autofahren nachhaltig günstiger und zukunftsfähiger wird. Damit das E-Auto seinen Siegeszug antreten kann, müssen wir seine Rolle neu verstehen.

1. Energiewende und Klimaziele: Zwei Themen für Autofahrer

Die Automobilbranche und der Energiesektor sind zusammen im Umbruch. Und in beiden Bereichen muss dieselbe Herausforderung gemeistert werden: Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Erdgas, Erdöl und Kohle sind nur begrenzt vorhanden, so dass weitere Verknappung auch ohne die fatalen Treibhausgas-Emissionen zu Preissteigerungen und Verteilungskämpfen führen würde. Auch diese Lösung ist für beide Bereiche dieselbe: Ein vollständiger Umstieg auf die drei Energieträger Sonne, Wasser und Wind, deren Nutzbarmachung keine Treibhausgas-Emissionen generiert. Ein Energie-Umstieg ist auch für Elektroautos ein Vorteil, denn der Hauptreiber für den Elektrotrend ist die Klimakrise123. Doch vollends etabliert ist die Elektromobilität noch nicht. Die Preise für Kraftstoffe könnten ihren Teil dazu beitragen, diese Entwicklung zu beschleunigen. Benzin ist zuletzt teuer geworden. Trotz leichter Entlastung an der Tanksäule kostet ein Liter SuperE10 aktuell durchschnittlich 2,048 Euro, der Liter Diesel 2,154 Euro. So teuer waren die Spritpreise noch nie. Zwar steigen auch die Strompreise an, doch liegt der Preis für eine Kilowattstunde im März 2022 bei rund 42 Cent4. Damit ist Deutschland bezüglich des Stroms trauriger Spitzenreiter in Europa, es geht also auch deutlich günstiger. Die Bürger leiden vor allem unter den hohen Kraftstoffpreisen. Nun hat sich die Ampel auf ein Entlastungspaket geeinigt: Alle Steuerzahler erhalten einmalig eine Energiepauschale, der Treibstoff wird günstiger und ein subventioniertes Nahverkehrsticket angeboten. So solle die Gesellschaft schnell und sozial gerecht entlastet werden. Eine nachhaltige Lösung mit Blick auf den Klimaschutz ist das nicht.

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Der Umbruch im Automobilbereich ist also an den Ausbau der erneuerbaren Energien gekoppelt. Denn Elektromobilität ist im Betrieb zwar günstiger, nicht aber umweltfreundlicher, wenn sich der Strommix Deutschlands nicht ändert.

2. Bidirektionales Laden mit grüner Energie

Unser Verständnis vom Auto wandelt sich im Zuge der sogenannten Energiewende. Es ist nicht länger nur ein Fortbewegungsmittel, ein Versprechen von individueller Freiheit und Komfort, sondern auch ein beweglicher Stromspeicher, der, je nach Konfiguration, Strom abgeben kann. Für den Autofahrer verändert sich dadurch nicht viel. Sein Fahrzeug wird zukünftig in Spitzenlastzeiten Strom abgeben können und so Engpässe in Haushalten und Gewerbe abfedern. Bidirektionales Laden ist der Fachausdruck für diese Ladetechnik. Das Ganze wird vorab konfigurierbar sein, sodass Ladevorgänge weiterhin mit den Fahrzielen des Folgetages abgestimmt sind. Für den Energiekunden eröffnet das Wechselspiel aus grüner Energie und Elektro-Auto dagegen eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Im Idealfall kann der Kunde mit der Sonnenenergie von seinem eigenen Hausdach sein Auto laden, ohne, dass es ihn etwas kostet, und mit dem Strom aus der Batterie seines Autos zu Spitzenlastzeiten ganze Geräte in seinem Haushalt betreiben oder ihn an Dritte weiterverkaufen. Das Potential intelligenter Stromnutzung durch ein System aus erneuerbaren Energien, neuen Speichertechnologien und den Ausgleich von Belastungsspitzen über die E-Auto-Flotte schätzen Experten als deutlich größer ein als beispielsweise das Potential der Pumpspeicherkraftwerke, deren Betrieb zudem an sehr spezielle Voraussetzungen gebunden ist.
Zu ergänzen ist das durch die Gründung und Förderung lokaler Energiegemeinschaften mit dezentraler Produktion. Diese werden allein den Strombedarf Deutschlands nicht decken können, sind aber unverzichtbar, wenn wir die Elektromobilität und die Technik bidirektionalen Ladens in den Blick nehmen.

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3. Ladeinfrastruktur: Notwendigkeiten einer gelingenden Modernisierung

Ladeinfrastruktur und dezentrale Energieproduktion müssen zusammen ausgebaut werden, damit Elektroautos die Funktion eines Puffers für die vollelektrifizierte Wirtschaft übernehmen können. Zu dem ehrgeizigen Ziel der Regierung von 15 Millionen vollelektrischen Autos im Jahr 2030 kommen eine Million öffentliche Ladepunkte in Deutschland hinzu – angesichts eines Bestandes von aktuell 56.626 Ladesäulen im März 20225. Im Vergleich dazu stehen in den Niederlanden 82.263 Ladepunkte für rund neun Millionen zugelassene E-Autos zur Verfügung. Obwohl die private Ladeinfrastruktur ein großes Ausbau-Potenzial6 bietet, ist zu erwarten, dass gewerbliche Flotten ein schnelles Wachstum verzeichnen werden, gefolgt von Ladestationen am Zielort, am Arbeitsplatz und direkt an der Straße. Dass Bedarf an einem Ausbau in Unternehmen da ist, zeigt der hohe Andrang am 300 Millionen Euro budgetierten Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums „Ladeinfrastruktur vor Ort“. Bis zum 31. Dezember 2021 konnten kleine und mittlere Unternehmen – „insbesondere Unternehmen des Einzelhandels und des Hotel- und Gastgewerbes sowie kleine Stadtwerke und kommunale Gebietskörperschaften“ – die Förderung beantragen. Der Topf ist laut der Bundesregierung wohl ausgeschöpft, denn es sind bereits Anträge in einem Volumen von 363 Millionen Euro eingegangen.

Themen in diesem Artikel
Mobilität und LogistikE-Mobilität

Der regulatorische Druck auf Unternehmen wird in Hinblick auf umweltfreundliche Flotten und Dienstfahrzeuge zunehmen. Zudem kann die Installation von Ladestationen einen nachhaltigen Marktvorteil darstellen und auch die Zukunft sichern. Der Verband der Automobilindustrie erarbeitet aktuell einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“7 in dem auch die Konkretisierung der Ausbaupläne und die Angleichung der Geschwindigkeit des Ladeinfrastrukturausbaus an den wachsenden Bedarf thematisiert werden.

4. EV-Roaming für unabhängiges Laden

Um den flächendeckenden Ausbau zu realisieren, ist die Entwicklung kundenfreundlicher Standards von hoher Bedeutung. Eine Reihe von Betreibern wie E.ON drive und Vattenfall inCharge haben jetzt „Lade-Roaming“-Vereinbarungen geschlossen, die die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge nutzerfreundlicher machen und den Fahrern Zugang zu Tausenden von Ladestationen weltweit verschaffen. Das System funktioniert ähnlich wie Daten-Roaming-Vereinbarungen für Mobiltelefone. Dabei schließt man mit einem E-Mobilitätsanbieter einen Stromladetarif ab. Dies ist eine positive Entwicklung sowohl für Fahrer von Elektrofahrzeugen als auch für den Fortschritt im Hinblick auf die Klimaschutzziele. Die Zahlungsmethoden an Ladestationen sollten allerdings noch vereinheitlicht werden. Für viele Besitzer eines Elektroautos wird das Mitführen mehrerer RFID-Tags im Handschuhfach für das Laden unterwegs zu einer Konsequenz. Bei dem Aufsuchen einer neuen Ladesäule kann es sein, dass der Ladevorgang das Scannen eines QR-Codes oder die Registration auf einer Website oder in einer App miteinschließt. Spätestens ab dem 1. Juli 2023 wird laut Beschluss der Bundesregierung das Zahlen per EC oder Kreditkarte zum gesetzlich eingeforderten Standard. Eine entsprechende Ladesäulenverordnung trat Anfang Januar 2022 in Kraft.

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Auf EU-Ebene sind die Entwicklungen ähnlich: derzeit wird an EU-Rechtsvorschriften gearbeitet, die die Betreiber verpflichten würden, ihre Ladestationen diskriminierungsfrei und transparent für jedermann zugänglich zu machen und Zahlungen per Debitkarte zuzulassen. 2022 wird also hoffentlich das Jahr sein, in dem die Bezahlung mit Smartphone oder Debitkarte ermöglicht und zusätzliche RFID-Etiketten, QR-Codes und Bezahl-Apps hinfällig werden. Die sich entwickelnde internationale Norm ISO 15118 für die standardisierte Kommunikation zwischen Fahrzeug und Stromnetz ist ein echter Wendepunkt, denn sie wird das Anschließen und Laden von Elektrofahrzeugen wesentlich vereinfachen. Die verschiedenen RFID-Etiketten und Zahlungskarten sind dann nicht mehr notwendig – das Auto identifiziert sich stattdessen automatisch an der Ladestation, und die Kosten für den Ladevorgang werden automatisch von der Bank- oder Kreditkarte abgebucht – so einfach ist das!

Fazit

Neue Entwicklung und Berechnungen zeigen, dass das Elektroauto im Vergleich zu Benzin- und Dieselfahrzeugen auf Jahresbasis geringere Kraftstoffkosten aufweist. Und das, obwohl die Preise für Strom, Benzin und Diesel in letzter Zeit gestiegen sind. Die Ersparnisse beim Fahren eines Elektroautos belaufen sich auf mehrere tausend Euro. Doch bleibt eine sogenannte Reichweiten- und Ladesäulen-Angst bestehen. Deshalb gilt der Aufbau einer ganzheitlichen und bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur noch als Hürde, welche momentan den E-Mobility-Boom in Deutschland bremst.

1 Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors in Deutschland bis 2020 | Statista
2 220228_gz-gesetzespaket.pdf (germanzero.de)
3 CO2-Emissionen im Personennahverkehr Deutschlands 2019 | Statista
4 Strompreise 2022 – News & Charts zur Strompreisentwicklung (strom-report.de)
5 Bundesnetzagentur – E-Mobilität
6 Vgl. Dena: Gebäudebestand und privates Ladeinfrastrukturpotenzial, S. 13-17, abrufbar unter: dena-STUDIE: Privates Ladeinfrastrukturpotenzial in Deutschland
7 Ladeinfrastruktur: VDA veröffentlicht umfassende Empfehlungen | VDA

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