Suche

Parkraum als Umsatzbremse: Warum ungenutzte Stellplätze Betriebe direkt Geld kosten

  • Parkraum ist kein Kapazitäts-, sondern ein Steuerungsproblem: 41 Prozent der Autofahrer verzichten auf Besuche, wenn kein Stellplatz verfügbar ist – ungenutzte Flächen außerhalb von Stoßzeiten zeigen, dass das Problem in der ineffizienten Verwaltung liegt, nicht im absoluten Mangel.
  • Datenbasierte Parkraumsteuerung wird zur operativen Stellschraube: Durch gezielte Zuordnung von Stellflächen nach Nutzergruppen, zeitvariable Gebühren und Aufenthaltszeitregulierung lässt sich Parkraum aktiv steuern und als Teil der Wertschöpfungskette nutzen.
  • Der Parkplatz ist der erste Kontaktpunkt der Customer Journey: In einer digitalisierten Gästeerfahrung bleibt die Ankunft oft analog organisiert – eine reibungslose Parkplatzsituation entscheidet unmittelbar über die Wahrnehmung des gesamten Aufenthalts.

Günther Dillingen, PexelsGünther Dillingen, Pexels

Die Parkplatzsituation in deutschen Städten verschärft sich weiter: Während die Zahl der Fahrzeuge steigt, bleibt das Angebot an Stellplätzen weitgehend konstant. Für Gastronomie und Hotellerie wird dieser strukturelle Engpass zunehmend zu einem direkten Wettbewerbsfaktor, da die Anreise mit dem Pkw in vielen Fällen Voraussetzung für den Besuch ist. Gleichzeitig trifft diese Entwicklung auf eine ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage des Gastgewerbes. Steigende Personalkosten und sinkende Gästezahlen prägen den Markt. Das Problem liegt nicht allein im Mangel an Stellflächen, sondern in deren Nutzung. „Viele Betriebe haben kein reines Kapazitätsproblem, sondern ein Steuerungsproblem", erklärt Mario Feghali, Leiter Vertrieb und Kundenbetreuung bei Avantpark. Parkraum wird dabei häufig nur bereitgestellt, statt aktiv als Instrument genutzt, um Nachfrage, Auslastung und Umsatz zu steuern. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind unmittelbar messbar: 41 Prozent der Autofahrer haben bereits auf den Besuch eines Geschäfts verzichtet, weil kein Stellplatz verfügbar war. „Parkraum entscheidet in vielen Fällen darüber, ob Nachfrage überhaupt entsteht", ordnet Feghali ein und ergänzt: „Wer die Ankunftssituation nicht kontrolliert, verliert Gäste, bevor sie den Betrieb betreten."

Zwischen Knappheit und Leerstand: ein strukturelles Effizienzproblem

Externe Besucher, Dauerparker oder Touristen belegen Flächen, die eigentlich für Hotel- und Gastronomiegäste vorgesehen sind. Außerhalb von Stoßzeiten stehen Stellplätze hingegen leer. Zusätzliche Flächen lösen dieses Problem nur begrenzt. Stattdessen ließen sich Parkflächen deutlich präziser steuern: In Stoßzeiten könnten höhere Gebühren gezielt dafür sorgen, dass vor allem tatsächliche Gäste die Stellplätze nutzen, während außerhalb dieser Zeiten niedrigere Preise zusätzliche Auslastung schaffen. „Parkplätze lassen sich aktiv steuern, so wie viele andere Ressourcen im Betrieb auch", erläutert Feghali. Auch Modelle wie vergünstigtes oder erstattetes Parken für Restaurant- oder Hotelgäste könnten dazu beitragen, Nachfrage gezielt in tatsächliche Besuche zu übersetzen. Damit wird Parkraum zu einer operativen Schnittstelle, die darüber mitentscheidet, ob vorhandene Nachfrage zu Umsatz wird. „Parkflächen sind kein Nebenschauplatz. Sie sind Teil der Wertschöpfung und entsprechend sollten sie auch gesteuert werden", ordnet Feghali ein.

Partner aus dem HORECA Scout

Von der Verwaltung zur Steuerung: Wie Parkraum operativ wirksam wird

Vor diesem Hintergrund verschiebt sich die Rolle des Parkraums grundlegend. Statt als Nebeninfrastruktur wird er zunehmend als steuerbarer Bestandteil des Betriebs verstanden. „Entscheidend ist die Transparenz über die tatsächliche Nutzung", erläutert Feghali. Erst durch kontinuierliche Erfassung wird sichtbar, wann Flächen ausgelastet sind, wie lange Fahrzeuge stehen und welche Nutzergruppen die Kapazitäten beanspruchen. Im operativen Alltag bedeutet das eine klare Differenzierung: Stellplätze können gezielt bestimmten Nutzergruppen zugewiesen werden – etwa Hotelgästen, Restaurantbesuchern, Mitarbeitenden oder externen Nutzern. Gleichzeitig lassen sich Aufenthaltszeiten regulieren, um eine höhere Fluktuation und damit eine bessere Verfügbarkeit zu erreichen. „Betriebe können so erstmals aktiv steuern, ob ihre Parkflächen den eigenen Umsatz unterstützen oder blockieren", so Feghali.

Digitale Erwartung trifft auf analoge Ankunft

Parallel dazu verändern sich die Erwartungen der Gäste. Digitale Prozesse entlang der Customer Journey – von der Buchung bis zum Check-out – sind vielerorts etabliert. Die Ankunftssituation bleibt jedoch häufig analog organisiert. „Die Erwartungshaltung hat sich verschoben: Abläufe sollen reibungslos und nachvollziehbar funktionieren und zwar vom ersten Kontaktpunkt an", erklärt Feghali. Dieser erste Kontaktpunkt ist in vielen Fällen der Parkplatz. Ist dieser unklar organisiert, überlastet oder konfliktbehaftet, wirkt sich das unmittelbar auf die Wahrnehmung des gesamten Aufenthalts aus. Gäste erwarten daher bereits bei der Ankunft ein reibungsloses und positives Erlebnis.

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationSoftware und SystemeMarketingRevenuemanagement
Hotelsuche im Wandel: Wie KI und Social Media den Weg zur Buchung verändern

Mehr Informationen

Themen in diesem Artikel
Software und SystemeMobilität und LogistikKostenmanagementCustomer JourneyDigitalisierungGästezufriedenheitUmsatz
Access Hospitality
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Hotelsuche im Wandel: Wie KI und Social Media den Weg zur Buchung verändern

Reisende starten ihre Hotelsuche heute auf TikTok, Instagram oder bei KI-Diensten wie Perplexity – nicht mehr nur bei Google. Was bedeutet das für Häuser, die künftig noch gefunden und gebucht werden wollen? Zwischen Stammdatenpflege, Bewertungsmanagement und Social-Media-Strategie entscheidet sich, wer in den neuen Antwortmaschinen auftaucht – und wer unsichtbar bleibt.

Vitaly Gariev, Pexels
Branche und Trends

Was Fußballfans rund um die WM bestellen – und was das für Betriebe zeigt

Während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat ein großer Lieferdienst erstmals ausgewertet, was deutsche Fans vor und nach Spielen bestellen. Das Ergebnis überrascht: Die stärksten Zuwächse finden sich nicht bei Bier und Pizza, sondern bei Partydekoration und Einweggeschirr. Die Daten zeigen, wie sehr Fußball-Großereignisse zum gemeinsamen sozialen Ritual geworden sind – mit klaren Mustern bei Vorbereitung und Verarbeitung.

Weitere Artikel zum Thema

Access Hospitality
Reisende starten ihre Hotelsuche heute auf TikTok, Instagram oder bei KI-Diensten wie Perplexity – nicht mehr nur bei Google. Was bedeutet das für Häuser, die künftig noch gefunden und gebucht werden wollen? Zwischen Stammdatenpflege, Bewertungsmanagement[...]
Access Hospitality
Carolina Almeida, Unsplash
Kinderfreie Zonen ja, tierfreie eher nicht: Eine aktuelle Umfrage bringt eine überraschende Doppelbotschaft ans Licht. Warum eine Mehrheit der Deutschen Adults-only-Konzepte gutheißt, den Hund aber lieber am Tisch hätte – und was das für die[...]
Carolina Almeida, Unsplash
Mathias Reding, Pexels
Eine gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Getränke steht zur Debatte – und was zunächst wie ein Thema für Hersteller und Handel klingt, landet schnell auf der Getränkekarte. Wo drohen höhere Einkaufspreise, welche Produkte trifft es, und[...]
Mathias Reding, Pexels
Vitaly Gariev, Unsplash
Schluss mit Screenshots und Formularen: Die Radisson Hotel Group ersetzt den klassischen Bestpreis-Prozess durch einen KI-gestützten Preisabgleich, der günstigere Angebote externer Plattformen automatisch auf den eigenen Buchungskanal überträgt. Was das für Preistransparenz, Direktbuchungen und die[...]
Vitaly Gariev, Unsplash
IHM, Julian Hartwig
Am 16. und 17. September 2026 verwandelt sich das MOC München zum zentralen Treffpunkt der unabhängigen Hotellerie. Über 160 Aussteller zeigen auf der Independent Hotel Show Munich, wie Design, durchdachte Ausstattung und smarte Technologie zusammenspielen[...]
IHM, Julian Hartwig
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.