Suche
Anzeige

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

  • Die Gebühren für Terrassenflächen auf öffentlichem Grund unterscheiden sich in deutschen Städten um das 60-Fache – von 30 bis 2.000 Euro pro Saison
  • Kommunen generieren mit den Abgaben weniger als 0,05 Prozent ihrer Gesamteinnahmen, belasten damit aber gezielt Gastronomiebetriebe
  • In fast jeder achten untersuchten Stadt zahlen Betriebe über 1.000 Euro für 25 Quadratmeter Außenfläche während der fünfmonatigen Hauptsaison

Robert Bye, UnsplashRobert Bye, Unsplash

Was Kommunen für öffentliche Flächen verlangen

Gastronomiebetriebe, die Tische und Stühle auf Gehwegen, Plätzen oder anderen öffentlichen Flächen aufstellen möchten, benötigen eine Sondernutzungserlaubnis. Die dafür erhobenen Gebühren variieren zwischen den Kommunen erheblich. Der Bund der Steuerzahler hat für seine aktuelle Erhebung einen einheitlichen Vergleichsmaßstab definiert: einen Musterbetrieb mit 25 Quadratmetern Außenfläche in zentraler Innenstadtlage, der diese Fläche während der Hauptsaison von Mai bis September nutzt.

Das bundesweite Mittel liegt bei 610 Euro pro Saison. Diese Zahl verdeckt jedoch eine enorme Bandbreite: Die günstigste untersuchte Stadt verlangt lediglich 30 Euro, die teuerste das 60-Fache. Für Betriebe mit mehrjährigen Verträgen oder Ganzjahresbetrieb können die Konditionen abweichen – oft gibt es Ermäßigungen, in Einzelfällen auch Aufschläge für besonders frequentierte Lagen.

Partner aus dem HORECA Scout

Wo die höchsten Gebühren anfallen

An der Spitze des Rankings stehen Bamberg und Bayreuth mit jeweils 2.000 Euro pro Saison. Es folgen Darmstadt mit 1.875 Euro und Bonn mit 1.813 Euro. Auch Trier (1.563 Euro), Hannover (1.477 Euro), Speyer (1.375 Euro), Ludwigsburg (1.294 Euro) und Konstanz (1.250 Euro) liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Unter den Millionenstädten führt Hamburg mit rund 1.169 Euro das Feld an – und liegt damit vor Berlin, München und Köln. In Nordrhein-Westfalen dominiert Bonn, gefolgt von Wuppertal und Düsseldorf mit jeweils etwa 1.212 Euro. Leverkusen verlangt rund 1.037 Euro, Bielefeld etwa 1.000 Euro.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceRechtsprechung und UrteileMarketing
Negative Bewertungen auf Google & Co. – welche Bewertungen Hoteliers und Gastronomen löschen lassen können und wie es gelingt

In 24 der 200 untersuchten Städte liegen die Gebühren für die Musterfläche bei mindestens 1.000 Euro. Das entspricht fast jeder achten Kommune in der Erhebung.

Welche Städte auf Gebühren verzichten oder diese gering halten

Am unteren Ende der Skala zahlen Betriebe in Plauen nur 30 Euro, in Görlitz 63 Euro und in Dessau-Roßlau 100 Euro. Auch Rastatt, Wilhelmshaven, Rheine und Pforzheim bleiben mit jeweils rund 125 Euro deutlich unter dem Durchschnitt.

Themen in diesem Artikel
AußengastronomieGastro, Recht und GewerbeAußengastronomieGebührenKommunalpolitikKostenkalkulationSondernutzung

Eine Sonderrolle nimmt Krefeld ein: Die Stadt verzichtet bis Ende 2030 vollständig auf die Erhebung von Terrassengebühren. Damit setzt sie ein Signal, das der Bund der Steuerzahler als Vorbild für andere Kommunen bewertet.

Die Gebührenhöhen werden von den jeweiligen Kommunen per Satzung beziehungsweise Ratsbeschluss festgelegt. Ein bundesweit einheitlicher Maßstab oder eine Orientierung an objektiven Kriterien wie Lage, Kaufkraft oder Tourismusaufkommen existiert nicht. Die Entscheidungen fallen lokal – und führen zu Ergebnissen, die sich nicht durch wirtschaftliche oder verwaltungstechnische Faktoren erklären lassen.

Besonders widersprüchlich erscheint die Praxis vieler Städte, einerseits Förderprogramme zur Belebung der Innenstädte aufzulegen, andererseits zugleich Terrassengebühren erheben. Der Bund der Steuerzahler kritisiert diese Inkonsistenz scharf: Die Abgaben belasten Betriebe, die mit ihrer Außengastronomie zur Attraktivität der Innenstädte beitragen.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceSteuernSoftware und Systeme
DATEV-Schnittstelle für Kassensysteme: Wenn Kasse und Buchführung digital zusammenarbeiten

Was die Gebühren für kommunale Haushalte bedeuten

Die Einnahmen aus Terrassengebühren machen in den kommunalen Haushalten typischerweise weniger als 0,05 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Dem gegenüber steht auf beiden Seiten ein erheblicher Verwaltungsaufwand: Anträge müssen geprüft, Flächen vermessen, Bescheide erstellt und Zahlungen überwacht werden.

Der Bund der Steuerzahler zieht daraus den Schluss, dass die Gebühr mehr schadet als nutzt – sowohl für die Betriebe als auch für die Städte selbst. Die finanzielle Relevanz für die öffentlichen Haushalte sei marginal, die wirtschaftliche Belastung für die Gastronomie dagegen spürbar.

Fazit

Die Erhebung des Bundes der Steuerzahler zeigt: Terrassengebühren sind ein kommunalpolitisches Instrument ohne bundesweite Systematik. Gastronomiebetriebe zahlen je nach Standort zwischen 30 und 2.000 Euro für identische Flächen und Nutzungszeiträume – eine Diskrepanz, die sich nur schwer sachlich oder wirtschaftlich erklären lässt. Während die Einnahmen für die Kommunen kaum ins Gewicht fallen, belasten sie Betriebe in einer ohnehin angespannten Kostenlage. Krefelds Verzicht auf diese Gebühren bis 2030 zeigt, dass auch ein anderer Weg möglich ist.

Für Betriebe bleibt die Empfehlung, die örtliche Satzung genau zu prüfen: In vielen Kommunen existieren Ermäßigungen für Ganzjahresnutzung, mehrjährige Verträge oder die Pflege angrenzender Grünflächen.

Frame for Business GmbH
Marketing

Negative Bewertungen auf Google & Co. – welche Bewertungen Hoteliers und Gastronomen löschen lassen können und wie es gelingt

Online-Bewertungen auf Google, TripAdvisor oder Booking.com prägen die Wahrnehmung von Hotels und Gastronomiebetrieben maßgeblich und beeinflussen Buchungsentscheidungen oft innerhalb weniger Sekunden. Einzelne negative Einträge können dabei eine überproportionale Wirkung entfalten – insbesondere dann, wenn sie unwahr oder unsachlich sind. Doch welche Bewertungen müssen hingenommen werden und wann bestehen realistische Löschchancen?

Heimpel GmbH
Finanzen und Controlling

DATEV-Schnittstelle für Kassensysteme: Wenn Kasse und Buchführung digital zusammenarbeiten

Kassendaten gehören zu den sensibelsten Datenquellen im Gastgewerbe: Sie müssen vollständig, nachvollziehbar und im Prüfungsfall schnell verfügbar sein. Gleichzeitig soll der Alltag in Restaurant, Café, Imbiss oder Hotel nicht durch manuelle Exporte, Kassenbuch-Nacharbeiten und Abstimmungen mit der Steuerkanzlei belastet werden. Welche Rolle spielt dabei eine direkte DATEV-Schnittstelle im Kassensystem?

Gastronomieberatung Consult Gastro
Finanzen und Controlling

Kassensystem, Warenwirtschaft, Buchhaltung – welche Tools braucht ein Gastronom wirklich?

Der Businessplan steht, die Speisekarte ist fertig – und die Software? Viele Gastronomen unterschätzen, wie entscheidend die richtige digitale Grundausstattung für den Erfolg ihres Betriebs ist. Drei Bereiche sind dabei unverzichtbar, doch welche Tools passen zu welchem Konzept? Und in welcher Reihenfolge sollte investiert werden?

Weitere Artikel zum Thema

Yasin Alsbey, Unsplash
Zur Fußball-WM 2026 planen viele Gastronomie-Betriebe Public Viewing, Aktionskarten und besondere Angebote. Ein neues DEHOGA-Merkblatt zeigt, worauf Betriebe bei Werbung, Dekoration und geschützten FIFA-Begriffen achten müssen.[...]
Yasin Alsbey, Unsplash
Hotel Zugspitze
Kann ein Traditionshotel durch Künstliche Intelligenz seine Identität stärken statt verlieren? Das Hotel Zugspitze zeigt, wie digitale Tools den Fachkräftemangel abfedern – indem sie Routinearbeit übernehmen und den Mitarbeitenden Raum für das geben, was Maschinen[...]
Hotel Zugspitze
Bridor
Die Pinsa gewinnt in Gastronomie, Hotellerie und Bäckereien an Bedeutung. Ein neues Whitepaper von Bridor zeigt, warum das italienische Gebäck mehr ist als eine Pizza-Alternative und wie Betriebe es vielseitig einsetzen können.[...]
Bridor
DBL
Saisonkräfte, kurzfristige Aushilfen, wechselnde Teams – in der Gastronomie ist Flexibilität bei der Personalplanung entscheidend. Doch wie stellt man sicher, dass alle Mitarbeitenden professionell ausgestattet sind, ohne ständig neue Berufskleidung beschaffen zu müssen? Poolkleidung im[...]
DBL
Lightspeed, L Seden
Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal[...]
Lightspeed, L Seden
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.