Die Premium-Fast-Casual-Gastronomie ist das Geschäft von Lisa Marie Noack (28) und Johannes Reichenbach (36) von LionTaste. Die Gründer berichten: „Die Gastronomie steht vor strukturellen Neuordnungen: Im Hintergrund wird sie digitaler und effizienter, nach außen emotionaler und erlebnisorientierter." In einer hybriden Gastrowelt, die sowohl rein virtuell über Lieferdienste als auch durch Creator-Posts auf Social Media erfahren werden kann, besteht der Wunsch des Gastes nach Immersion, die sich wie eine Erweiterung der eigenen Persönlichkeit anfühlt. Konsumenten schätzen Erlebnisse, die sich echt und konzeptgetreu anfühlen. „Es ist eine Transformation, bei der es darum geht, multisensorische Erlebnisse über alle Kanäle zu schaffen, die harmonisieren, aber auch anregen", sagt Noack, die 2025 mit dem Titel „Future Faces of Digital Media" von der Bundesgesellschaft für digitale Medien ausgezeichnet wurde.
Laut Noack und Reichenbach gibt es fünf starke Themenfelder, welche die Transformation der Gastronomiebranche vorantreiben. Hier ist der LionTaste-Einblick:
1. Digitale Marken und skalierbare Gastronomie
Die Gastronomie entdeckt die Möglichkeiten der Skalierbarkeit wie bei Technologieprodukten durch rein digitale Marken. Neue virtuelle Food Brands können ausschließlich über Lieferdienste existieren und als Ghost Kitchen in bestehende Küchen integriert werden. Ghost Kitchen statt Gastraum ist die neue Logik der Gastronomie. Das wirkt sich auch positiv auf die bestehende Gastronomie aus, indem es deren Kapazitäten auslastet.
Was hier gerade passiert:
Die Marke löst sich vom Standort. Die Produktion und die Marke werden durch virtuelle Food Brands voneinander getrennt. Ein Küchensystem kann mehrere Konzepte gleichzeitig bedienen. Neue Ideen können innerhalb weniger Wochen getestet werden.
Die Gastronomie steht vor strukturellen Neuordnungen: Im Hintergrund wird sie digitaler und effizienter, nach außen emotionaler und erlebnisorientierter.
Warum das wichtig ist:
Die Einstiegshürden für das Gastronomiegeschäft sind hier niedrig. Wer heute noch ausschließlich nach Bauchgefühl kocht, wird von datengetriebenen Konzepten überholt. Der Lieferdienst ist kein Zusatzgeschäft mehr, sondern ein eigener Vertriebskanal. „Für die Positionierung sehen wir Restaurants zunehmend wie Start-ups: Es geht darum, zu testen, zu skalieren und weiterzuentwickeln", sagt Reichenbach. „Weil alles digital wird, brauchen wir neue Wege, um echte Erlebnisse zu schaffen", sagt Noack.
2. Erlebnis schlägt Lage
„Gäste kommen nicht mehr nur wegen des Essens. Sie kommen wegen Zugehörigkeit", sagt Noack. Ihr beruflicher Alltag bei LionTaste umfasst die Organisation von Food-Pop-ups, Community Events und Creator Days in Lokalen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Foodmarketer beobachten, dass die klassische Laufkundschaft abnimmt. Hier wirken sie mit Events gegen, die Aufmerksamkeit und Medienreichweite für die kulinarischen Pausen erzeugen. „Pop-ups übersetzen digitale Marken in reale Begegnungen", sagt Noack.
Warum das funktioniert:
Die Gründer von LionTaste erklären den Erfolg von Food Pop-ups und Creator-Veranstaltungen durch Verknappung („nur dieses Wochenende"), den Fokus auf das Community-Gefühl und einen hohen Social-Media-Share-Faktor. „Das Restaurant wird immer häufiger zur Bühne", sagt Reichenbach. „Auch virtuelle Marken können temporäre Lokale für Food-Pop-ups nutzen, um mithilfe von Creators eine Community anzuziehen, die anschließend langfristig über Lieferdienste bestellt."
3. Food als Plattform für kulturelle Inszenierung
Food ist ein Teil der Kreativwirtschaft und geht darin auf – durch die Immersion in Mode, Musik, Film, Technologie. „Das ist der Erlebnis-Trend, nur größer gedacht", sagt Reichenbach. „Hier kann Food auch als Marketingplattform für andere Branchen agieren."
Was passiert:
Fashion-Brands eröffnen Cafés, Filmstudios launchen „Menü Experiences", Künstler oder Creator entwickeln eigene Food-Brands und Gaming, Sport und Entertainment nutzen Lebensmittel als Touchpoint. Warum Food so stark ist: Food ist emotional und ein niedrigschwelliges Angebot, um Emotionen zu aktivieren. Es ist extrem teilbar auf Social Media. „Food ist heute das verbindende Element zwischen Marken, Kultur und Community", sagt Noack.
4. Systemgastronomie vs. Individualgastronomie
„Unsere These ist, dass die Mitte der Gastronomie verschwindet", sagt Reichenbach. Hochwertige Schnellrestaurants werden aufgrund ihrer Bequemlichkeit immer beliebter. Dennoch stehen sie unter Druck, was die Sichtbarkeit auf Lieferplattformen, Preissteigerungen und Personalmangel betrifft. „Wer weder skalieren noch sich stark differenzieren kann, wird vom Markt verdrängt", so Reichenbach. „Wir sehen eine Entwicklung, bei der Systeme immer stärker werden – durch klare Prozesse, Wiedererkennbarkeit, Effizienz und kalkulierbare Qualität. In der Systemgastronomie wissen Gäste genau, was sie bekommen. Diese Stärke hat Auswirkungen für die Individualgastronomie: Das Mittelmaß funktioniert nicht mehr."
Laut den LionTaste-Gründern müssen Einzelkonzepte heute radikal eigenständig sein – mit klarer Story, Persönlichkeit und Community-Bezug.
Das Fazit zur Positionierung:
Entweder extrem effizient oder extrem besonders, dazwischen wird es schwierig.
5. Social Media ordnet die Gastronomie neu.
Für LionTaste ist Social Media nicht mehr Marketing, sondern Standortfaktor, Bewertungsplattform und Community-Tool zugleich.
Was sich verändert:
Restaurants werden zuerst online entdeckt. Der Content entscheidet über den Besuch. Köche und Betreiber werden zu Persönlichkeiten. Die Menüentwicklung erfolgt teilweise nach Plattformlogiken. „Konsumenten verlassen sich zunehmend auf digitale Plattformen, um ein Gastronomieangebot zu finden und mit Hilfe von nutzergenerierten Inhalten zu entscheiden. Das bedeutet, dass die Wahrnehmung einer Gastronomiemarke ebenso sehr von den Gästen wie vom Marketingteam geprägt wird", sagt Noack. „Eine ständig verbundene Generation sieht sich nicht nur den kuratierten Feed des Restaurants an, sondern auch, was die Leute taggen, denn dort erfährt man die echte, ungefilterte Wahrheit."
Plattformen wie Instagram und TikTok sind unglaublich einflussreich – sie präsentieren nicht nur das Essen und die Getränke, sondern die gesamte Identität eines Lokals. Das wachsende digital orientierte Publikum orientiert sich stark an Inhalten, die von Creatorn ihres Vertrauens beeinflusst werden. Die LionTaste-Gründer empfehlen Gastronomen, Hashtags, Challenges und Geotags zu nutzen, um in den Social-Media Feeds präsent zu sein.
Laut dem „Lieferando Report 2025: So hat Deutschland im vergangenen Jahr bestellt." zählten Kimchi und Smash-Burger zu den am stärksten wachsenden Bestelltrends. Das zeigt: Was als Trend in den sozialen Medien beginnt, überträgt sich auf das Bestellaufkommen. Temporäre Bestseller wie Hot Honey Pizza oder Hot Honey Cheesy Bites sind weitere Veranschaulichungen dafür, wie schnell die Aufmerksamkeit durch einen Food-Trend wie der mit der Süße des Honigs adaptiert wird.
Das Fazit von LionTaste: Die Zukunft gehört denjenigen, die Zugänglichkeit neu definieren – durch Systeme, Spektakel und Persönlichkeit.











