Standardprogramm war gestern
Gespült wird in den meisten Häusern noch immer nach dem Prinzip „Drücken, Ablaufen, Fertig". Welches Geschirr im Korb steht, wie stark es verschmutzt ist, ob gerade Mittagsstoß oder Flaute herrscht – die Maschine fährt dasselbe Programm. Das Ergebnis: zu viel Wasser, zu viel Energie, zu viel Chemie. Genau hier setzen drei prominente Hersteller der gewerblichen Spültechnik mit unterschiedlich tiefen Eingriffen an.
Hobart: Eine Maschine, die ihr Spülgut erkennt
Die Bandspülmaschine FLOW Line von HOBART wurde im März 2026 vom Fachmagazin KÜCHE mit dem Best Product Green Award in der Kategorie Technik ausgezeichnet. Kern der Auszeichnung ist das Feature SMART VISION CONTROL: Eine kamerabasierte KI erkennt jedes Geschirrteil, das aufs Band gestellt wird, und passt Wasch- und Spülparameter in Bruchteilen einer Sekunde an.
Ergänzt wird das durch das ebenfalls KI-gestützte und zum Patent angemeldete Feature ASR² Schmutzaustrag, das die Verschmutzungsmenge des aufgegebenen Spülguts erkennt und den Abpumpzyklus daran ausrichtet. Wer die Schwankungen zwischen Bankett-Service und À-la-carte kennt, weiß, was diese Logik wert ist: keine festen Pumpintervalle mehr, sondern bedarfsgerechte Abläufe.
Winterhalter: Der Beifahrer in der Spülstraße
Winterhalter wurde im selben Wettbewerb mit Gold ausgezeichnet – für EcoPilot, ein Assistenzsystem, das mithilfe von KI das Spülverhalten analysiert, Nutzungsmuster erkennt und automatisch das jeweils effizienteste Programm wählt. Geschäftsführer Rudi Seubert beschreibt es so: In ruhigen Phasen laufe das ressourcenschonende ECO-Programm, in Stoßzeiten schalte die Maschine auf das zeitsparende Kurzprogramm um.
Der Hersteller beziffert die Einsparung beim Energieverbrauch auf bis zu 17 Prozent, ohne Abstriche bei Hygiene oder Spülergebnis. EcoPilot ist für vernetzte Untertischmaschinen der UC-Serie und Haubenmaschinen der PT-Serie mit CONNECTED WASH verfügbar. Bedeutet im Klartext: Wer ohnehin ein Connected-Wash-fähiges Gerät betreibt, bekommt die KI-Funktion ohne neue Hardware – ein Argument, das im aktuellen Investitionsklima zieht.
Meiko: Smarte Automatisierung mit Substanz
Bei MEIKO heißt das Pendant nicht KI, sondern intelligente Spültechnik – und das ist redlich. Die Bandtransportspülmaschine M-iQ B-Serie setzt auf ein dynamisch geregeltes Energiekonzept, das Wärme aus jedem Prozessschritt zurück in den Spülprozess holt und die Heizleistung dreistufig an den Bedarf anpasst. MEIKO nennt bis zu 30 Prozent Betriebskostenersparnis.
Hinzu kommen die AirComfort-Trocknung, die die Trocknungsluftströme von der Spülzone entkoppelt, und eine selbstleerende Waschpumpe aus Chrom-Nickel-Stahl, die laut Hersteller eine um 30 Prozent verbesserte Spülleistung gegenüber der Vorgängerserie B-Tronic liefert. Vieles davon ist Sensorik und Regelungstechnik, kein neuronales Netz – aber für die Frage nach Energie- und Wasserbilanz oft die ehrlichere Antwort.
Was Betriebe davon haben
Die drei Ansätze unterscheiden sich in Tiefe und Methode, zielen aber auf dieselben Stellgrößen: Energie, Wasser, Reinigerverbrauch, Spülgutdurchsatz und – über vernetzte Systeme – Datenverfügbarkeit für Service und Controlling. Wo HOBART das einzelne Teil im Blick hat, optimiert Winterhalter das Tagesprofil; MEIKO regelt den thermischen Haushalt der gesamten Anlage.
Für die Kalkulation in Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung heißt das: Die Spülküche wird vom kostspieligen Pflichtbereich zum messbaren Hebel. 17 bis 30 Prozent Einsparpotenzial bei Energie und Betriebskosten sind Größenordnungen, die bei Mehr-Schicht-Betrieb und steigenden Strompreisen den Business Case einer Neuanschaffung tragen können – vor allem dann, wenn Personalknappheit ohnehin jede Minute Spülstraße teurer macht.
Ausblick: Spülküche wird Datenraum
Was sich abzeichnet, ist mehr als ein Marketing-Layer: Spülmaschinen liefern künftig Daten über Auslastung, Verschmutzungsgrade und Verbrauch pro Spülgang – Informationen, die heute in der Gastronomie bestenfalls geschätzt werden. Wer Connected Wash, EcoPilot oder die SmartConnect-App von HOBART tatsächlich nutzt, kann nachweisen, was er einspart. Das ist nicht nur betriebswirtschaftlich interessant. Im Kontext kommender Berichtspflichten – Stichwort EU EmpCo zu Umweltaussagen – wird aus solchen Daten die belastbare Substanz für eigene Nachhaltigkeitsaussagen. Und damit wird die Spülküche, lange das stille Kellergeschoss der Profi-Küche, zum Reporting-Kandidaten.











