25hours Extra Hour Lab

Innovative Konzepte statt Standard

Die Ansprüche der Hotelgäste verändern sich. Es ist nicht nur die hochwertige Ausstattung oder die fünfte Sorte Marmelade am Buffet, die die Reservierungsbücher füllt, vielmehr muss das Konzept in seiner ganzheitlichen Umsetzung funktionieren. Experten im Bereich innovativer Konzepte sind die Häuser der 25hours Hotelgruppe.

© Steve Herud

Um dauerhaft Gäste überraschen und immer neue Geschichten erzählen zu können, setzt die 25hours Hotelgruppe auf einen eigenen Think Tank, das Extra Hour Lab. Hier werden neue Konzepte entwickelt, Probleme gelöst und magische Momente geschaffen. Wir haben mit Bruno Marti, Chief Brand Officer, über Inspirationen und den Weg der Umsetzung gesprochen.

Wie kann sich der Leser die Arbeit im Extra Hour Lab vorstellen?

Auf jeden Fall haben wir keine Mitarbeiter, die in weißen Mänteln Glas-Violen mit bunten Flüssigkeiten gegen das Licht halten. Das Extra Hour Lab besteht eigentlich mehr aus Projekten, als aus Personen. Die für uns wichtigsten Themen, die das Gasterlebnis und die Marke 25hours am stärksten beeinflussen, werden in wechselnden Projektgruppen bearbeitet. Kern ist dabei, dass wir Kompetenzen zusammenführen, die im Tagesgeschäft oft autark nebeneinander arbeiten. Will ich beispielsweise ein neues Restaurant entwickeln, brauche ich Architektur, Design, Kulturforschung, Konzeptentwicklung, Psychologie, Storytelling, aber auch operative Berufsexpertise aus den Bereichen Marketing und Gastronomie.

Nichts ist schwerer, als den Menschen unseres Zeitalters immer wieder zu überraschen und mit neuen Konzepten zu überzeugen. Woher kommen die Inspirationen und Ideen?

Dem würde ich widersprechen. Schwierig ist es nur, über seinen Schatten zu springen und die Angst vor Misserfolgen abzulegen. Manchmal hilft es, einfach beherzt zu machen! Zudem darf man es nicht allen recht machen wollen. Spitze und erinnerungswürdige Konzepte und Ideen funktionieren meist nur für eine begrenzte Zielgruppe. Einigen Gästen ist es im 25hours Hotel zu laut, zu bunt oder zu dunkel. Das ist ok, für die gibt es andere Unterkünfte.

In unserem Think Tank treffen Menschen aus den unterschiedlichen Abteilungen und somit auch mit unterschiedlichsten (internationalen) Erfahrungen und Sichtweisen zusammen. Das erzeugt oft Reibungswärme und entfacht ungeahnte Feuer – auch wenn es manchmal nur Strohfeuer sind.

Die Idee ist geboren – aber auf welchem Weg erfolgt die Umsetzung und wie lange ist der Weg vom Funken bis zur Umsetzung in den Häusern der 25hours Hotelgruppe?

Das ist tatsächlich der schwierigste Teil des Innovationsmanagements, wie wir es betreiben und wir haben auch noch nicht die perfekte Lösung gefunden. Ehrlicherweise haben wir eine nicht unerhebliche Liste von tollen Ideen, die irgendwo auf der Strecke liegen geblieben sind. Am erfolgreichsten sind wir meist, wenn wir schnell aktiv werden können. Wir sind Hoteliers, keine Forscher. Schnell Handanlegen und Ausprobieren liegt uns mehr als langes Zerreden. Das führt allerdings dazu, dass wir etwas zu oft noch am lebenden Objekt lange nach der Umsetzung weiterentwickeln müssen.

Werden neue Konzepte auf die Standorte zugeschnitten oder städteübergreifend umgesetzt?

Beides ist möglich. Neue Ideen, Konzepte und Gast-Erlebnisse entstehen allerdings meist an einem Standort und wenn sie sich als kopierbar herausstellen, werden sie am einen oder anderen Ort neu interpretiert. So haben wir beispielsweise an mehreren Orten eine Vinylothek oder eine Schreibmaschinen-Bar. Bestimmte Restaurant- und Bar-Konzepte spielen wir an mehreren Standorten. Wir sind aber keine Cookie-Cutter-Einheits-Hotels und legen entsprechend Wert darauf, dass ein Konzept auch zum Standort passt, bzw. eine vorhandene Nachfrage stillt.

Derzeit setzen Sie Projekte in Dänemark, Italien und Dubai um – wie groß sind die Herausforderungen an das Extra Hour Lab, wenn Konzepte nicht nur in deutschen Metropolen, sondern auch jenseits von Grenzen und Kultur funktionieren müssen?

Es fällt uns nicht schwer, über Landesgrenzen hinaus zu denken. Wir sind bereits in vier Ländern mit unterschiedlichen Kulturen tätig. Viele unserer Teammitglieder haben internationale Erfahrung und können diese in die Konzepterarbeitung miteinfließen lassen und ihren Input geben. Wir beurteilen Hotelstandorte außerhalb Deutschlands mit dem Blick von außen und entwickeln meist zusammen mit lokalen Partnern unsere Hotels. Letztere bringen dann quasi das Selbstverständnis des jeweiligen Standortes mit. Auch wenn wir Kosmopoliten und auf der ganzen Welt zuhause sind, so kann man lokalen Spirit nie ohne lokale Hilfe erreichen. Ob ein Hotel, Restaurant oder Konzept dann wirklich funktioniert, sieht man allerdings erst, wenn es an den Start geht. Wir sind immer noch in der Dienstleistungsbranche; der wichtigste Teil unserer Konzepte ist meist der Kontakt mit den Mitarbeitern. Das gilt unabhängig vom Standort.

Wie sehen Sie die Hotels der Zukunft, welche Vision würden Sie gerne umgesetzt sehen?

Es gibt nicht DEN Gast der Zukunft und entsprechend auch nicht DAS erfolgsversprechende Hotelkonzept. In den letzten Jahren Erleben wir eine unglaubliche Diversifizierung. Viele Nischenprodukte mit kleiner Zielgruppe haben dank der digitalen Vertriebskanäle heute großen Erfolg. Gleichzeitig gibt es ein großes Wachstum in der standardisierten Hotellerie, insbesondere im Budget- und Eonomy-Segment. Das einzige, was heute nicht mehr toleriert wird, ist Mittelmäßigkeit. Ein zukunftsfähiges Konzept braucht Profil und Haltung. Persönlich würde ich mir wünschen, dass Hotels – unabhängig von Kategorien – einen lokalen Bezug haben. Wenn ich in einem Hotelzimmer aufwache und nicht weiß in welcher Stadt ich bin, dann langweilt mich das Hotel relativ rasch.

Bruno Marti ist verantwortlich für den Markenauftritt, die Öffentlichkeitsarbeit und die Tonalität von 25hours. Er sorgt dafür, dass die Ansprache von Gästen, Kunden und anderen Anspruchsgruppen auf allen Kanälen die bekannt-lässige Professionalität und das nötige Augenzwinkern aufweist. Mit dem Mut auch mal zu polarisieren, prägt er die Marke und das Unternehmen seit 2006.
Marti führt einen Master in Anglistik der Universität Zürich und hat die Hotelfachschule in Luzern absolviert, wo er heute auch als regelmäßiger Gastdozent tätig ist. In seiner täglichen Arbeit kombiniert er akademische Gründlichkeit mit dem nötigen Humor, den der vielseitige und nicht immer planbare Job erfordert.

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