Suche
Anzeige

Schadstoffe im Gastgewerbe: Was im Alltag oft übersehen wird

Im Gastgewerbe – in Restaurants, Bars, Hotels und Cafés gleichermaßen – werden verschiedene Gefahrstoffe regelmäßig verwendet. Von Reinigungsmitteln über Kochdämpfe bis zu versteckten, risikobehafteten Baumaterialien: Die Liste der potenziellen Gefahrenquellen im Gastgewerbe ist lang. Doch welche Schadstoffe kommen am häufigsten zum Einsatz? Was wird dabei oft im Alltag übersehen? Und wie kann mit gefährlichen Substanzen verantwortungsvoll umgegangen werden?

rabzjl, Pixabayrabzjl, Pixabay

Welche Gefahrstoffe werden im Gastgewerbe häufig verwendet?

Um mit gefährlichen Substanzen in der Gastronomie verantwortungsvoll umgehen zu können, ist es zunächst wichtig, Gefahrstoffe zu erkennen. Grundsätzlich gibt es eine ganze Reihe von Gefahrstoffen, die in Restaurants, Hotels und Co. genutzt werden. Die nachfolgenden kommen üblicherweise am häufigsten zum Einsatz:

  1. Reinigungs- und Desinfektionsmittel
    Chlorverbindungen in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, die die Haut, Augen und Atemwege reizen, werden oft verwendet, um Arbeitsflächen auf Hochglanz zu bringen. Auch Ammoniak in Glas- und Küchenreinigern ist Alltagsbegleiter in der Gastronomie und führt zu Reizungen der Atemwege.
  2. Küchendämpfe und -emissionen
    Fett- und Öldämpfe enthalten aromatische Kohlenwasserstoffe, die potenziell gesundheitsschädlich sind. Zudem entsteht beim starken Erhitzen von stärkehaltigen Lebensmitteln (z. B. Pommes frites) krebserregendes Acrylamid.
  3. Baustoffe und Einrichtungsgegenstände
    Besonders häufig unterschätzt werden Gefahrstoffe, die sich in Baustoffen und Einrichtungsgegenständen verstecken. So steckt schädliches Formaldehyd in z. B. Spanplatten, Möbeln und Lacken – diese Substanz reizt die Atemwege und gilt als potenziell krebserregend. In Kunststoffen und Bodenbelägen befinden sich zusätzlich oft Weichmacher, die hormonell wirksam und möglicherweise fruchtbarkeitsschädigend sind.
  4. Schädlingsbekämpfung
    Biozide und Insektizide zur Schädlingsbekämpfung kommen ebenfalls häufig in Gastronomiebetrieben zum Einsatz. Diese bekämpfen die kleinen Plagegeister zwar effektiv, aber die Inhaltsstoffe sind in der Regel hochchemisch und somit gesundheits- und umweltschädlich.
  5. Lösungsmittel
    Alkohole und Ketone in Desinfektions- und Reinigungsmitteln können z. B. Kopfschmerzen, Schwindel und Hautreizungen verursachen. Außerdem wirken aromatische Kohlenwasserstoffe wie Xylol in Lacken und Klebern nervenschädigend.
Partner aus dem HORECA Scout

Was wird im Alltag oft übersehen?

Im stressigen Gastronomiealltag werden Gefahrstoffe oft übersehen sowie ihre Auswirkungen deutlich unterschätzt. Diese “blinden Flecken” bergen jedoch ein hohes Gesundheitsrisiko – sowohl für Mitarbeitende als auch für Gäste. Die folgenden Punkte werden im Umgang mit Gefahrstoffen in der Gastronomie häufig übersehen:

Kombinationseffekte von chemischen Substanzen

In vielen Gastronomiebetrieben werden chemische Substanzen gleichzeitig oder direkt nacheinander verwendet. Was dabei oft nicht bekannt ist, ist, dass bestimmte Stoffe gefährlich miteinander reagieren können. So sind etwa die folgenden Kombinationseffekte bedenklich:

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecht und ComplianceSteuernSoftware und Systeme
Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte
  • Chlorreiniger und saure WC-Reiniger: Wenn diese beiden Gefahrstoffe aufeinandertreffen, bildet sich giftiges Chlorgas, das die Atemwege reizt und schlimmstenfalls zu einer akuten Vergiftung führen kann.
  • Alkoholhaltige Reiniger und Desinfektionsmittel: Die Kombination dieser beiden Substanzen kann dazu führen, dass sie sich leicht entzünden.
  • Ammoniak und Chlorverbindungen: Wenn Ammoniak in Glas- und Küchenreinigern auf Chlorverbindungen in Desinfektionsmitteln trifft, entsteht Chloramin-Gas. Es handelt sich dabei um eine Substanz, die Augen, Haut und Atemwege reizt und in geschlossenen Räumen Husten, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und sogar Atemnot verursachen kann.
Themen in diesem Artikel
ManagementSchadstoffe

Fehlende oder unklare Kennzeichnung

In der Gastronomie werden Reinigungsmittel aus Großgebinden häufig in kleinere Flaschen umgefüllt. Dabei kommt es immer wieder vor, dass eine ordentliche Beschriftung fehlt. Die Folgen:

  • Mitarbeitende wissen nicht, mit welchem Reinigungsmittel sie zu tun haben.
  • Das Risiko für eine falsche Anwendung ist entsprechend hoch.
  • Bei Unfällen fehlen wichtige Informationen für Ersthelfer oder den Giftnotruf.

Ebenfalls problematisch ist eine mangelhafte Beschriftung. So etikettieren Mitarbeitende in der Gastronomie die Behälter nur mit Abkürzungen wie „Fettlöser” oder „WC”, was nicht den Anforderungen der CLP-Verordnung entspricht.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceRechtsprechung und UrteileArbeitszeit, Dienstplan, und Schichtplanung
Attest ab Tag 1, Telefon-AU vor dem Aus: Was auf Hoteliers und Gastronomen zukommt

Unterschätzung von chronischen Belastungen

Viele Gesundheitsschäden, die durch Gefahrstoffe im Alltag verursacht werden, entstehen nicht sofort, sondern durch eine langfristige, regelmäßige Belastung. Zu den typischen Beschwerden zählen z. B.:

  • Hautausschläge durch Ammoniumverbindungen
  • Atemwegserkrankungen durch Chlorverbindungen
  • Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsprobleme durch Lösungsmittel

Diese Symptome werden zudem häufig nicht mit der Arbeit in Verbindung gebracht. Deshalb fehlt es auch an betriebsärztlichen Untersuchungen und systematischen Beobachtungen.

Mangelnde Personalschulungen

Aushilfskräfte, Saisonangestellte oder Reinigungspersonal sprechen oft nicht gut Deutsch oder werden nur oberflächlich eingewiesen. Was dabei oft untergeht, ist der richtige Umgang mit Gefahrstoffen. Infolgedessen weiß das Personal nicht, wie es mit den gefährlichen Substanzen im Alltag richtig umgeht. So kann es z. B. passieren, dass ein neuer Mitarbeiter ein konzentriertes Reinigungsmittel ohne Handschuhe verwendet oder es falsch verdünnt – nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus reiner Unwissenheit.

Was sollten Gastronomiebetriebe im Umgang mit Gefahrstoffen beachten?

Um für die nötige Arbeitssicherheit und den betrieblichen Gesundheitsschutz im Gastgewerbe zu sorgen, sollten Gastronomiebetriebe die folgenden Punkte im Umgang mit Gefahrstoffen berücksichtigen:

1. Gefahrstoffe identifizieren und dokumentieren
Bevor Schutzmaßnahmen ergriffen werden können, müssen alle verwendeten Gefahrstoffe erfasst und eindeutig benannt werden. Dazu gehört auch, ein aktuelles Gefahrstoffverzeichnis zu führen und die zugehörigen Sicherheitsdatenblätter jederzeit zugänglich zu machen.

2. Gefährdungsbeurteilungen durchführen
Jeder Arbeitsplatz sollte systematisch auf mögliche Gefahren durch chemische Stoffe überprüft werden. Diese Gefährdungsbeurteilung dient als Grundlage für geeignete Schutzmaßnahmen und muss regelmäßig aktualisiert werden.

3. Persönliche Schutzausrüstung bereitstellen
Je nach Tätigkeit sind persönliche Schutzausrüstungen inklusive Schutzhandschuhe, Schutzbrillen oder Atemmasken bereitzustellen.

4. Auf sichere Lagerung achten
Gefahrstoffe müssen getrennt, gut belüftet und möglichst in Originalverpackungen aufbewahrt werden. Besondere Vorsicht gilt beim Umfüllen: Jede Flasche muss klar und dauerhaft gekennzeichnet sein.

5. Mitarbeitende regelmäßig schulen
Alle Mitarbeitenden sollten wissen, wie sie mit Gefahrstoffen sicher umgehen. Schulungen müssen praxisnah, verständlich und regelmäßig stattfinden – insbesondere bei neuen Produkten oder gesetzlichen Änderungen.

Fazit

Viele Schadstoffe im Gastgewerbe bleiben unbemerkt, da ihre Wirkung schleichend erfolgt. Besonders unterschätzt werden thermische Emissionen, Duftstoffe, Baumaterialien und Lebensmittelrückstände. Durch systematische Gefährdungserkennung, technische Lösungen und bewusste Produktauswahl lässt sich die Schadstoffbelastung deutlich senken – im Interesse des Gesundheitsschutzes und einer nachhaltigen Betriebsführung.

Pavel Danilyuk, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte

Der Papierbon soll fallen, die elektronische Kasse zur Pflicht werden, und wer künftig keinen Beleg bereitstellt, müsste erstmals ein Bußgeld zahlen. Der Entwurf aus dem Bundesministerium der Finanzen sieht die Kassenpflicht ab 2028 vor und legt die nächste Stufe unterhalb der 100.000-Euro-Grenze bereits an. Beschlossen ist noch nichts, doch die Richtung ist erkennbar.

Markus Winkler, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Der Strohhalm als Prüffall: Was die neuen PFAS-Grenzwerte für die Gastronomie bedeuten

Seit dem 12. August gelten in der EU erstmals Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Zwei Monate später folgt ein zweiter Stichtag, der Papier und Karton im Lebensmittelkontakt direkt trifft. Für Gastronomiebetriebe wird damit ein Cent-Artikel zum Compliance-Thema. Und ausgerechnet die Alternative, auf die nach dem Plastikverbot fast alle umgestiegen sind, ist die am häufigsten belastete.

Markus Höfemann
Branche und Trends

Gastfreundschaft 2035 – Zehn Thesen von Niels Battenfeld zur Zukunft der Privathotellerie

Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt nicht auf Technologie, sondern auf das Gefühl, das bleibt: Wie sieht Gastfreundschaft im Jahr 2035 aus, wenn wirtschaftliche Effizienz und echte Begegnung zusammenspielen müssen?

Waldemar Brandt, Unsplash
Allgemeine Haustechnik

Gasträume kühlen ohne Umbau: Worauf es bei mobilen Klimageräten und Luftreinigern ankommt

Wenn eine fest installierte Klimaanlage nicht möglich ist, bleiben mobile Klimageräte und Luftreiniger die praktikable Lösung für Gasträume. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Kühlleistung für die Raumgröße, ein Gerät mit zwei Schläuchen statt einem und eine Aufstellung, die Gäste nicht durch Lärm oder Zugluft stört. Der Rest ist Betriebsführung.

Weitere Artikel zum Thema

Andrea Piacquadio, Pexels
Krankschreibungen sollen strenger werden: Attest ab dem ersten Tag, Telefon-AU vor dem Aus. Was heute schon gilt, was die Koalition plant – und warum ausgerechnet Betriebe mit Wochenendbetrieb und Saisonkräften vor ungelösten Praxisfragen stehen.[...]
Andrea Piacquadio, Pexels
Arif Riyanto, Unsplash
Fünf bis sechs von 100 Beschäftigten in der Hotellerie fehlen täglich krankheitsbedingt – Tendenz über zehn Jahre klar steigend. Warum ausgerechnet psychische Belastungen zum wachsenden Problem werden und wo sich trotzdem ein Lichtblick zeigt.[...]
Arif Riyanto, Unsplash
Markus Höfemann
Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt[...]
Markus Höfemann
cottonbro studio, Pexels
Professionelles Housekeeping ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Hotellerie. Im kostenfreien IST-Webinar „Sauberkeit entscheidet – Die unterschätzte Macht des Housekeepings“ am 18. August 2026 erfahren die Teilnehmenden, welche Aufgaben hinter den Kulissen über Gästezufriedenheit und[...]
cottonbro studio, Pexels
RECUP
Ein mintfarbener Becher, den fast jeder kennt – nach zehn Jahren stellt sich die Frage: Wie verändert man eine etablierte Marke, ohne ihren Wiedererkennungswert zu riskieren? Zum Jubiläum wagt Deutschlands größtes Mehrwegsystem genau diesen Spagat[...]
RECUP
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.

baeren-apotheke-steffenberg.de