Vom Energiesparen zum Energienachweisen
Die in diesem Beitrag vorgestellten KI-Funktionen von HOBART, Winterhalter und MEIKO senken auf unterschiedliche Weise den Verbrauch der Spülmaschine. Winterhalter beziffert die EcoPilot-Ersparnis auf bis zu 17 Prozent, MEIKO nennt für die M-iQ bis zu 30 Prozent niedrigere Betriebskosten. So weit so gut, aber: Eine Einsparung, die niemand misst, taucht weder in der Kalkulation auf noch in der Außenkommunikation. Genau hier verschiebt sich gerade die Logik. Spülmaschinen, die ohnehin alles loggen, was sie verbrauchen und erkennen, werden vom Energiefresser zum Datenlieferanten. Und Daten sind die Währung der nächsten zwei Regulierungsschübe.
Was vernetzte Spültechnik tatsächlich liefert
Connected-Wash-fähige Maschinen protokollieren je nach Konfiguration kWh pro Spülgang, Wasserverbrauch je Korb, Reinigerdosierung, Zyklenzahl, Spülzeiten, Trocknungsphasen, Ausfallzeiten, Wartungszustand. Bei Bandmaschinen mit Bilderkennung kommen Auslastungsprofile hinzu, über das HOBART-Feature ASR² zusätzlich Verschmutzungsmuster. In Summe: ein durchgehendes Verbrauchsprofil pro Schicht, Tag, Saison.
Diese Daten existierten in der Profi-Küche bisher entweder gar nicht oder nur als grobe Monatsabrechnung über den Hauptzähler. Jetzt liegen sie pro Spülgang vor.
CSRD und Omnibus-Initiativen: weniger direkte Pflicht, mehr Lieferkettendruck
Im Zuge aktueller Vereinfachungsinitiativen auf EU-Ebene – häufig unter dem Stichwort „Omnibus-Paket“ diskutiert – wird eine Entlastung insbesondere kleinerer und mittlerer Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung angestrebt. Dabei stehen unter anderem höhere Schwellenwerte und eine stärkere Fokussierung auf große, kapitalmarktorientierte Unternehmen im Raum. Die konkreten Ausgestaltungen und Zeitpläne befinden sich jedoch weiterhin im politischen Prozess.
Unabhängig davon zeigt sich bereits ein klarer indirekter Effekt: Große Marktakteure, die unter die Berichtspflichten der Corporate Sustainability Reporting Directive fallen, geben ihre Anforderungen entlang der Lieferkette weiter. Hotelketten, Klinikbetreiber oder Catering-Unternehmen fordern zunehmend belastbare ESG-Daten von ihren Dienstleistern ein – auch aus Bereichen wie der Spülküche, die einen relevanten Anteil am Ressourcenverbrauch haben.
Freiwillige KMU-Standards: Orientierung statt Pflicht
Parallel dazu arbeitet die European Commission an vereinfachten Berichtsrahmen für kleine und mittlere Unternehmen, häufig unter dem Begriff „Voluntary SME Standard“ (VSME) zusammengefasst. Diese sollen als pragmatische Orientierung dienen, um auf steigende Informationsanforderungen aus der Lieferkette reagieren zu können, ohne den vollen Umfang der CSRD erfüllen zu müssen.
Der Ansatz: wenige, klar definierte Kennzahlen – etwa Energie- und Wasserverbräuche pro Leistungseinheit wie Couvert oder Logiernacht. Auch wenn diese Standards derzeit noch nicht flächendeckend verpflichtend sind, zeichnen sie sich bereits als faktischer Referenzrahmen ab, an dem sich Anfragen großer Geschäftspartner orientieren könnten.
EmpCo: Die schärfere Klinge für Gastronomie und Hotellerie
Mit der Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EmpCo-Richtlinie) verschärft die EU die Anforderungen an umweltbezogene Werbung deutlich. Ziel ist es, pauschale oder irreführende Nachhaltigkeitsaussagen („grün“, „klimaneutral“, „umweltfreundlich“) ohne belastbare Grundlage zu unterbinden.
Die konkrete Umsetzung in nationales Recht – in Deutschland insbesondere über Anpassungen im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) – ist im Gange. Unternehmen im B2C-Bereich, also auch Gastronomie und Hotellerie, müssen sich darauf einstellen, dass Umweltclaims künftig nur noch zulässig sind, wenn sie auf nachvollziehbaren, überprüfbaren und im Zweifel auch quantifizierbaren Nachweisen beruhen.
Für die Praxis bedeutet das: Wer mit Ressourceneffizienz wirbt, braucht belastbare Daten. Genau hier gewinnen automatisiert erfasste Verbrauchswerte – etwa aus vernetzter Spültechnik – an Bedeutung, weil sie ohne zusätzlichen Messaufwand eine valide Grundlage liefern können.
Pay per Wash und der Wandel der Service-Verträge
Pay per Wash ist nicht neu. Winterhalter hat das Modell schon 2018 vorgestellt und damit den SÜFFA-Innovationspreis gewonnen: keine Anschaffungskosten, Abrechnung pro Spülgang inklusive Service, Chemie und Wasseraufbereitung. Adressiert wurden damals vor allem Existenzgründer und Saisonbetriebe. Mit der heutigen Datenlage verschiebt sich der Zuschnitt. Wenn der einzelne Spülgang über Connected Wash und KI-gestützte Programmwahl messbar präziser wird, lässt sich auch in größeren Betrieben sauber abrechnen, was tatsächlich anfällt. Aus dem Nischenangebot für die kleine Eiscafé-Theke wird ein Modell, das auch in der Gastroküche kalkulierbar bleibt. HOBART und MEIKO setzen parallel auf Connected-Service mit ferndiagnostischer Wartung; Ausfälle werden idealerweise erkannt, bevor sie auftreten. Für Mehrschicht-Betriebe wird das planbarer als die klassische Mischung aus Kauf, Service-Pauschale und überraschender Reparaturrechnung.
Die unterschätzte Frage: Wem gehören die Daten?
Wenn eine Spülmaschine kontinuierlich Verbrauchsdaten an einen Hersteller-Cloud-Service sendet, ist die Frage nach Datenhoheit nicht akademisch. Wer darf die Daten zu welchem Zweck weiterverarbeiten? Werden sie aggregiert für Modelltraining genutzt? Welche personenbezogenen Bezüge entstehen über Schichtpläne und Bedienmuster? Auftragsverarbeitungsverträge, Datenschutzfolgenabschätzungen und klare Regelungen zu Datenexport und Löschung gehören in jeden Connected-Service-Vertrag, nicht aus Pflichterfüllung, sondern weil die Daten betriebswirtschaftlicher Wert sind. Wer sie braucht, um EmpCo-konform zu werben oder Lieferantenanfragen zu beantworten, sollte sie auch beim Anbieterwechsel mitnehmen können.
Hinweis: prodsgvo.de gehört zur Inproma GmbH, die auch das Gastgewerbe-Magazin verlegt, und unterstützt Hospitality-Betriebe als externer Datenschutzbeauftragter und mit DSGVO-Compliance-Software.
Fazit
Die eigentliche Umstellung passiert nicht beim Spülen, sondern bei der daraus resultierenden Datenverarbeitung. Vernetzte Spültechnik ist 2026 weniger eine Frage von „Will ich KI?" als eine Frage von „Habe ich Belege, falls jemand fragt?". Hotelketten und Caterer fragen über die Lieferkette, Wettbewerbsverbände und Verbraucherschützer fragen über das UWG, Banken fragen für Finanzierungskonditionen – wer die kWh pro Spülgang im direkten Zugriff hat, beantwortet diese Fragen mit drei Klicks.











