Suche
Anzeige

Videoüberwachung in Gaststätten: zulässig oder nicht?

Wollen Gastronomen ihre Räume mit Videokameras überwachen, müssen sie zahlreiche rechtliche Vorschriften beachten. Sonst kann das teuer werden.

dlewis33 - iStockphoto.comdlewis33 - iStockphoto.com

Im Dezember 2014 sorgte ein Artikel der „Thüringer Allgemeine“ für Aufregung. Unter der Überschrift „Wirte installieren Kameras, wo sie nur können“ berichtete die Zeitung über eine Äußerung des Thüringer Datenschutzbeauftragten

Dr. Lutz Hasse, dass Gaststättenbetreiber in erheblichem Ausmaß Videokameras in ihren Betrieben anbringen würden. Auf Betreiben des DEHOGA Thüringen wurde jedoch klar, dass dieser Generalverdacht nicht haltbar war – und dennoch sieht der Verband eine besondere Brisanz bei diesem Thema, wie Verbandsjuristin Sabine Aumüller mitteilt. Deshalb hat sich der DEHOGA Thüringen zügig nach der Veröffentlichung des Artikels an seine Mitglieder gewandt, um die Frage „Videoüberwachung in Gaststätten: zulässig oder nicht?“ zu beantworten. Das Ergebnis gilt selbstverständlich bundesweit.

Sabine Aumüller, Juristin beim DEHOGA Thüringen (Foto: privat)

Partner aus dem HORECA Scout

„Gaststätten gelten im datenschutzrechtlichen Sinne als öffentlich zugängliche Räume. Deshalb ist eine Videoüberwachung in der Regel nicht zulässig“, führt Sabine Aumüller aus. Aber: „Eine Videoüberwachung setzt nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts voraus, dass ein konkret bestehender Verdacht hinsichtlich einer Straftat oder einer sonstigen schwerwiegenden Verfehlung bestehen muss.“ Das heißt konkret: Der Betreiber kann in den Grenzen des § 6b Bundesdatenschutzgesetz zur Wahrnehmung seines Hausrechts eine Videokamera installieren, um den Zutritt von Unbefugten zu verhindern.

Eine Videoüberwachung außerhalb der Öffnungszeiten der Gaststätte zur Prävention – und gegebenenfalls Beweissicherung im Schadenfall – ist zulässig. Eine Videoüberwachung ist ferner zur Wahrung berechtigter Interessen für konkret festgelegte Zwecke, das heißt zur Abwehr von Eigentumsdelikten, zulässig, wenn keine schutzwürdigen Interessen der Betroffenen (Gäste/Mitarbeiter) überwiegen, sagt die Juristin. Ebenso ist die Überwachung mittels einer Videokamera ausnahmsweise erlaubt, wenn ein konkreter, begründeter Verdacht gegen eine Person besteht. Als unbedenklich gelten in der Regel die Videoüberwachung der Eingangsbereiche, Garderobe, Wirtschaftsgänge, Lagerräume oder Hintereingänge. „An diesen Orten halten sich die Betroffenen nur kurzfristig auf. Insofern ist die Persönlichkeitsbeeinträchtigung eher gering.“

Was aber jedoch nicht gestattet ist: eine Überwachung zum Beispiel der Küchenbereiche, da sich hier die Mitarbeiter längere Zeit aufhalten und eine dauerhafte Überwachung einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstellt, die nicht zulässig ist (BAG, Beschluss vom 14.12.2004 – 1 ABR 34/03). Gleiches gilt auch für den Gastbereich, wie das Amtsgericht Hamburg entschieden hat (Urteil vom 22.04.2008 – 4 C 134/08). Eine solche Videoüberwachung beeinträchtige das Persönlichkeitsrecht der Gäste erheblich, urteilten die Richter.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceSteuernSoftware und Systeme
Der unsichtbare Fehler: Wie die TSE Betriebe in der Prüfung angreifbar macht

„Erfolgt die Videoüberwachung heimlich, verletzt dies in jedem Fall schutzwürdige Interessen und ist grundsätzlich unzulässig“, warnt Sabine Aumüller. Eine heimliche Videoüberwachung eines Arbeitnehmers sei nur zulässig, wenn ein konkreter Verdacht einer strafbaren Handlung oder einer anderen schweren Verfehlung zu Lasten des Arbeitgebers bestehe, weniger einschneidende Mittel zur Aufklärung des Verdachts ergebnislos ausgeschöpft seien und die verdeckte Videoüberwachung damit praktisch das einzig verbleibende Mittel darstelle und sie insgesamt nicht unverhältnismäßig sei (BAG, Urteil vom 21.06.2012 – 2 AZR 153/11). Seien diese Vorgaben nicht erfüllt, führe dies zu einem Beweisverwertungsverbot der Aufzeichnungen. Die Daten seien im Übrigen unverzüglich zu löschen, wenn sie zur Erreichung des Zwecks nicht mehr erforderlich sind (§ 6b BDSG). Eine starre Frist gebe es nicht. Ferner seien die Aufzeichnungsgeräte wirksam vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. Außerdem sei ein deutlicher Hinweis auf die Videoüberwachung erforderlich, betont die Expertin.

Zusammengefasst bedeutet diese Rechtslage für Sabine Aumüller: „Eine Videoüberwachung erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen und den berechtigten Interessen des Unternehmers. Stellt sich heraus, dass die Videoüberwachung unzulässig gewesen ist, drohen erhebliche Bußgelder. Zudem können Gästen und Mitarbeitern Entschädigungsansprüche wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte zustehen.“ Deshalb sollten Gastronomen vor der Einrichtung dringend klären, ob eine Videoüberwachung zulässig ist.

Themen in diesem Artikel
PersonalentwicklungMitarbeiterVideoüberwachung
ACCONSIS
Recht und Compliance

Der unsichtbare Fehler: Wie die TSE Betriebe in der Prüfung angreifbar macht

Belege werden korrekt gedruckt, Kartenzahlungen laufen, der Tagesabschluss meldet keinen Fehler – und trotzdem kann die technische Sicherheitseinrichtung im Hintergrund zur Schwachstelle werden. Warum gerade TSE-Themen in der Kassennachschau besonders heikel sind und an welchen Stellen Gastronomiebetriebe regelmäßig angreifbar werden.

DEHOGA; ROMAN ODINTSOV, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Was am Frühstücksbuffet jetzt anders wird: DEHOGA-Leitfaden erklärt die neuen EU-Regeln für Honig, Marmelade und Fruchtsäfte

Erdbeerkonfitüre darf jetzt wieder Marmelade heißen, im Honigglas muss jedes Herkunftsland einzeln stehen, und in der Konfitüre steckt mehr Frucht als bisher: Seit dem 14. Juni 2026 gelten neue EU-Vorgaben für Honig, Marmelade, Konfitüre und Fruchtsäfte – mit unmittelbaren Folgen für Hotellerie und Gastronomie. Ein neuer DEHOGA-Praxis-Leitfaden ordnet die Änderungen für das Gastgewerbe ein.

Ivan Vranić, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Einbrüchen ins Restaurant vorbeugen – welche Maßnahmen können dabei helfen?

Rund 90.000 Einbrüche zählte Deutschland 2024 – und längst nicht mehr nur in Privatwohnungen. Auch Restaurants geraten zunehmend ins Visier krimineller Banden. Neben gestohlenem Bargeld bleiben oft zerstörte Einrichtung und tagelange Schließungen zurück. Gerade für kleinere Lokale kann das schnell existenzbedrohend werden – selbst mit Versicherung. Doch mit den richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Welche das sind, zeigt dieser Überblick.

Lightspeed
Branche und Trends

Digital ja – aber bitte mit Herz: Was Restaurantgäste erwarten

Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, ein echtes Willkommen – was ein gelungenes Restauranterlebnis ausmacht, hat weniger mit Technik zu tun, als man im Digitalzeitalter vermuten würde. Eine internationale Umfrage gibt Aufschluss darüber, worauf Gäste tatsächlich Wert legen und wie unterschiedlich sie auf Unzufriedenheit reagieren.

Click A Tree
Kostenmanagement

7 Wege für profitable Nachhaltigkeit in der Gastronomie

Nachhaltigkeit in der Gastronomie – klingt nach Verzicht und hohen Investitionen? Irrtum. Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch einsetzt, steigert nicht nur das Image, sondern auch die Rendite. Sieben praxiserprobte Wege zeigen, wie sich Umweltschutz, Teamzufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg gewinnbringend verbinden lassen – vom wertschätzenden Employer Branding bis zur intelligenten Müllreduktion.

e2n
Arbeitszeit, Dienstplan, und Schichtplanung

Spontane Personalausfälle: schnell reagieren, langfristig vorbeugen

5:02 Uhr. Die erste Krankmeldung kommt rein. Um 6 Uhr öffnet die Bäckerei-Filiale. Und plötzlich muss alles schnell gehen – Verkauf besetzen, Ruhezeiten prüfen und irgendwie den Überblick behalten. In solchen Momenten ist ein digitaler Dienstplan Gold wert. Ob Gastro, Hotellerie oder Backbranche: Gerade in der anstehenden Hochsaison ist es besonders wichtig, auf spontane Ausfälle vorbereitet zu sein oder sie im Voraus zu vermeiden.

Weitere Artikel zum Thema

Emma Dau, Unsplash
Schichtdienst, hohe Fluktuation, knappe Personaldecke – die Hotellerie steht unter Druck. Sandra Himmeldirk, Head of People & Culture bei den 25hours Hotels, erklärt im Gespräch mit dem IST-Studieninstitut, was modernes Personalmanagement in der Branche heute[...]
Emma Dau, Unsplash
LudgerA, Pixabay
Im April 2026 startete in Wiesbaden ein neuer Jahrgang der Mineralwassersommelier-Ausbildung. Die seit 20 Jahren etablierte Qualifizierung des Handelsverbandes für Heil- und Mineralwasser vermittelt Fachkräften aus Gastronomie und Handel das notwendige Rüstzeug für eine kompetente[...]
LudgerA, Pixabay
Patrick Steeger
Während die Fluktuationsrate im Gastgewerbe bei 68 Prozent verharrt und der Krankenstand historische Höchstwerte erreicht, kämpfen Hotels und Restaurants mit strukturellen Personalproblemen. Kann systematisches Gesundheitsmanagement hier mehr sein als nur eine Symptombekämpfung? Ein Blick auf[...]
Patrick Steeger
Isabelle Weyand
Im Gastgewerbe, wo sich Qualität im Takt von Schichten, Auslastung und kurzfristigen Ausfällen verändert, ist eine effektive Führung entscheidend. Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, benötigen Führungskräfte Verfahren, die Entscheidungen beschleunigen und die Folgen[...]
Isabelle Weyand
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Messestände anschauen kann jeder. Aber echtes Praxiswissen mitnehmen? Die HospitalityPioneers zeigen auf der Internorga 2026, wie das geht – in ingesamt 60 kompakten Deep Dives. e2n ist mit sechs Vorträgen zu Personalmanagement, Teamführung und nachhaltiger[...]
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.