Suche

9 Fragen, die sich Unternehmen noch vor dem Aufbau ihrer ersten Ladesäule stellen sollten

Ladesäulen kaufen, aufstellen, Stecker rein und los geht‘s? Entscheiden sich Unternehmen erstmalig, Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge anzubieten, fällt schnell auf: Ganz so simpel gestaltet sich das Vorhaben nicht – jedenfalls nicht, wenn mit nötiger Weitsicht vorgegangen werden soll. Der Experte für E-Mobilität und Ladeinfrastruktur, Christopher Kirschbaum, berät bei der chargecloud Unternehmen verschiedenster Branchen. Er hat die neun wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Aufbau von Ladesäulen zusammengestellt.

omada | iStockphotoomada | iStockphoto

Ob an den künftigen Ladesäulen nur die eigenen Mitarbeiter oder auch Dritte laden dürfen, ist dabei nur eine von vielen essenziellen Variablen. Hinzu kommen bauliche als auch gesetzliche Rahmenbedingungen, in denen sich das Projekt bewegen muss. Bevor die Unternehmen also kalkulieren, wie viele Ladepunkte sie bräuchten, sollten sie für sich einige grundlegende Fragen beantworten.

1. Ist ausreichend Zeit für das Vorhaben eingeplant?

Wer das Thema Ladeinfrastruktur innerhalb eines Quartals abhaken möchte, sollte bereits in der Zeitplanung einige Korrekturen vornehmen. Von der Entscheidung bis hin zur Inbetriebnahme und finalen Nutzung können schnell bis zu zwölf Monate vergehen. Sowohl Baugenehmigungen als auch die nötige Netzbereitstellung für die benötigte Kapazität der Ladesäulen machen das Vorhaben zu einem mittel- bis langfristigen Projekt.

Partner aus dem HORECA Scout

2. Welche Förderungen stehen dem Unternehmen zu?

Oder auch: Eignet sich das Projekt für den nächsten Förderaufruf der Bundesregierung? Allein in den vergangenen drei Jahren förderte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den Aufbau von 22.400 Ladesäulen. Das BMVI unterstützt dabei die Ladesäulen-Hardware, den Netzanschluss sowie Modernisierungsmaßnahmen an bestehender Ladeinfrastruktur mit Förderquoten von bis zu 60 Prozent. Sollen Fördergelder genutzt werden, darf oftmals mit dem Bau der Ladeinfrastruktur erst nach der Genehmigung begonnen werden.

3. Gilt die geplante Ladeinfrastruktur als öffentlich zugänglich?

Und sei es auch nur theoretisch: Sind die geplanten Ladesäulen öffentlich zugänglich, beispielsweise in einem Parkhaus, unterliegt das Projekt automatisch der gesetzlichen Ladesäulenverordnung. Diese birgt wiederum zusätzliche Anforderungen an Hard- und Software. Beispielhaft zu nennen wären da die Eichrechtskonformität oder die vorgeschriebene Möglichkeit einen Ladevorgang ad-hoc oder ohne Vertragsbeziehung starten zu können. Diese entscheidende Klassifizierung bedingt bereits die nächste grundsätzliche Frage.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceRechtsprechung und Urteile
GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich

4. Wer wird die Ladesäulen nutzen?

Wessen E-Fahrzeug soll die Säule in Zukunft laden? Wird es sich dabei ausschließlich um den internen Fuhrpark handeln? Sollen mehrere Personen die Ladestationen nutzen, bedarf es bereits einer Authentifizierung der einzelnen Nutzer. Auch wenn die Möglichkeit bestehen soll, eine Rechnung für den geladenen Strom zu stellen, müssen in der Planung entsprechende Vorüberlegungen angestellt werden. Unternehmen, die mit ihrem Vorhaben mehr als nur die Versorgung ihrer eigenen Flotte planen, benötigen eine flexible Software, die alle Informationen über den Ladevorgang bis hin zur Abrechnung abbildet. „Diese [Fragen] so früh wie möglich, auch für die langfristige Vision des Unternehmens zu beantworten, ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Einstieg in den Markt.“ Christopher Kirschbaum, chargecloud

Themen in diesem Artikel
NachhaltigkeitCoronaE-MobilitätLadesäule

5. Welche Marktrolle nimmt das Unternehmen ein?

Der Betrieb einer Ladesäule und die Bereitstellung des dort geladenen Stroms sind zwei Rollen, die sich voneinander getrennt etabliert haben. Ladeinfrastrukturbetreiber oder „CPO“ (Charge Point Operator) sind für die Installation und den Betrieb einer Ladeinfrastruktur verantwortlich. Davon zu unterscheiden sind Elektromobilitätsanbieter bzw. „EMP“ (E-Mobility Provider). Diese bieten den Fahrern dann einen Zugang zur Ladeinfrastruktur über einen sogenannten Fahrstromvertrag, ähnlich, wie man es von seinem Hausstromanbieter kennt. Mit den unterschiedlichen Marktrollen sind auch andere Aufgaben verbunden. Die EMPs verantworten hierbei im Regelfall das Kundenmanagement wohingegen der CPO den technischen Betrieb sicherstellt. Viele Unternehmen und Stadtwerke fungieren simultan als EMP wie auch als CPO.

6. Welche technischen Spezifikationen muss die Ladeinfrastruktur haben?

Abhängig von den technischen Möglichkeiten der anzuschaffenden Ladeinfrastruktur, dem Fahrprofil sowie dem Nutzerverhalten ergeben sich weitere wesentliche Aspekte für die Planung: Mit welchem Fahrzeugtyp wird die Ladesäule beispielsweise genutzt werden, welche Ladeleistung hat das Fahrzeug, ist es schnellladefähig, wann soll geladen werden und welche Zeit steht zum Laden des Fahrzeuges zur Verfügung? Die Antworten auf diese Fragen klären, welche Ladeleistung angebracht ist und ob eine AC-Ladesäule ausreicht oder eine DC-Ladesäule besser geeignet ist. Um hier Fehlern vorzubeugen, sollte die zu erwartende Anzahl der Ladevorgänge sowie die notwendige Leistung im Vorfeld definiert werden.

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationSoftware und SystemeMarketing
Social GEO: Schon wieder nur ein neues Buzzword oder doch entscheidend für eine gute KI-Sichtbarkeit von Hotels?

7. Sind die baulichen Anforderungen gegeben?

Ob öffentlich zugänglich oder nicht – die Liste baulicher Anforderungen ist lang und detailliert. So ist der Schutz vor Umwelteinflüssen ebenso beschrieben wie zulässige Umgebungstemperaturen und Luftfeuchtigkeit. Ist eine Authentifizierung des Fahrers an der Ladesäule erforderlich, um die Ladevorgänge zu monitoren, muss eine WLAN oder Mobilfunkanbindung vorhanden bzw. möglich sein.

8. Sind Hard- und Software interoperabel?

Dass Hard- und Software miteinander kommunizieren können, ist nicht nur Grundvoraussetzung für Ladevorgänge, für die das Unternehmen später eine Rechnung stellen will. Auch für das Roaming und Lastmanagement bedarf es eines gemeinsamen Protokolls. Proprietäre Ladestationen, die nicht mit dem Standard- OCPP-Protokoll betrieben werden können, sind in ihrer Flexibilität stark eingeschränkt wenn es darum geht, flexible und herstellerübergreifende Abrechnungssysteme einzusetzen.

9. Ist die Datensicherheit bei allen Vorgängen garantiert?

Die Umsetzung der Datensicherheit und der Schutz der persönlichen Daten müssen nach gesetzlichen Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes, den Landesdatenschutzgesetzen und der Europäischen Datenschutzkonvention erfolgen. Das Hosting und die Verarbeitung der Daten in europäischen Rechenzentren ist damit ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Software-Partners.

Fazit: Langfristig planen, Fremdexpertise nutzen „Das Angebot und der Betrieb von Ladesäulen ist für Unternehmen zunächst mit vielen Fragen verbunden. Diese so früh wie möglich, auch für die langfristige Vision des Unternehmens zu beantworten, ist jedoch der Schlüssel für einen erfolgreichen Einstieg in den Markt“, so Christopher Kirschbaum. Ist nicht von Anfang an klar definiert, welche Ziele das Unternehmen in Punkto E-Mobilität verfolgt, sind kostenintensive Umrüstungen eine mögliche Folge. Um dies zu verhindern, sollten Interessierte schon früh auf die Beratung von Experten setzen.

Zur Webseite von chargecloud

Canva
Finanzen und Controlling

GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich

Die GEMA hat den Tarif für die öffentliche Wiedergabe von Fernsehsendungen (FS-Tarif) zum 1. Januar 2025 angepasst. Grundlage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Änderung betrifft unmittelbar die Einstufung von Fernsehgeräten nach Bildschirmgröße und die Art der Berechnung der Vergütung. Für viele Betriebe kann dies zu geringeren laufenden Kosten und zu Rückerstattungen führen.

Online Birds
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Social GEO: Schon wieder nur ein neues Buzzword oder doch entscheidend für eine gute KI-Sichtbarkeit von Hotels?

Die Sichtbarkeit von Hotels verlagert sich zunehmend in KI-gestützte Such- und Empfehlungssysteme. Social GEO – die strategische Optimierung von Social-Media-Inhalten für KI-basierte Entscheidungsprozesse – wird dabei zum entscheidenden Faktor. Philipp Ingenillem, Branchenexperte und Gesellschafter von Online Birds, über die Bedeutung von Social GEO und eine kostenfreie Online-Session im Februar.

DEHOGA Bundesverband
Branche und Trends

DEHOGA launcht digitale Wissensplattform für Mitgliedsbetriebe

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) stellt seinen Mitgliedern ab sofort eine KI-gestützte Mobile App zur Verfügung. Die Anwendung konsolidiert erstmals das gesamte Verbandswissen in einem digitalen Werkzeug – von rechtlichen Grundlagen über betriebliche Checklisten bis zu regionalen Brancheninformationen. Statt mühsamer Recherche erhalten Gastronomen und Hoteliers durch Künstliche Intelligenz sofort aufbereitete Antworten aus verifizierten Quellen.

WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Finanzen und Controlling

Unternehmensverkauf im Gastgewerbe: Übergang in den Ruhestand als strategische und finanzielle Herausforderung

Der Verkauf eines Hotels oder gastronomischen Betriebs aus Altersgründen ist eine komplexe, strategisch anspruchsvolle Transaktion, die fundierte Vorbereitung, wirtschaftliches Augenmaß und Verhandlungsgeschick erfordert. Eine realistische Bewertung, eine frühzeitig durchgeführte Verkäufer-Due-Diligence sowie ein klar strukturiertes Verhandlungskonzept sind zentrale Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu einem fairen und tragfähigen Kaufpreis.

Thomas Wagner, Messe Stuttgart
Branche und Trends

INTERGASTRA 2026: Wie das Young Talents Camp der Branche neuen Schwung gibt

Der Fachkräftemangel trifft das Gastgewerbe härter als viele andere Branchen. Die INTERGASTRA 2026 setzt mit dem Young Talents Camp ein deutliches Zeichen: In Halle 7 entsteht ein Erlebnisraum, der jungen Menschen zeigt, welche Perspektiven Hotellerie und Gastronomie bieten – fernab von Hochglanzbroschüren, dafür mit echten Einblicken von Praktikern.

BRITA
Events und Messen

BRITA auf der INTERGASTRA 2026: Wie intelligente Wasserfiltration Betriebsabläufe vereinfacht

Der Wasserfilterspezialist BRITA nutzt die INTERGASTRA 2026 in Stuttgart für die Präsentation mehrerer Neuheiten aus dem Profi-Segment. Im Mittelpunkt stehen digitale Überwachungssysteme, die den Filterwechsel automatisieren, sowie spezialisierte Lösungen für Spülmaschinen und Dampfgargeräte. Messebesucher können sich von Live-Demonstrationen überzeugen und frisch zubereitete Kostproben genießen.

Weitere Artikel zum Thema

Ketut Subiyanto, Pexels
Wer sagt, dass Reisen schnell gehen muss? Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst für den langsameren Weg – und tun damit nicht nur der Umwelt einen Gefallen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Es sind vor allem[...]
Ketut Subiyanto, Pexels
Duravit
Eine neue Badmöbelserie aus massivem Eichenholz bringt natürliche Materialien in zeitgemäßem Design. Das in Kooperation mit Designer Christian Werner entwickelte Programm wird PEFC-zertifiziert im Schwarzwald produziert und bietet modulare Kombinationsmöglichkeiten für unterschiedliche Raumkonzepte.[...]
Duravit
Freepik
Zu viel bestellt, zu viel weggeworfen – und am Ende fehlt trotzdem die richtige Zutat? Künstliche Intelligenz verspricht Abhilfe: Sie analysiert Verbrauchsmuster, passt Bestellmengen an und warnt vor drohendem Verderb. Doch welche Systeme passen wirklich[...]
Freepik
Freepik
Mehrweg wird Pflicht, Einweg wird grüner – und Gastronomen stehen mittendrin. Zwischen gesetzlichen Vorgaben, steigenden Kosten und einer Kundschaft, die Nachhaltigkeit zunehmend einfordert, stellt sich die Frage: Wie gelingt der Umstieg auf umweltfreundliche Verpackungen, ohne[...]
Freepik
OMNIA
Eine vegane Küchenchefin in den Dolomiten mit 17 Gault&Millau-Punkten – und dem Traum von einem Michelin-Stern. Nicht für sich selbst, sondern als Statement: Pflanzenbasierte Gastronomie ist gleichwertig. Warum Aggeliki Charami lieber Geschichten erzählt als Lärm[...]
OMNIA
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.