Suche

Nicht am falschen Ende sparen: Gewerberechtsschutz ein Muss für Selbstständige und Unternehmer

Ob beruflich oder privat: Das Risiko, in rechtliche Auseinandersetzungen zu geraten, ist oft höher als gedacht. Die Nachfrage nach Firmenrechtsschutz ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Payam Rezvanian, Mitglied der Geschäftsleitung beim Insurtech Finanzchef24, zeigt auf, wie wichtig Firmenrechtsschutz ist.

Scott Graham, UnsplashScott Graham, Unsplash

Die rund 165.000 in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälte erwirtschaften aktuell einen jährlichen Nettoumsatz von rund 17 Mrd. Euro. Verglichen mit Privatpersonen sind Unternehmer dem Risiko eines Rechtsstreits besonders ausgesetzt. Zudem sind die Kosten meist höher als im Privaten, wo laut einer Studie pro Rechtsstreit im Schnitt bereits 2.500 Euro anfallen. „Unternehmer haben es tagtäglich mit einem Berg von Regelungen, Gesetzen oder Verordnungen zu tun, bei denen es zu Missverständnissen oder Verstößen kommen kann. Im Internet lauern mit Blick auf Abmahnungen zusätzliche Fallstricke“, sagt Payam Rezvanian, Mitglied der Geschäftsleitung beim Insurtech Finanzchef24. Bei einer betrieblichen Rechtsschutzversicherung übernehmen Versicherer im Ernstfall Rechtsberatungs-, Gerichts- und Verfahrenskosten.

„Fast jeder hat heutzutage eine Haftpflichtversicherung, Firmenrechtsschutz kommt jedoch oft zu kurz. Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade viele Selbstständige dabei und damit am falschen Ende sparen. Eine bedarfsgerechte Rechtsschutzversicherung kann bei überschaubaren Prämien im Ernstfall viel Geld sparen – und vor allem die Geschäftsexistenz sichern, was vielen gar nicht bewusst ist“, sagt Rezvanian. Firmenrechtsschutz-Versicherungen sichern grundsätzlich Risiken ab, die aus der gewerblichen Tätigkeit des Versicherungsnehmers oder seiner Mitarbeiter resultieren.

Die Kosten im Falle eines Rechtsstreites können sehr hoch ausfallen. Immerhin richten sich diese Gerichtskosten und außergerichtlichen Kosten nach Höhe des Streitwerts und Art des Verfahrens. In der ersten Instanz können diese bei rund 75 Prozent liegen. Diese Kosten werden gern unterschätzt. „Es gibt keine Standardlösung. Selbstständige müssen sich individuell beraten lassen. Oft werden einzelne Bausteine oder Module angeboten, die nach Bedarf zu- oder abgewählt werden können. Beispielsweise kann auch eine Anwaltshotline in einem Modul mitversichert sein“, rät Rezvanian. Nicht jeder Unternehmer oder Selbstständige benötige einen vollumfänglichen Rechtsschutz, aber Absicherungen für den steuer-, verkehrs- oder immobilienrechtlichen Bereich seien in unterschiedlichen Ausprägungen für jedes Unternehmen sinnvoll. Oftmals reichen laut Finanzchef24 ein Grundschutz oder ein mittleres Paket aus.

Partner aus dem HORECA Scout

Tipp: Deckungssummen prüfen, Kosten optimieren

Eine vermeintlich günstige Police kann sich manchmal als unzureichend entpuppen. Die Höhe der Deckungssumme sollte den potenziellen Risiken der einzelnen Firma sowie der eigenen Branche entsprechen. Die Deckungssummen beginnen bei etwa 500.000 Euro und reichen bis zu fünf Millionen Euro oder darüber. Bei einem Solo-Selbstständigen mit niedrigem Umsatz können drei Millionen Euro ausreichen. Mediationen sind beispielsweise in den meisten Tarifen abgedeckt. Bei kleineren Basistarifen können jedoch Begrenzungen der Summe hinterlegt sein. Kosten beeinflussende Faktoren sind: Laufzeit des Vertrags, die Höhe der Selbstbeteiligung und der Versicherungsumfang. Längere Laufzeiten verringern die Prämie. Selbstständige sollten in der Regel mit drei Monaten Wartezeit rechnen.

Alles was Recht ist: mögliche Bausteine für KMU

Verkehrsrechtsschutz, der als Baustein ergänzend abgeschlossen wird, ist interessant für Selbstständige und Unternehmen, die viel zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto unterwegs sind. Im Falle eines Unfalls oder Streitigkeiten um Strafzettel für Firmenfahrzeuge, Abstandsmessung oder Führerscheinentzug gibt es hier Unterstützung. Eine betriebliche Verkehrsrechtsschutzversicherung wird allgemein für Handwerksbetriebe mit Fuhrpark als sehr empfehlenswert erachtet.

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecht und ComplianceArbeitszeit, Dienstplan, und SchichtplanungGehalt, Benefits und AltersversorgungManagement
Saisonarbeit im Gastgewerbe: Die rechtlichen Fallstricke bei kurzfristiger Beschäftigung

Der Arbeitsrechtsschutz ist relevant für die Tätigkeit als Arbeitgeber – Streitigkeiten um Abmahnungen, Kündigungen und dergleichen sind hierüber abgesichert. Beispiel: Ein Unternehmer entlässt eine seiner Mitarbeiterinnen fristlos, da sie sich seiner Meinung nach wiederholt Kundengelder auf ihr eigenes Konto überwiesen hat. Die Mitarbeiterin bestreitet die Vorwürfe und klagt auf Wiedereinstellung. Die Prozesskosten des darauffolgenden Rechtsstreits werden, unabhängig von dessen Ausgang, vom Gewerberechtsschutz getragen.

Themen in diesem Artikel
Recht und FinanzenFirmenrechtschutz

Steuerrechtsschutz betrifft jedes Unternehmen. Immerhin müssen sie eine Steuererklärung an das Finanzamt abgeben. Wenn zum Beispiel die Höhe der Abschreibungsbeträge infrage gestellt wird und die Firma aufgefordert wird, Steuern nachzuzahlen und innerbehördliche Widerspruchsverfahren erfolglos bleiben, kann der Rechtsweg beschritten werden. Hier hilft der Rechtsschutz.

Immobilienrechtsschutz ist für jeden Unternehmer sinnvoll, der Räumlichkeiten besitzt, angemietet oder vermietet hat. Sobald es hier zu Streitigkeiten mit Nachbarn, Vermietern oder Mietern kommt, hilft dieser Baustein weiter.

Rezvanian: „Wichtig ist, den individuell sinnvollen Schutz auszutarieren. Denn die meisten Risiken lassen sich effizient und kostenbewusst absichern – wenn sie richtig identifiziert werden und die Absicherung an mögliche Veränderungen angepasst wird. Dafür empfiehlt sich eine regelmäßige Neubewertung und unabhängige Beratung.“

> Mehr Informationen

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingFinanzierung und InvestmentFührung, Management und Leadership
Wenn der Betrieb nicht mehr zu retten ist: Eine Gastronomin über Insolvenz und Neuanfang
Roberta Fele
Finanzen und Controlling

Wenn der Betrieb nicht mehr zu retten ist: Eine Gastronomin über Insolvenz und Neuanfang

Corona, ausbleibende Hilfen, steigende Kosten und wachsende Schulden: Federica Fele führte ein Event- und Cateringunternehmen und übernahm kurz vor der Pandemie ein historisches Gasthaus. Am Ende stand die Insolvenz. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, warum der Schritt nicht nur ein Ende sein muss – und warum Betriebe Warnsignale früher ernst nehmen sollten.

ProFina Deutschland GmbH
Datenschutz

Mehr digitale Prozesse, mehr Risiken: Warum Cyberversicherungen für Gastronomiebetriebe immer wichtiger werden

Ein Kassensystem, das mitten im Wochenendgeschäft ausfällt, verlorene Reservierungsdaten, abgegriffene Gästeinformationen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch kleine Restaurants, Cafés und Hotels rücken ins Visier der Kriminellen – oft ohne eigene IT-Abteilung im Rücken. Welche Absicherung dann wirklich hilft.

Pexels
Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Altöl: Abfall oder Rohstoff? Vom Küchenrest zur Ressource

Dunkel, zäh, scheinbar wertlos – und doch ein begehrter Rohstoff für Biodiesel und Flugtreibstoff. Warum die Zukunft von gebrauchtem Speisefett in der Hotelküche entschieden wird und wie neun Betriebe zeigen, dass weniger Abfall keine Frage des Verzichts ist.

Weitere Artikel zum Thema

rawpixel.com
Beitragsfrei, flexibel, unkompliziert – so wirkt die kurzfristige Beschäftigung auf den ersten Blick. Doch schon ein einziger zu viel gearbeiteter Tag oder eine falsch eingestufte Aushilfe kann den Status rückwirkend kippen. Welche Kriterien wirklich zählen[...]
rawpixel.com
Roberta Fele
Corona, ausbleibende Hilfen, steigende Kosten und wachsende Schulden: Federica Fele führte ein Event- und Cateringunternehmen und übernahm kurz vor der Pandemie ein historisches Gasthaus. Am Ende stand die Insolvenz. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, warum der Schritt[...]
Roberta Fele
VOIGT SALUS. Rechtsanwälte und Steuerberater
Die ersten 72 Stunden nach einem Insolvenzantrag entscheiden mit über den weiteren Verlauf. Doch welche Unterlagen verlangt der vorläufige Verwalter, wer darf noch Zahlungen auslösen – und ist der Verwalter Verbündeter oder Gegner? Ein Blick[...]
VOIGT SALUS. Rechtsanwälte und Steuerberater
ProFina Deutschland GmbH
Ein Kassensystem, das mitten im Wochenendgeschäft ausfällt, verlorene Reservierungsdaten, abgegriffene Gästeinformationen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch kleine Restaurants, Cafés und Hotels rücken ins Visier der Kriminellen – oft ohne eigene IT-Abteilung im[...]
ProFina Deutschland GmbH
Helena Lopes, Pexels
Seit Anfang 2025 ist die Meldescheinpflicht für deutsche Gäste abgeschafft. In der Praxis füllen Hotelgäste den Zettel trotzdem weiter aus. Die Hessische Staatskanzlei hat den DEHOGA jetzt gebeten, die Betriebe noch einmal daran zu erinnern.[...]
Helena Lopes, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.