Die Digitalisierung hat die Gastronomie in den vergangenen Jahren verändert. Online-Reservierungen, digitale Kassensysteme, Lieferplattformen, kontaktlose Bezahlmöglichkeiten und cloudbasierte Warenwirtschaft erleichtern den Arbeitsalltag und sorgen für effizientere Abläufe. Gleichzeitig entstehen dadurch jedoch neue Risiken. Denn je stärker Restaurants, Cafés oder Hotels auf digitale Prozesse angewiesen sind, desto gravierender können die Folgen sein. Fällt eines dieser Systeme aus, hat das oft unmittelbare Auswirkungen auf den laufenden Betrieb.
Was viele Betriebe unterschätzen: Cyberkriminalität ist immer häufiger die Ursache für Störungen und richtet sich längst nicht mehr ausschließlich gegen große Unternehmen oder bekannte Marken. Auch kleine und mittelständische Gastronomiebetriebe geraten zunehmend ins Visier von Kriminellen. Laut der Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025" berichten 87 Prozent der Unternehmen von Diebstahl von Daten oder IT-Geräten, digitaler und analoger Industriespionage oder Sabotage. Fast drei Viertel der Unternehmen registrierten zudem eine Zunahme von Cyberangriffen. Die Gefahr betrifft damit nahezu alle Branchen – auch die Gastronomie. Denn auch Gastronomiebetriebe verarbeiten täglich zahlreiche personenbezogene Daten ihrer Gäste und arbeiten mit digitalen Zahlungs- und Reservierungssystemen. Gleichzeitig fehlen häufig eigene IT-Sicherheitsabteilungen oder spezialisierte Fachkräfte.
Welche Formen der Cyberkriminalität gibt es?
Besonders Ransomware-Angriffe stellen Unternehmen vor massive Herausforderungen. Dabei verschlüsseln Kriminelle geschäftskritische Systeme oder Daten und fordern Lösegeld für deren Freigabe. Bei Malware-Angriffen werden hingegen klassische Schadprogramme wie Trojaner, Spyware oder Keylogger dazu genutzt, Systeme auszuspionieren, Daten abzugreifen oder unbemerkt Zugriff auf Unternehmensnetzwerke zu erhalten. Über Phishing-Angriffe versuchen Hacker, Mitarbeitende durch täuschend echte E-Mails, SMS oder Anrufe zur Preisgabe sensibler Informationen wie Passwörter oder Zugangsdaten zu bewegen. Auch gefälschte Rechnungen oder manipulierte Zahlungsaufforderungen gehören dazu. So kann beispielsweise die Restaurantleitung eine vermeintliche Nachricht des Kassensystem-Anbieters mit der Aufforderung erhalten, ein dringend erforderliches Sicherheitsupdate zu installieren. Tatsächlich führt der enthaltene Link jedoch auf eine gefälschte Internetseite, auf der Zugangsdaten abgegriffen werden. Ebenso verbreitet sind gefälschte Rechnungen angeblicher Getränkelieferanten oder Nachrichten vermeintlicher Reservierungsplattformen. Diese Form des Angriffs ist besonders häufig, weil sie gezielt menschliche Fehler ausnutzt. Umso wichtiger sind regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden und klar definierte Abläufe im Umgang mit verdächtigen E-Mails oder Zahlungsaufforderungen.
Welche Folgen kann Cyberkriminalität für Gastronomen haben?
Reservierungen werden heute meist online verwaltet, Bestellungen laufen über Tablets oder Apps, das Kassensystem ist mit der Warenwirtschaft verbunden und Rechnungen werden digital erstellt. Fallen die digitalen Systeme durch Cyberangriffe aus, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Zahlungen können nicht mehr verarbeitet werden, Bons werden nicht mehr gedruckt und die Verbindung zur Küche funktioniert nicht. Gleichzeitig ist das Reservierungssystem nicht erreichbar, sodass Mitarbeitende keinen Überblick über die erwarteten Gäste haben. Der Betrieb muss improvisieren oder im schlimmsten Fall vorübergehend schließen. Bereits wenige Stunden Ausfall können an einem umsatzstarken Wochenende erhebliche finanzielle Einbußen verursachen. Ebenso kritisch ist beispielsweise ein Angriff auf die IT eines Hotels oder Restaurants, bei dem Reservierungsdaten verloren gehen oder nicht mehr abrufbar sind. Können Zimmer oder Tische nicht mehr korrekt vergeben werden oder gehen Buchungen verloren, leidet nicht nur der Umsatz, sondern häufig auch die Kundenzufriedenheit. Neben der Betriebsfähigkeit spielen auch personenbezogene Daten eine wichtige Rolle. Gastronomiebetriebe speichern heute häufig Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Zahlungsinformationen ihrer Gäste – etwa über Reservierungsplattformen, Kundenkarten oder Newsletter. Gelangen diese Daten durch einen Cyberangriff in falsche Hände, entstehen nicht nur Reputationsschäden. Unternehmen müssen unter Umständen auch Datenschutzverletzungen bewerten, Aufsichtsbehörden informieren und betroffene Personen benachrichtigen. Gerade kleinere Betriebe unterschätzen häufig den organisatorischen und rechtlichen Aufwand, der mit einem solchen Vorfall verbunden ist.
Nicht jede Cyberversicherung deckt automatisch alle Risiken ab. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Vertragsbedingungen.
Wie können sich Gastronomen dagegen absichern?
Cyberversicherungen sind spezielle Policen, die Unternehmen vor den finanziellen Folgen von Hackerangriffen, Datenverlusten und Internetkriminalität schützen. Sie werden häufig noch als reine Schadensversicherungen wahrgenommen. Tatsächlich bieten viele Tarife mehr als die Übernahme finanzieller Schäden. Im Ernstfall organisieren Versicherer häufig ein Krisenteam aus IT-Forensikern, Datenschutzexperten, spezialisierten Anwälten und Kommunikationsberatern. Diese analysieren den Angriff, helfen bei der Wiederherstellung der Systeme und unterstützen dabei, den Geschäftsbetrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen. Gerade für Gastronomiebetriebe ohne eigene IT-Abteilung kann diese schnelle Unterstützung entscheidend sein. Denn oftmals ist weniger der eigentliche Hackerangriff das größte Problem, sondern vielmehr die Frage, wie der Betrieb möglichst schnell wieder öffnen kann.
Abhängig vom Vertrag übernehmen Cyberversicherungen unter anderem die Kosten für IT-Forensik, Datenrettung, Wiederherstellung von Systemen oder auch die Krisenkommunikation. Kommt es zu Datenschutzverletzungen, werden häufig auch juristische Beratungsleistungen sowie Kosten im Zusammenhang mit gesetzlichen Meldepflichten übernommen. Je nach Versicherungsvertrag können ebenfalls entgangene Gewinne und fortlaufende Fixkosten ersetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Personalkosten, Mieten oder andere laufende Betriebsausgaben, die trotz des Ausfalls weiter anfallen. Für viele Betriebe kann genau diese Leistung im Ernstfall entscheidend sein.
Worauf sollten Gastronomiebetriebe bei Cyberversicherungen achten?
Nicht jede Cyberversicherung deckt automatisch alle Risiken ab. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Vertragsbedingungen. Wichtig ist zunächst, dass typische Angriffsszenarien wie Phishing, Ransomware oder Angriffe auf Kassen- und Reservierungssysteme ausdrücklich mitversichert sind. Ebenso sollte geprüft werden, ob Betriebsunterbrechungen ausreichend abgesichert werden und welche Wartezeiten oder Selbstbehalte gelten. Viele Versicherer setzen allerdings auch bestimmte Sicherheitsstandards voraus. Dazu gehören beispielsweise regelmäßige Datensicherungen, aktuelle Software, Virenschutzprogramme oder eine Mehr-Faktor-Authentifizierung für wichtige Benutzerkonten. Ebenfalls sollte die Sensibilisierung der Mitarbeitenden dazugehören. Werden diese Mindestanforderungen nicht erfüllt, kann dies Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben.
Infokasten: 5 Cyber-Tipps für Gastronomiebetriebe
Cyberangriffe lassen sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nie vollständig ausschließen. Wer jedoch technische und organisatorische Schutzmaßnahmen mit einer passenden Cyberversicherung kombiniert, kann finanzielle Schäden begrenzen und den Betrieb im Ernstfall deutlich schneller wieder aufnehmen. Fünf Tipps dafür, Cybersicherheit zu einem wichtigen Bestandteil des unternehmerischen Risikomanagements zu machen:
1. Mitarbeitende sensibilisieren
Viele Cyberangriffe beginnen mit einer Phishing-E-Mail. Schulen Sie Ihr Team regelmäßig darin, verdächtige E-Mails, gefälschte Rechnungen oder ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen zu erkennen. Im Zweifel gilt: lieber einmal mehr nachfragen als vorschnell klicken.
2. Kassen- und Reservierungssysteme absichern
Nutzen Sie sichere Passwörter, aktivieren Sie – wenn möglich – die Mehr-Faktor-Authentifizierung und spielen Sie Sicherheitsupdates zeitnah ein. Gerade Kassensysteme und Reservierungsplattformen sind zentrale Bestandteile des laufenden Betriebs und damit attraktive Angriffsziele.
3. Back-ups regelmäßig erstellen und testen
Datensicherungen helfen nur, wenn sie aktuell sind und im Ernstfall auch tatsächlich wiederhergestellt werden können. Sichern Sie wichtige Daten regelmäßig.
4. Einen Notfallplan bereithalten
Überlegen Sie bereits im Vorfeld, wie Ihr Betrieb reagieren würde, wenn Kassensystem, Reservierungssoftware oder Internet plötzlich ausfallen. Wie können Bestellungen oder Zahlungen vorübergehend manuell abgewickelt werden? Muss die Datenschutzbehörde informiert werden? Ein klarer Notfallplan spart im Ernstfall wertvolle Zeit und hilft, den Betrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen.
5. Cyberversicherung abschließen
Schließen Sie bei Bedarf eine Versicherung ab. Achten Sie darauf, dass typische Risiken der Gastronomie – etwa Phishing, Ransomware, Datenverluste und Betriebsunterbrechungen – ausdrücklich versichert sind. Ebenso wichtig sind schnelle Notfallhilfe sowie Unterstützung bei Datenschutzvorfällen und Krisenkommunikation.











