Suche

Finanzen im Griff: Wie ein Steuerberater Gastronomen bei Buchhaltung und Liquidität unterstützt

  • Die Gastronomie arbeitet mit einer Umsatzrendite von nur rund drei Prozent; Wareneinsatz und Personal binden häufig über 60 Prozent des Umsatzes, weshalb belastbare Zahlen und kurze Auswertungszyklen über die Handlungsfähigkeit entscheiden.
  • Liquidität wird nicht am Kontostand, sondern an Kennzahlen wie Wareneinsatzquote (Küche 28 bis 32 Prozent), Personalkostenquote (33 bis 36 Prozent) und Break-Even-Umsatz pro Tag gesteuert; Abweichungen über zwei Prozentpunkte verlangen eine Ursachenanalyse.
  • Betriebe sollten Belege taggleich digital erfassen, die BWA monatlich gemeinsam mit dem Berater auswerten und einen Liquiditätsplan über mindestens sechs Monate führen, um Steuerberatung vom Pflichtthema zum Steuerungsinstrument zu machen.

Towfiqu barbhuiya, UnsplashTowfiqu barbhuiya, Unsplash

Die Gastronomie ist eine der Branchen mit den kleinsten Margen im deutschen Mittelstand. Der DEHOGA Branchenbericht 2024 spricht von einer Umsatzrendite im Gastgewerbe von etwa drei Prozent, Personalaufwand und Wareneinsatz binden zusammen häufig mehr als 60 Prozent des Umsatzes. Wer in diesem Umfeld die Liquidität sichern will, braucht weit mehr als ein gutes Bauchgefühl an der Kasse. Über die eigene Handlungsfähigkeit entscheiden belastbare Zahlen, kurze Auswertungszyklen und eine steuerliche Betreuung, die den Betriebsalltag kennt.

Warum Buchhaltung im Gastgewerbe ein eigenes Metier ist

Kaum eine Branche produziert so viele kleinteilige Buchungsvorgänge wie die Gastronomie. Tageslosungen, Trinkgeldkassen, Lieferantenrechnungen für verderbliche Ware, Mitarbeiterverpflegung, unterschiedliche Umsatzsteuersätze für Speisen im Haus und außer Haus. Seit dem Auslaufen der reduzierten Mehrwertsteuer auf Restaurantspeisen zum 1. Januar 2024 gilt für Verzehr vor Ort wieder der reguläre Satz von 19 Prozent, während Außerhausverkauf bei 7 Prozent bleibt. Diese Trennung sauber abzubilden, ist Pflicht nach den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern (GoBD).

Partner aus dem HORECA Scout

Hinzu kommt die Kassensicherungsverordnung. Jedes elektronische Aufzeichnungssystem muss über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen, und seit dem 1. Januar 2025 sind neue oder ausgetauschte Kassen zusätzlich beim Finanzamt zu melden. Für Betriebe, die diese Anforderungen zusammen mit dem Tagesgeschäft nicht abbilden können, ist ein Steuerberater online eine praktikable Lösung, weil digitale Belegverarbeitung, DATEV-Anbindung und laufende Auswertungen ortsunabhängig funktionieren und tägliche Präsenztermine ersetzen.

Liquidität steuern über Kennzahlen, nicht über den Kontostand

Liquidität ist im Gastgewerbe kein Zustand, sondern ein Prozess. Wer erst reagiert, wenn das Geschäftskonto knapp wird, hat den kritischen Punkt meist schon überschritten. Ein Steuerberater mit Branchenbezug arbeitet mit rollierenden Auswertungen und den zentralen Betriebsvergleichszahlen der Gastronomie:

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingFinanzierung und InvestmentFührung, Management und Leadership
Wenn der Betrieb nicht mehr zu retten ist: Eine Gastronomin über Insolvenz und Neuanfang
  • Wareneinsatzquote: in der Küche typischerweise 28 bis 32 Prozent, im Getränkebereich 20 bis 25 Prozent
  • Personalkostenquote: nach DEHOGA Kennzahlen im Schnitt 33 bis 36 Prozent
  • Rohertrag pro Sitzplatz und pro Öffnungsstunde
  • Break-Even-Umsatz pro Tag

Diese Werte lassen sich aus einer korrekt geführten Finanzbuchhaltung monatlich, bei digitaler Kassenanbindung sogar wöchentlich ableiten. Abweichungen von mehr als zwei Prozentpunkten sind ein Signal, das eine Ursachenanalyse verlangt, etwa bei Schwund, Portionierung oder Einkaufspreisen.

Themen in diesem Artikel
Finanzen und ControllingSteuernKostenmanagementDATEVMehrwertsteuerSteueroptimierungSteuerprüfungUmsatzsteuer

Steuerliche Gestaltung als Teil der Betriebsführung

Neben der laufenden Buchhaltung geht es um Gestaltungsspielräume, die nur mit sauberen Zahlen zugänglich sind. Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG erlauben es kleineren Betrieben, geplante Anschaffungen wie Kücheneinrichtung oder Kühltechnik bereits vor dem Kauf steuermindernd zu berücksichtigen. Voraussetzung ist ein Gewinn unter 200.000 Euro im Vorjahr sowie die betriebliche Nutzung von mindestens 90 Prozent.

Auch das Thema Bewirtungskosten wird oft unterschätzt. Nach § 4 Abs. 5 EStG sind 70 Prozent geschäftlich veranlasster Bewirtung als Betriebsausgabe abziehbar, wenn die formalen Anforderungen an den Bewirtungsbeleg erfüllt sind. Fehlerhafte Belege führen bei Betriebsprüfungen regelmäßig zu Nachforderungen, die sich mit einer strukturierten Belegerfassung vermeiden lassen. Das Bundesfinanzministerium hat die Anforderungen im BMF-Schreiben vom 30. Juni 2021 konkretisiert.

Praxis-Tipps für die tägliche Umsetzung

Drei Punkte haben sich in der Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Steuerkanzleien bewährt: erstens die Belege noch am Tag ihrer Entstehung digital erfassen, am besten über eine App mit direkter Weiterleitung in die Kanzlei; zweitens die monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) nicht ablegen, sondern gemeinsam mit dem Berater durchsehen und mit dem Vormonat und dem Vorjahr vergleichen; drittens einen Liquiditätsplan mit mindestens sechs Monaten Horizont führen, der die Umsatzsteuervorauszahlungen, die Lohnsteuer und die saisonalen Umsatzschwankungen berücksichtigt. Wer diese drei Punkte konsequent verankert, verlagert die Steuerberatung von einer lästigen Pflichtaufgabe zu einem nützlichen Steuerungsinstrument. Die Gastronomie hat dann mehr Zeit für Ihre Gäste und in der Küche und weniger böse Überraschungen zum Jahresende.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingGastro, Recht und GewerbeRecht und Compliance
Insolvenzantrag gestellt – und nun? Worauf es in den ersten Tagen ankommt
Roberta Fele
Finanzen und Controlling

Wenn der Betrieb nicht mehr zu retten ist: Eine Gastronomin über Insolvenz und Neuanfang

Corona, ausbleibende Hilfen, steigende Kosten und wachsende Schulden: Federica Fele führte ein Event- und Cateringunternehmen und übernahm kurz vor der Pandemie ein historisches Gasthaus. Am Ende stand die Insolvenz. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, warum der Schritt nicht nur ein Ende sein muss – und warum Betriebe Warnsignale früher ernst nehmen sollten.

ProFina Deutschland GmbH
Datenschutz

Mehr digitale Prozesse, mehr Risiken: Warum Cyberversicherungen für Gastronomiebetriebe immer wichtiger werden

Ein Kassensystem, das mitten im Wochenendgeschäft ausfällt, verlorene Reservierungsdaten, abgegriffene Gästeinformationen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch kleine Restaurants, Cafés und Hotels rücken ins Visier der Kriminellen – oft ohne eigene IT-Abteilung im Rücken. Welche Absicherung dann wirklich hilft.

Pexels
Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Altöl: Abfall oder Rohstoff? Vom Küchenrest zur Ressource

Dunkel, zäh, scheinbar wertlos – und doch ein begehrter Rohstoff für Biodiesel und Flugtreibstoff. Warum die Zukunft von gebrauchtem Speisefett in der Hotelküche entschieden wird und wie neun Betriebe zeigen, dass weniger Abfall keine Frage des Verzichts ist.

SpotOn POS, Pexels
Digitalisierung

PDF-Rechnungen in E-Rechnungen umwandeln: Neuer Online-Dienst soll den Umstieg erleichtern

Die verpflichtende elektronische Rechnung verunsichert viele Betriebe im Gastgewerbe – vor allem kleinere Häuser ohne eigene IT-Abteilung. Ein neuer Konverter verspricht jetzt Abhilfe: PDF-Rechnungen lassen sich damit in wenigen Sekunden in gesetzeskonforme E-Rechnungs-Formate umwandeln. Das Tool wurde Mitte Juni auf einer Fachmesse in Dortmund erstmals vorgestellt und stößt auf großes Interesse.

Weitere Artikel zum Thema

Roberta Fele
Corona, ausbleibende Hilfen, steigende Kosten und wachsende Schulden: Federica Fele führte ein Event- und Cateringunternehmen und übernahm kurz vor der Pandemie ein historisches Gasthaus. Am Ende stand die Insolvenz. Ihr Erfahrungsbericht zeigt, warum der Schritt[...]
Roberta Fele
VOIGT SALUS. Rechtsanwälte und Steuerberater
Die ersten 72 Stunden nach einem Insolvenzantrag entscheiden mit über den weiteren Verlauf. Doch welche Unterlagen verlangt der vorläufige Verwalter, wer darf noch Zahlungen auslösen – und ist der Verwalter Verbündeter oder Gegner? Ein Blick[...]
VOIGT SALUS. Rechtsanwälte und Steuerberater
刘 强, Unsplash
Eine gute Lage und eine bekannte Marke reichen bei Hotelinvestitionen zunehmend nicht mehr aus. Nach Einschätzung des Immobilienberaters Colliers prüfen Investoren genauer, wie leistungsfähig ein Hotelbetrieb tatsächlich ist. Bonität, digitale Prozesse, Kostenstrukturen und tragfähige Betreiberverträge[...]
刘 强, Unsplash
Cottonbro, Pexels
Küche, Kühlung, Klimatisierung – im Gastgewerbe läuft der Stromzähler oft rund um die Uhr. Doch wo genau lässt sich ansetzen, um die Kosten spürbar zu senken, ohne beim Gästekomfort Abstriche zu machen? Zwischen Tarifwahl und[...]
Cottonbro, Pexels
Pavel Danilyuk, Pexels
Minijobs sollen politisch nicht abgeschafft werden. Für Hotellerie und Gastronomie ist das ein wichtiges Signal. Gleichzeitig stehen höhere Arbeitgeberbelastungen im Raum. Betriebe sollten deshalb nicht nur auf den Erhalt der Minijobs schauen, sondern auch auf[...]
Pavel Danilyuk, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.