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Altöl: Abfall oder Rohstoff? Vom Küchenrest zur Ressource

  • Altöl ist kein wertloser Abfall, sondern ein energiereicher Rohstoff, der sich zu Biodiesel oder nachhaltigem Flugtreibstoff (SAF) mit CO₂-Einsparungen von bis zu 80 % weiterverarbeiten lässt.
  • Der Wert des Altöls entscheidet sich in der Küche: Nur sauber getrenntes, unverunreinigtes Altöl kann hochwertig recycelt werden – Wasser, Speisereste und Gewürze mindern die Ausbeute.
  • Betriebe sollten Altöl konsequent reduzieren (durch angepasste Küchenkonzepte und alternative Zubereitung), es fachgerecht getrennt sammeln und mit zertifizierten Recyclingpartnern zusammenarbeiten.

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Altöl wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Problemstoff: dunkel, zäh und scheinbar wertlos. Selbst Küchen, die konsequent ihren Müll reduzieren, kommen oft nicht komplett ohne diesen „Abfall" aus. Beim Frittieren oder Braten entsteht es als unvermeidbares Nebenprodukt des täglichen Betriebs. Je nach Größe und Auslastung fallen dabei Mengen von wenigen bis zu mehreren Hundert Litern pro Monat an, die gesammelt, gelagert und entsorgt oder weiterverwertet werden müssen. Wie damit umgegangen wird, entscheidet darüber, ob Altöl eine Umweltbelastung bleibt oder Teil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft wird.

Die Schlüsselstelle: Richtige Entsorgung von Altöl aus Hotelküchen

In Deutschland werden laut Bundesverband Altöl (BVA), basierend auf Zahlen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie des Umweltbundesamts (UBA), etwa 80 % des Altöls einem hochwertigen Recycling zugeführt. Gleichzeitig bleiben jährlich rund 100.000 Tonnen Altöl ohne nachvollziehbare hochwertige Verwertung (Quelle: BVA, 2024).

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Die fachgerechte Entsorgung ist für eine etwaige Wiederverwertung essenziell. Altöl darf unter keinen Umständen über den Abfluss entsorgt werden, da es Rohrsysteme verstopft, Kläranlagen belastet und im schlimmsten Fall Böden und Grundwasser kontaminiert. Die EU-Abfallrahmenrichtlinie schreibt daher die getrennte Sammlung und ordnungsgemäße Behandlung vor. In der Praxis heißt das, dass Hotel- und Restaurantküchen ihr Altöl in geeigneten, meist verschließbaren Behältern sammeln, die regelmäßig von spezialisierten Entsorgungsfirmen abgeholt werden. Dieser Schritt ist entscheidend, denn nur sauber getrenntes Altöl kann hochwertig weiterverarbeitet werden.

Vom Abfall zum Rohstoff

Hier beginnt die eigentliche Chance, denn sauberes Altöl ist längst ein gefragter Rohstoff. Seine energiereiche Struktur macht es besonders für verschiedene industrielle Anwendungen wertvoll. Ein klassischer Verwertungsweg ist die Herstellung von Biodiesel. Dabei werden gebrauchte Speiseöle chemisch aufbereitet und in einen Kraftstoff umgewandelt, der fossile Energieträger ersetzen kann. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis liefert das Bio- und Wellnessresort Stanglwirt. Dort wird das gesamte anfallende Altöl von 9.720 kg zu Biodiesel verarbeitet, wodurch im letzten Jahr eine messbare CO₂-Einsparung von fast 27.000 kg CO2 erzielt wurde.

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Noch dynamischer entwickelt sich die Nutzung von Altöl im Bereich der Luftfahrt. Sogenannter Sustainable Aviation Fuel (SAF), also „nachhaltiger" Flugtreibstoff, basiert heute zu einem großen Teil auf gebrauchten Speiseölen und tierischen Fetten. Laut Internationaler Energieagentur wurden im Jahr 2023 rund 340 Millionen Gallonen SAF eingesetzt, die ein Einsparpotenzial von bis zu 80 % CO₂ im Vergleich zu fossilem Kerosin mit sich brachten. Auch wenn dieser Anteil im Vergleich zum gesamten Kerosinverbrauch noch gering ist, gilt SAF als einer der wichtigsten Hebel zur Reduktion von Emissionen im Flugverkehr.

Reduktion beginnt in der Küche

Wie nachhaltiger Umgang mit Altöl konkret aussehen kann, zeigen die kuratierten Hotelpartner aus dem Green Pearls® Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Angefangen beim gezielten Einkauf über die bewusste Nutzung bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung.

Themen in diesem Artikel
Zubereitung und KochenNachhaltigkeit und UmweltschutzKreislaufwirtschaftNachhaltigkeitRecycling

Der Schloss Lerchenhof zeigt, wie stark sich durch eine konsequent angepasste Küchenphilosophie die Menge an Altöl auf rund 100 Liter pro Jahr reduzieren lässt: Die Küche arbeitet überwiegend mit tierischen Fetten wie Schweineschmalz und Rindertalg aus der eigenen Landwirtschaft sowie mit Sonnenblumenöl und hochwertigen Salatölen. Intensives Frittieren ist kein Bestandteil des Küchenkonzepts. Das anfallende Altfett wird über ein zertifiziertes Recyclingunternehmen fachgerecht entsorgt.

Kleinere Betriebe wie das Hotel Bella Vista Zermatt setzen beispielsweise auf ein reduziertes gastronomisches Angebot, bei dem kaum Altöl anfällt. Auch das ist ein wirksamer Beitrag zur Ressourcenschonung.

Im OCÉANO Health Spa Hotel wird das Frittieren ebenfalls bewusst minimiert, da der Fokus ohnehin auf einer gesundheitsbewussten Küche liegt. Gleichzeitig wird dem Gästewunsch nach frittierten Speisen entsprochen, wenn auch in einer besonders ressourcenschonenden Form: Die eingesetzten Öle werden nicht überhitzt, sondern gezielt und sparsam verwendet, unter anderem indem sie fein auf die Produkte aufgesprüht und anschließend im Ofen schonend gegart werden. So lässt sich die Lebensdauer der Öle deutlich verlängern und ihr Verbrauch insgesamt senken. Sobald das Öl nicht mehr für den Einsatz in der Küche geeignet ist, wird es an ein lokales Unternehmen übergeben, welches es weiterverarbeitet und in andere Produkte überführt.

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Das italienische Relais del Maro geht noch einen Schritt weiter und verzichtet vollständig auf frittierte Speisen. Auch das Naturresort Gerbehof arbeitet ganz ohne Fritteuse und nutzt Alternativen wie die Ofenzubereitung. Diese Beispiele machen deutlich, dass das massenhafte Aufkommen an Altöl kein fixer Bestandteil der Gastronomie sein muss. Stattdessen reduzieren bewusste Entscheidungen und alternative Zubereitungsmöglichkeiten den Abfall, ohne dass die Gäste etwas auf der Speisekarte vermissen.

Nach der Reduktion kommen die Sammlung und Verwertung

Ergänzend spielt auch die Organisation der Sammlung eine entscheidende Rolle für einen funktionierenden Kreislauf. Im Hotel Korinjak wird Altöl in dafür vorgesehenen Behältern sicher gelagert und von autorisierten Entsorgern abgeholt, wodurch eine fachgerechte Weiterverarbeitung gewährleistet ist. Das APIPURA hotel rinner setzt auf gemeinschaftliche Sammelsysteme mit Partnern wie Ecosole und bündelt durch die Kooperation Ressourcen.

Auch andere Green Pearls® Partner setzen auf eine korrekte Sammlung des Altöls und arbeiten mit zertifizierten Recyclingpartnern zusammen. Im My Arbor wird das anfallende Altöl regelmäßig von spezialisierten Unternehmen abgeholt, um zu neuen Endprodukten weiterverarbeitet zu werden. Das niedersächsische Hotel Okelmann's kooperiert mit regionalen Partnern, um kurze Wege und transparente Prozesse sicherzustellen, während das Hotel Weihrerhof die Entsorgung über kommunale Strukturen organisiert. Im Hotel Das Rübezahl wird Altöl von vornherein nicht als Abfall, sondern als Wertstoff betrachtet, sorgfältig gesammelt und über zertifizierte Partner fachgerecht entsorgt. Fette und Öle werden zudem in hoher Qualität eingekauft sowie sparsam und gezielt eingesetzt, um Ressourcen zu schonen und die Entstehung von Altöl möglichst gering zu halten.

Chancen und Grenzen

Entscheidend für die Qualität der Weiterverarbeitung ist die Reinheit des gesammelten Altöls. Verunreinigungen durch Wasser, Speisereste oder Gewürze erschweren die Aufbereitung und reduzieren die Ausbeute. Daher beginnt Kreislaufwirtschaft nicht erst in der Industrie, sondern durch geschultes Küchenpersonal, saubere Trennung und eine geeignete Lagerung.

Doch auch unter den besten Voraussetzungen bleibt Altölrecycling eine Herausforderung. Die verfügbaren Mengen sind begrenzt, während die Nachfrage insbesondere aus der Energie- und Luftfahrtbranche weiter steigt. Zudem sind die Aufbereitungsprozesse energieintensiv und nicht vollständig emissionsfrei. Dennoch bietet Altöl ein erhebliches Potenzial zur Reduktion fossiler Ressourcen und zur Verringerung von Treibhausgasemissionen.

Am Ende zeigt sich: Altöl ist kein Abfall im klassischen Sinne, sondern ein wertvoller Rohstoff. Die Green Pearls® Community macht vor, wie ein verantwortungsvoller Umgang aussehen kann – durch Reduktion, effiziente Nutzung und konsequentes Recycling.

Quellen:

  • BVA-Altölrecycling: Europäische Recyclingquoten
  • Euwid Recycling: Recyclingquote von Altöl in Deutschland
  • Washington Post: Climate Solutions
  • Drumtisch: Wie Altöl plötzlich Zukunft kann
  • Greenpearls
Pexels
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