Suche
Anzeige

Der Sinnersche Kreis und seine Bedeutung für die Spültechnik

Um die hygienisch einwandfreie Reinigung von Gläsern, Geschirr und Besteck in der Gastronomie und Hotellerie gewährleisten zu können, ist das einwandfreie Zusammenspiel mehrerer Faktoren nötig. Der Sinnersche Kreis steht für vier Stellschrauben, die aufeinander abgestimmt werden müssen.

Der Sinnersche Kreistheseamuss, iStockphoto, HG Pixabay

Alle Inhalte zu Spültechnik im Überblick

Wirkungsmechanismus mit vier Parametern

Spülmaschinen werden im Gastgewerbe stark gefordert – Gläser sollen frei von Wasserflecken strahlen, Geschirr in großen Mengen schnell wieder verfügbar sein und GN-Behälter aus Edelstahl auch von stärkeren Verschmutzungen erlöst werden. Doch durchlaufen die verschiedenen Materialien wie Glas, Edelstahl und Porzellan nicht nur andere Reinigungsprogramme, sie werden auch von alternativen Stoffen und bei unterschiedlichen Temperaturen gereinigt. Zusammengefasst wird dieser Prozess im Sinnerschen Kreis, ein Wirkungsmechanismus, mit dem Reinigungsabläufe im gewerblichen Spülprozess beschrieben werden. Das Zusammenspiel der vier Parameter Temperatur, Chemie, Zeit und Mechanik soll so das Ergebnis des Spülprozesses beeinflussen.

Partner aus dem HORECA Scout

Verschiedene Materialien bedürfen unterschiedliche Ansätze

Alle vier Faktoren sind voneinander abhängig, aber untereinander in ihrer Größe veränderbar. Sie machen den Erfolg eines Reinigungs- oder auch Desinfektionsvorganges aus, müssen im exakten Verhältnis zueinander stehen und ergeben immer dieselbe Gesamtsumme. Die vier Faktoren werden beim Sinnerschen Kreis in Form eines Kreisdiagrammes dargestellt, welches verdeutlicht, wie der einzelne Faktor durch die übrigen kompensiert werden kann. Unterschiedliche Materialien wie Glas, Porzellan oder Edelstahl müssen von unterschiedlichen Stoffen gereinigt werden. Beim Spülen wirken daher mehrere Faktoren zusammen. Wird ein Faktor verringert, so sind die anderen Faktoren entsprechend zu erhöhen.

Lesen Sie auch
SpültechnikKünstliche Intelligenz, KI und AutomationNachhaltigkeit und UmweltschutzKostenmanagement
KI in der Spülküche: Wenn die Maschine erkennt, was sie spült

Faktor Temperatur

Sie ist ein maßgeblicher Faktor für das Wirken der chemischen Reaktionen. Für hygienisch einwandfreie Ergebnisse gibt es Normen, die die Temperaturen für Waschen und Klarspülen festlegen. Das beim Spülen erwärmte Spülgut fördert zudem den Eigentrocknungseffekt. Problematisch wird es, wenn es verschiedene Problemfaktoren zu lösen gilt (Fett, Stärke, Eiweiß). Hier werden unterschiedliche Temperaturen benötigt, weshalb der Spülvorgangs in mehrere Schritte mit ansteigenden Temperaturen unterteilt wird. Zunächst startet die Vorabräumung bei ca. 45 Grad Celsius, es folgt das Waschen bei circa 60 Grad abschließend das Klarspülen bei circa 82 bis 85 Grad. Bei speziellen Gläserspülmaschinen hingegen mit geringeren Temperaturen gespült, um das empfindliche Material zu schonen.  In der DIN-Norm 10511/ 10534  sind diese Temperaturen und auch andere Parameter genau festgelegt, um sicherzustellen, dass die Spülergebnisse hygienisch einwandfreie sind.

Themen in diesem Artikel
HACCPSpülmaschineSpültechnik

Faktor Chemie

Unterschieden wird hier zwischen den sogenannten Reinigern und Klarspülern. Reiniger bewirken eine Benetzung, wodurch die Reinigungsflotte sich besser verteilt. Zudem bewirken sie eine Kapillarität über die auch Verschmutzungen und Hohlräume erreicht werden können. Mit Hilfe der Emulgierung werden dann auch noch fetthaltige Verschmutzungen von den zu reinigenden Flächen abgetragen und die festen und in Flüssigkeiten unlöslichen Partikel werden in der Dispergierung abgelöst. Die in Reinigern oft eingesetzten Phosphate sind hingegen ein zweischneidiges Schwert: Einerseits binden sie die im Wasser enthaltene Härte ab, andererseits sind sie von Kläranlagen nur schwer abbaubar und besitzen eine düngende Wirkung für im Wasser befindliche Algen. Wegen dieser ungewünschten Nebeneffekte, hat der Gesetzgeber mittlerweile den Anteil der Phosphate bei gewerblichen Reinigern erheblich reduziert. Ein weiterer eher bedenklicher Stoff in Reinigern sind Chlorbestandteile: Sie fördern die Korrosion, weshalb gerade Gläserreiniger generell chlorfrei sein sollten.

Drei pH-Gruppen bei Reinigern
Reiniger werden nach ihrem pH-Wert in drei Hauptgruppen eingeteilt: Alkalische, neutrale und saure Reiniger. Erstere eignen sich vor allem für Geschirr aus Porzellan, Kunststoff oder Edelstahl. Neutrale -– beziehungsweise mildalkalische – Reiniger, setzt man eher für Aluminium und eloxierte Bleche ein. Saure Reiniger sind hingegen empfehlenswert bei mineralischen Ablagerungen. Bei den Klarspülern findet man vorwiegend leicht saure bis neutrale Formeln, damit dank der enthaltenen Tenside und der dadurch verringerten Oberflächenspannung, ein restloses Ablaufen des Wassers ermöglicht wird.

Faktor Zeit

Beim Faktor Zeit handelt es sich um die Spanne, die zwischen Aufbringen und Entfernen des Reinigungsmittels vergeht, oder die für eine mechanische Reinigung verwendet wird. Auch wenn heutzutage viele Reinigungsmittel suggerieren, dass nur eine kurze Einwirkzeit vonnöten ist, müssen ältere oder eingebrannte Verschmutzungen dennoch über einen längeren Zeitraum eingeweicht werden.

Lesen Sie auch
Allgemeine HaustechnikSpültechnikNachhaltigkeit und Umweltschutz
Modernes Spül- und Restesystem für einen Betrieb im Wandel

Faktor Mechanik

Die Mechanik kommt zum Einsatz, sobald Schmutzteilchen nicht gänzlich durch Chemie gelöst werden können, bzw. unterstützt sie diese beim Lösen. Beim maschinellen Spülen entstehen durch das Umwälzen des Wassers über die entsprechenden Düsen Drücke zwischen 0,2 und 1,4 bar.

Stellschrauben des Sinnerschen Kreises clever nutzen

Das Funktionsprinzip findet dann seine Anwendung, wenn zur schonenden Reinigung etwa schwächere Chemikalien länger auf die zu reinigenden Objekte einwirken, um ein gleichwertiges Ergebnis zu erzielen. Die optimale Einstellung der Faktoren auf die für den Anwendungsfall günstigste Methode garantiert sowohl den Reinigungserfolg als auch die Wirtschaftlichkeit. Eine andere Möglichkeit ist, die notwendige Temperatur durch Verlängern der Waschzeit zu senken. Da z. B. bei Geschirrspülern das Aufheizen des Wassers mit Abstand die höchsten Kosten eines Waschgangs erzeugt, wird häufig Gebrauch von Sparprogrammen gemacht, die bei reduzierter Wassertemperatur (meist ca. 10 Grad weniger) deutlich länger laufen (meist ca. 30 Minuten länger) und dadurch in der Regel trotzdem ein gleich gutes Reinigungsergebnis zeigen.

Wandel vom Sinnerschen Kreis zum Teufelskreis umgehen

Die Kosten für Reinigungsmittel (Chemie), Schmutzlösungstechnik (Mechanik), Strom (Temperatur) und Arbeitsaufwand bzw. Einwirkungsdauer (Zeit) unterscheiden sich oft stark. Die kostengünstigsten Parameter gegenüber den kostspieligsten einfach zu erhöhen ist jedoch selten die beste Lösung: Vor allem in Hinblick auf Desinfektion und Hygiene, da die entsprechenden Mittel oft bei vorgeschriebenen Temperaturen eine genau festgelegte Mindesteinwirkzeit besitzen. Denn nur so ist eine sichere Desinfektion gewährleistet. Können mechanische Ablösekräfte (Bürste, Wasserstrahl) gewisse Ecken und Schlitze, in Maschinen nicht erreichen, ist das schwer beeinflussbar. Der Einsatz höher konzentrierter Reinigungs- und Waschmittel zum Ausgleich kann dann jedoch Schäden am Material verursachen. Besonders dann, wenn zusätzlich kompensierend höhere Temperaturen einwirken. In solch einem Fall könnte sich der Sinnersche Kreis zum Teufelskreis entpuppen. Es gilt daher stets genau abzuwägen, und die einzelnen Faktoren so zu verteilen, dass ein Gleichgewicht gewahrt bleibt. Eventuell ist es sogar clever, den Sinnerschen Kreis noch um die Faktoren Mensch und Wasser aufzustocken: Denn optimal geschultes Personal und günstige Wasserpreise sind Parameter, die die Wirtschaftlichkeit und Effizienz des Sinnerschen Kreises noch zusätzlich unterstützen können.

Inhaltsverzeichnis

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus? Steuerberater Christopher Arendt erklärt, wo die typischen Schwachstellen sitzen und warum wachsende Betriebe ihre Kontrollen jetzt mitwachsen lassen müssen.

Robert Bye, Unsplash
Außengastronomie

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Sommer, Sonne, Außengastronomie – und eine Rechnung, die je nach Standort um den Faktor 60 auseinandergehen kann. Pünktlich zum Start der Hauptsaison hat der Bund der Steuerzahler die Terrassengebühren für rund 200 deutsche Städte erhoben. Das Ergebnis macht deutlich, wie unterschiedlich Städte Außengastronomie bepreisen.

wattline GmbH
Allgemeine Haustechnik

Öffnungszeiten, Auslastung, Standort: Welche Faktoren den Energieverbrauch im Gastgewerbe bestimmen

Strom, Gas, Heizung – Energiekosten gehören zu den größten Ausgabenposten in Hotels und Restaurants. Doch die Höhe der Rechnung ist alles andere als Zufall: Öffnungszeiten, Gästeaufkommen und die Lage des Betriebs spielen eine ebenso große Rolle wie die technische Ausstattung. Wer weiß, an welchen Stellschrauben sich tatsächlich drehen lässt, kann Kosten senken – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Doch welche Faktoren wiegen am schwersten, und wo verbergen sich die größten Einsparpotenziale?

Canva
Digitalisierung

KI-Inhalte kennzeichnen: Was Gastronomen und Hoteliers ab August wissen müssen

Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung liegt – und warum Betriebe, die das ignorieren, Abmahnungen und empfindliche Bußgelder riskieren.

Lightspeed, L Seden
Branche und Trends

„Green Gap“ – Lightspeed-Umfrage zeigt Nachhaltigkeits-Paradox in der Gastronomie

Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal fünf Prozent Aufschlag. Für Gastronomiebetriebe wird die grüne Transformation damit zur ökonomischen Gratwanderung.

Gastfreund GmbH
Branche und Trends

Warum Hotels 2026 ohne digitale Gästekommunikation Marktanteile verlieren

Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern schlicht den Anschluss. Ein aktueller Branchenreport der Gastfreund GmbH zeigt, wo der größte Hebel liegt – und warum die eigentliche Herausforderung nicht Technologie, sondern Integration ist.

Weitere Artikel zum Thema

Gemini
Bandspülmaschinen mit Kameras, Untertischgeräte mit Lernkurve, Spülanlagen mit dynamischer Energieverteilung – die Hersteller bringen Künstliche Intelligenz in einen der unterschätztesten Bereiche der Profi-Küche. Ein Überblick über drei Ansätze, die sich erkennbar unterscheiden.[...]
Gemini
ZfP Reichenau; Meiko
Im Zentrum für Psychiatrie Reichenau werden täglich 800 Mahlzeiten für Patienten und Mitarbeitende zubereitet. Als die alte Spülanlage den Geist aufgab, entschied sich die Klinik nicht einfach für Ersatz – sondern für einen grundsätzlichen Neuanfang.[...]
ZfP Reichenau; Meiko
Vernetzte Fallen wie die von Rentokil monitoren etwaige Schadnageraktivitäten rund um die Uhr. © Rentokil Initial
Die Schädlingsbekämpfung steht vor einem Paradigmenwechsel: Ab Mitte 2026 dürfen Giftköder gegen Nagetiere nur noch bei akutem Befall eingesetzt werden. Die bisher übliche vorbeugende Dauerbeköderung wird verboten. Für Hotels und Gastronomiebetriebe bedeutet das: Wer seine[...]
Vernetzte Fallen wie die von Rentokil monitoren etwaige Schadnageraktivitäten rund um die Uhr. © Rentokil Initial
iSi Deutschland
Espumas, Nitro-Drinks und HACCP-konforme Lagerung – mit nur einem Gerät. iSi Deutschland zeigt auf der Internorga 2026, wie moderne Gastronomiebetriebe ihre Küchenabläufe effizienter, nachhaltiger und kreativer gestalten können. Im GenussGarten von Hack gibt es die[...]
iSi Deutschland
Colged
Wechselnde Aushilfen, Saisonkräfte, kurzfristige Personalwechsel – in vielen Gastrobetrieben gehört die Fluktuation längst zum Alltag. Doch wie lässt sich sicherstellen, dass Hygienestandards auch in der Spülküche konstant eingehalten werden, wenn erfahrene Routinen fehlen? COLGED hat[...]
Colged
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.