Suche

„Klassische Kalkulation ist nicht mehr zeitgemäß“

Gastgewerbe-Magazin: Wie buchen Sie gewöhnlich ein Hotelzimmer? Michael Lidl: Am liebsten direkt im Hotel. In der Regel via Telefon oder über die Webseite. Dafür bin ich selbst zu viel Hotelier, […]

Die Preisgestaltung hat für Hoteliers in einem immer transparenter werdenden Markt an Bedeutung zugenommen.francescoch - iStockphoto.comfrancescoch - iStockphoto.com

Gastgewerbe-Magazin: Wie buchen Sie gewöhnlich ein Hotelzimmer?

Michael Lidl: Am liebsten direkt im Hotel. In der Regel via Telefon oder über die Webseite. Dafür bin ich selbst zu viel Hotelier, als dass ich kommissionpflichtige Buchungen bevorzugen würde.

Michael Lidl, geschäftsführender Gesellschafter Treugast Solutions Group
Michael Lidl, geschäftsführender Gesellschafter Treugast Solutions Group (Foto: privat)

Partner aus dem HORECA Scout

Gibt es einen Unterschied, ob Sie privat oder geschäftlich buchen?

Ja, große Unterschiede. Beruflich suche und buche ich Hotels viel von unterwegs aus, in der Regel mit dem Smartphone und oft nur wenige Stunden vor dem Check In. Privat gerne abends auf der Couch. Da lasse ich mir mehr Zeit und vergleiche auch mehr Hotels und Preise.

Sind Sie sicher, dass Sie immer zum günstigsten bzw. besten Preis buchen?

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingSoftware und SystemeEvents und Messen
Profitabilität auf Knopfdruck: Gastronovi zeigt auf der INTERNORGA 2026 Lösungen für mehr Wirtschaftlichkeit

Ich bin mir sicher, dass ich nie zum günstigsten Preis buche, aber zumindest zu einem anständigen Preis.

Natürlich schaue ich vor der Buchung nochmals kurz auf ein Vergleichsportal. Aber die Ratenparität haben viele Hotels mittlerweile ohnehin einigermaßen im Griff. Um den günstigsten Preis zu buchen, müssten meine Reisedaten deutlich flexibler sein.

Themen in diesem Artikel
KalkulationPreisePreiskalkulationPreispolitik

Hoteliers sind in der Zwickmühle zwischen Mitbewerberpreis, eigenen Kosten und verschiedenen Vertriebskanälen. Wie soll denn ein Hotelier den Zimmerpreis heute überhaupt vernünftig kalkulieren?

Klassische Preiskalkulationen sind heutzutage viel zu statisch und nicht mehr zeitgemäß. Selbstverständlich muss ich meine kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze kennen. Aber meine Preisdurchsetzungsmacht wird durch die Marktnachfrage und meine Wettbewerbsfähigkeit bestimmt. Dann liegt es nur noch an einem geschickten Revenue Management, um tag genau das Maximum aus Auslastung und Rate rauszuholen.

Wie transparent sollen die Vertriebskosten für den Gast sein?

Ist Ihnen beim Kauf einer Zahnpasta, einer Kiste Wasser oder einem Handy wichtig, wie hoch die Vertriebskosten der Produkte sind? Ich gehe davon aus, dass auch für Sie nur der Endpreis entscheidend ist. Ich bin auch sicher, dass die wenigsten Hotels ihre eigenen Vertriebskosten kennen. Damit meine ich nicht die Kommissionen für OTAs oder Reiseveranstalter, sondern vor allem die Vertriebskosten auf Direktbuchungen.

Lesen Sie auch
Führung, Management und LeadershipKostenmanagement
Neue Folge „Kemal Rettet“: Wenn Leidenschaft nicht mehr reicht

Wie kann ein Hotelier aus Ihrer Sicht höhere Preise durchsetzen?

Der einfachste und schnellste Weg geht über eine Optimierung des Revenue Managements. Hierzu muss ich wissen, was der Wettbewerb macht, über welche Kanäle kann ich wen erreichen und welcher Gast/welches Gästesegment bucht zu welchem Preis zu welchem Zeitpunkt. Nur dann kann ich meine Vertriebskanäle und Preise ideal aussteuern.

Langfristig ist jedoch die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Produkts der nachhaltigste Weg zur Preissteigerung. Nur wenn ich es schaffe, mich vom Wettbewerb abzuheben, kann ich die Preise anheben. Dabei geht es nicht nur um regelmäßige Investitionen, sondern es geht vor allem darum, die Investitionsschwerpunkte zielgerichtet zu setzen.

Was halten Sie von Tagespreisen bzw. kurzfristigen Last-Minute-Schnäppchen?

Last Minute-Angebote sind Vertriebsmaßnahmen, die manchmal nicht zu vermeiden sind. Es sollte allerdings niemals dauerhaft eingesetzt werden.

Sind Spezialisierung und Individualisierung ein Weg? Oder doch besser einer Kette anschließen?

Eine Pauschalantwort auf diese Frage gibt es nicht. Das eine schließt das andere aber auch nicht unbedingt aus. Es gibt mittlerweile sowohl Marken, die einen hohen Grad an Individualisierung zulassen, als auch Marken, die sich sehr auf einzelne Ziel- bzw. Stilgruppen spezialisieren.

Ist Airbnb wirklich eine Konkurrenz für die Hotellerie?

Ja und Nein. Airbnb ist im Kern eine Vermarktungsplattform, die sich zunehmend auch für die Hotellerie öffnet. Das heißt, Airbnb steht in erster Linie im Wettbewerb mit booking.com oder anderen OTAs. Die eigentliche Konkurrenz der Hotellerie in diesem Zusammenhang ist die Parahotellerie, die durch Airbnb eine hoch professionelle Vertriebsplattform bekommen hat. Der Airbnb-Trend hat zu einem enormen Wachstum in diesem Segment geführt.

Wie soll ein Hotelier auf diesen Mitbewerber reagieren?

Der Erfolg von Airbnb zeigt doch zwei Dinge:

1. Es gibt deutlich mehr Gäste als erwartet, die keinen großen Wert auf Leistungen legen, die in jedem Hotel Standard sind (Rezeption, Lobby, tägliche Zimmerreinigung, geschultes Hotelpersonal, Sicherheit, etc.). Folglich sollten sich Hoteliers hinterfragen, ob alle ihre angebotenen Leistungen tatsächlich beim Gast einen Nutzen stiften, für den er auch bereit ist zu zahlen. Ein einfaches Beispiel: Wenn mich die Reinigung eines Bleibezimmers 5 Euro kostet und der Gast bei einem 4-tägigen Aufenthalt gar nicht bereit ist, für diese Leistung mindestens 20 Euro zu bezahlen, warum biete ich sie dann an?

2. Im Zeitalter von Online Bewertungen wird es immer weniger, ein standardisiertes Produkt mit standardisierten Qualitätsstandards anzubieten. Wenn also das Interieur-Design der Hotelzimmer, der Lobby oder der Gastronomie meines Hotels genauso gut zu einem Hotel in Hannover, Kassel oder Ulm passen würde, dann ist es Zeit, über Individualisierung nachzudenken. Nur wenn es gelingt, den Gast mit kreativen, individuellen Ideen zu begeistern, bleibe ich als Hotel in Erinnerung.

StockSnap, Pixabay
Branche und Trends

Hunger auf Stammgäste: Wie digitale Kundenbindung die Gastronomie verändert

Steigende Kosten, knappes Personal, verschärfter Wettbewerb – und trotzdem sollen die Tische voll und die Gäste treu bleiben? Ein neuer Branchenreport zeigt: Wer seine Gäste digital bindet, gewinnt nicht nur mehr Umsatz, sondern echte Verbundenheit. Doch Vorsicht: Pauschale Angebote reichen längst nicht mehr. Was Gäste heute wirklich erwarten und warum das Smartphone den Stempelpass ablöst.

NakNakNak, Pixabay
Branche und Trends

Branchenverbände gegen Tierhaltungskennzeichnung: Wenn Bürokratie Tierwohl verhindert

Die Bundesregierung plant, die Tierhaltungskennzeichnung auf Restaurants, Kantinen und verarbeitete Lebensmittel auszuweiten. Acht Branchenverbände von der Systemgastronomie bis zum Bäckerhandwerk laufen dagegen Sturm. Ihr Argument: Die Reform belastet Betriebe mit Millionenkosten und bürokratischem Aufwand – ohne dass mehr Tierwohl entsteht. Im Gegenteil: Sie könnte sogar dazu führen, dass Gastronomen auf schlechtere Haltungsformen umsteigen.

ZfP Reichenau; Meiko
Allgemeine Haustechnik

Modernes Spül- und Restesystem für einen Betrieb im Wandel

Im Zentrum für Psychiatrie Reichenau werden täglich 800 Mahlzeiten für Patienten und Mitarbeitende zubereitet. Als die alte Spülanlage den Geist aufgab, entschied sich die Klinik nicht einfach für Ersatz – sondern für einen grundsätzlichen Neuanfang. Warum ein funktionierender Spülraum in einer psychiatrischen Einrichtung zum Schlüsselfaktor wird und wie moderne Technik den Arbeitsalltag eines ganzen Teams verändert hat.

Weitere Artikel zum Thema

Gastronovi
Steigende Kosten, schrumpfende Margen – und klassische Kalkulationsmethoden stoßen an ihre Grenzen. Auf der INTERNORGA 2026 zeigt ein Bremer Softwareunternehmen, wie intelligente Systeme aus Daten echte Entscheidungsgrundlagen machen. Und warum die Speisekarte mehr kann, als[...]
Gastronovi
Kemal Üres
70 Stunden in der Woche – für vier Euro netto. Kann ein Café überleben, wenn die Inhaberin alles gibt, aber die Zahlen gegen sie arbeiten? Kemal Üres zeigt in Braunschweig, wo selbst bei zufriedenen Gästen[...]
Kemal Üres
Anfang.Team
Buchungsmaschinen und Channel-Manager laufen – doch echten Mehrwert schaffen Hotels erst, wenn die Unternehmensführung digitale Prozesse aktiv steuert statt zu delegieren. Ohne strategische Preisgestaltung und koordinierte Kampagnenplanung verpufft selbst die beste Technologie. Welche Tools sich[...]
Anfang.Team
Rezeptrechner; GruppoPiù, Unsplash
Der Küchenalltag in Gastronomiebetrieben ist stressig. Für Planung, Kalkulation oder das regelmäßige Abwägen von Kosten und Preisen bleibt im Tagesgeschäft kaum Zeit. In Zeiten ständig steigender Rohstoffpreise kann das jedoch schnell zum Problem werden. Hinzu[...]
Rezeptrechner; GruppoPiù, Unsplash
designerpoint, Pexels
Der deutsche Hotelmarkt präsentiert sich 2025 in einer paradoxen Situation: Die Nachfrage nach Übernachtungen bleibt robust, die Auslastung steigt leicht an – dennoch sinkt der Umsatz pro verfügbarem Zimmer. Eine aktuelle Marktanalyse des Hotelimmobilienspezialisten Christie[...]
designerpoint, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.