Suche

Wie sieht die Zukunft des veganen Fine-Dinings aus, Aggeliki Charami?

Eine vegane Küchenchefin in den Dolomiten mit 17 Gault&Millau-Punkten – und dem Traum von einem Michelin-Stern. Nicht für sich selbst, sondern als Statement: Pflanzenbasierte Gastronomie ist gleichwertig. Warum Aggeliki Charami lieber Geschichten erzählt als Lärm zu machen, wie Koji ihre Gerichte transformiert und weshalb Nachhaltigkeit für sie keine Option, sondern Grundlage ist.

OMNIAOMNIA

Sie gilt als eine der innovativsten veganen Köche in den Alpen: Aggeliki Charami, Küchenchefin im OMNIA plant-based restaurant und den veganen Hotels Paradiso Pure.Living und LA VIMEA. Green Pearls® hat mit ihr über Awards, ihre Vision für ein Plant-based Fine Dining und die kreative Freiheit gesprochen, die sie durch die vegane Küche gefunden hat.

Als Allererstes: Herzlichen Glückwunsch! Du wurdest kürzlich vom Schlemmeratlas als eine der „Top 50 Chefs of South Tyrol 2025" ausgezeichnet, hast zusätzlich 17 von 20 Gault&Millau-Punkten erreicht und bist Teil des Restaurant Guide Identità Golose 2026. Hast du aktiv auf diese Auszeichnungen hingearbeitet oder waren sie eine Überraschung?

Ehrlich gesagt, habe ich noch nie auf einen Award hingearbeitet. Stattdessen möchte ich in meiner Arbeit authentisch bleiben und mit Respekt, Seele und einer klaren Identität besondere Gerichte kreieren. Diese Auszeichnungen sind ein Ergebnis meiner Arbeit – nicht der Zweck. Also ja, sie waren eine schöne Überraschung! Und eine Bestätigung, dass pflanzenbasierte Gastronomie mit Stolz und zurecht mit auf dem höchsten Niveau steht.

Partner aus dem HORECA Scout

Ein Michelin-Stern wäre eine starke Botschaft.

Gibt es trotzdem eine Auszeichnung, von der du dir wünschen würdest, dass du sie einmal erreichst?

Natürlich ist da der Traum von einem Michelin-Stern für ein pflanzenbasiertes Restaurant in den Dolomiten. Nicht so sehr für den Titel, aber für die Botschaft dahinter: dass die vegane Küche gleichwertig ist. Das wäre eine große Inspiration für die Welt. Mein Traum ist es, Wege zu öffnen und „das Vorbild" zu sein. Ich will, dass unsere Küche Gespräche anregt, Veränderungen antreibt und durch ihre pure Essenz Anerkennung findet.

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, dass ich meine Zutaten wertschätze, dass ich nichts verschwende, sorgfältig auswähle, mit Feingefühl und Empathie koche – und den Gast sanft daran erinnere, dass unser Planet keine Selbstverständlichkeit ist.

Aggeliki Charami

Warst du in die Entscheidung involviert, das Paradiso zu einem 100 % veganen Hotel zu machen?

Ja, war ich. Das Paradiso hatte als vegetarisch-veganes Hotel schon eine starke, pflanzenbasierte Philosophie. Die Umwandlung zu ganzheitlich vegan war der natürliche nächste Schritt. Ich habe lediglich etwas geholfen und gezeigt, dass der Übergang nicht mit Verlusten einhergehen muss, sondern Wachstum, Identität und Qualität bieten kann.

Themen in diesem Artikel
FoodNachhaltigkeit und UmweltschutzBranche und TrendsFine DiningInterviewNachhaltigkeitVegan

Wie lang bist du selbst vegan und was hat dich zu der Entscheidung bewogen?

Ich lebe seit mehreren Jahren vegan, aber die Entscheidung dafür ist langsam und tiefgreifend in mir herangewachsen. Es begann mit der Empathie für Tiere und fand seinen Abschluss in meiner Kochkunst, als ich realisierte, wie sehr die Kreativität in der Küche floriert, wenn man aufhört die „klassischen" Zutaten als gegebenen Standard zu betrachten. Die pflanzenbasierte Küche hat mich befreit. Ich wurde kreativer, aufrichtiger und achtsamer.

Tofu, Tempeh, Seitan… Was ist dein Favorit?

Koji. (Anm. d. Redaktion: Japanische Schimmelpilze, die zur Fermentierung von Getreide, Reis oder Sojabohnen verwendet werden) Auch wenn es kein „Protein" im klassischen Sinne ist. Für mich ist es die lebendigste und ausdrucksstärkste Zutat. Koji bringt Geschmack, Technik, Fermentation, Umami und Tiefe. Es kann jedes Gericht transformieren – und ich fühle mich zu solchen Dingen hingezogen; Zutaten, die lebendig und dynamisch sind und sich mit dir weiterentwickeln.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingVersicherungen und RisikomanagementKostenmanagement
Insolvenzrisiko im Gastgewerbe: Drei Schritte, mit denen sich Betriebe vor Zahlungsausfällen schützen

Storytelling auf dem Teller

Was macht ein „Aggeliki Charami"-Gericht aus?

Das Storytelling. Eine gewisse, dunkle Raffinesse. Die Art von Emotionen, die dich an das Gericht selbst erinnert, nicht nur an den Geschmack. Ich arbeite viel mit Texturen, mit natürlichen Elementen, mit Kontrasten. Kochen ist für mich nicht nur Geschmack – es ist ein Erlebnis. Ich möchte, dass jedes Gericht eine Geschichte erzählt. Ganz ohne Worte.

„Rockstar der veganen Küche" oder „Mystische Geschichtenerzählerin" – was beschreibt dich besser?

Wenn ich mich entscheiden muss, definitiv das zweite. Der „Lärm" interessiert mich nicht. Ich will die Stille, die entsteht, wenn ein Gericht wirklich berührt.

Hat Südtirol deine Kochkunst beeinflusst? Und wie verbindest du die Dolomiten mit deinen griechischen Wurzeln?

Die Dolomiten haben mich verändert. Sie haben mich der Erde nähergebracht; dem Wald, der Kälte, der Wildnis, der Stille. Aber Griechenland lebt in mir – in den Erinnerungen, den Kräutern, den Sommern der Kindheit und dem Licht.

Wie ist die Idee zu OMNIA entstanden?

OMNIA wurde aus dem Wunsch heraus geboren, etwas zu erschaffen, das mehr ist: ein Ort, der nicht nur ein „Restaurant" ist, sondern ein Ritual – eine immersive Erzählung für alle Sinne. Ich wollte nicht einfach nur gut kochen. Ich wollte etwas kreieren, das so noch nicht existiert. Etwas, das die Seele berührt, nicht nur den Teller. Und so ist OMNIA entstanden.

Wissen die Gäste immer, was genau sie im OMNIA essen?

Nicht immer – und das gehört zur Erfahrung dazu. Ich möchte, dass die Menschen im OMNIA loslassen, vertrauen und mit mir auf Reisen gehen. Das Essen wird zum geheimnisvollen Schauspiel und zur Entdeckungsreise.

OMNIA ist mystisch, das Paradiso lebendig und kunstaffin. Welches Konzept hast du im LA VIMEA umgesetzt?

Im LA VIMEA habe ich einen ruhigeren Weg eingeschlagen: mehr Erdung, mehr Zen, mehr Klarheit. Ein plant-based Retreat, getragen von Kulinarik. Reine Zutaten, echte Tiefe, verfeinerte Ästhetik – aber mit mehr Leichtigkeit als im OMNIA.

Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit in deiner Kochkunst?

Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles. Ohne Respekt vor der Erde kann meine Küche nicht existieren. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, dass ich meine Zutaten wertschätze, dass ich nichts verschwende, sorgfältig auswähle, mit Feingefühl und Empathie koche – und den Gast sanft daran erinnere, dass unser Planet keine Selbstverständlichkeit ist.

Das ist ein schöner Abschluss. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

CSRIF GmbH
Finanzen und Controlling

Insolvenzrisiko im Gastgewerbe: Drei Schritte, mit denen sich Betriebe vor Zahlungsausfällen schützen

Zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland sind insolvenzgefährdet, der höchste Stand seit 2014 – im branchenvergleich liegt Gastronomie ganz vorn. Zahlungsausfälle führen oft zu Dominoeffekten, sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer des Informationsdienstleiters CRIF Deutschland. Wie Betreiber Frühwarnsignale erkennen, ihr Unternehmen wirksam vor Ausfällen schützen und wann sich externe Bonitätsprüfung auszahlt.

Hans. Pixabay
Außengastronomie

Anhaltende Hitze: Was Gäste jetzt erwarten

Wenn die Temperaturen steigen, wird der Platz an der frischen Luft zum entscheidenden Kriterium: 46 Minuten Anfahrt für den perfekten Außenplatz, längeres Verweilen am Tisch und höhere Ausgaben – warum draußen essen für Gäste 2026 mehr ist als nur eine Frage des Wetters, und welche Rolle Fußball und Hunde dabei spielen.

Winterhalter Deutschland GmbH
Personalentwicklung

Winterhalter sucht auch 2026 den „Spüler des Jahres“

Der Spülmaschinenherstellter Winterhalter ruft zum zweiten Mal zur Wahl des „Spülers des Jahres“ auf. Die Auszeichnung richtet sich an Mitarbeiter in der Spülküche, deren Arbeit für den Betriebsablauf unverzichtbar ist, aber selten öffentliche Anerkennung findet. Gastronomische Betriebe können ihre Kandidaten bis Anfang August nominieren.

Steuern mit System GmbH
Finanzen und Controlling

Cloud-Kasse, Reservierungs-App, IoT-Küche und Co. – Hotels und Gastronomie müssen bei digitalen Investitionen steuerlich genauer hinsehen

Digitale Lösungen sind im Gastgewerbe längst betriebliche Notwendigkeit. Doch viele Hotels, Restaurants und Freizeitbetriebe nutzen die steuerlichen Möglichkeiten rund um Software, Cloud-Systeme oder digitale Infrastruktur noch unvollständig. Die Folge: Sofort abzugsfähige Ausgaben werden unnötig aktiviert, aktivierungspflichtige Investitionen falsch verbucht oder Fördermittel zu spät berücksichtigt. Gerade bei knappen Margen kostet diese Unschärfe unnötig Liquidität.

Rene Terp, Pexels
Branche und Trends

Hochzeitsreport 2026: Kleiner Kreis statt großer Show: Welche Hochzeiten die Deutschen wirklich mögen

Der Trustlocal Hochzeitsreport 2026 verbindet eine Appinio-Umfrage unter 1.000 Personen mit anonymisierten Plattform-Anfragedaten. Das Ergebnis: Über die Hälfte der Befragten bevorzugt Feiern im kleinen Kreis, ein Budget bis 10.000 Euro gilt als angemessen. Als größte Störfaktoren gelten schlechte Stimmung, chaotischer Ablauf und mittelmäßiges Essen. Auffällig ist zudem die Lücke zwischen der als ausreichend empfundenen Planungszeit und dem tatsächlich deutlich früheren Anfragezeitpunkt für Dienstleister.

Weitere Artikel zum Thema

Hans. Pixabay
Wenn die Temperaturen steigen, wird der Platz an der frischen Luft zum entscheidenden Kriterium: 46 Minuten Anfahrt für den perfekten Außenplatz, längeres Verweilen am Tisch und höhere Ausgaben – warum draußen essen für Gäste 2026[...]
Hans. Pixabay
Rene Terp, Pexels
Der Trustlocal Hochzeitsreport 2026 verbindet eine Appinio-Umfrage unter 1.000 Personen mit anonymisierten Plattform-Anfragedaten. Das Ergebnis: Über die Hälfte der Befragten bevorzugt Feiern im kleinen Kreis, ein Budget bis 10.000 Euro gilt als angemessen. Als größte[...]
Rene Terp, Pexels
DEHOGA Bundesverband
82 Jahre, mehr als vier Jahrzehnte an der Spitze der Branche und ein Lebensmotto, das Gastfreundschaft zur Haltung erklärte: Ernst Fischer prägte das deutsche Gastgewerbe wie kaum ein Zweiter. Nun nimmt der DEHOGA Abschied von[...]
DEHOGA Bundesverband
Amelie Mourichon, Unsplash; Hospitality Pioneers
Zum zehnten Mal suchen das 196+ forum München und Hospitality Pioneers die innovativsten Köpfe der Branche. Welche jungen Unternehmen es bis auf die Hauptbühne im Hotel Bayerischer Hof schaffen, entscheidet sich in mehreren Runden –[...]
Amelie Mourichon, Unsplash; Hospitality Pioneers
Tim Douglas, Pexels
Die Branche sucht Nachwuchs – und Nachwuchs fragt zuerst nach dem Gehalt. Die aktuellen Zahlen inklusive der unbequemen Wahrheiten und der Stellschrauben, an denen gute Arbeitgeber drehen sollten.[...]
Tim Douglas, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.