Suche
Anzeige

Wenn KI selbst einkauft – Auf dem Weg zum „Agentic Commerce“

Immer mehr Lebensbereiche werden durch Künstliche Intelligenz neu gestaltet – auch dort, wo wir es vielleicht am wenigsten erwarten: beim Einkaufen. Was heute noch nach Zukunft klingt, nimmt bereits konkrete Formen an. KI-Agenten übernehmen zunehmend Aufgaben, die bislang Menschen vorbehalten waren – vom Suchen und Vergleichen bis hin zum Entscheiden und Kaufen. 


UnzerUnzer

Stellen Sie sich vor, Sie schildern nur noch Ihre Wünsche und Vorstellungen, während eine KI im Hintergrund sämtliche Optionen abgleicht, vergleicht und schließlich autonom für Sie bezahlt – ohne weiteres Zutun Ihrerseits.

Genau hier setzt der agentenbasierte Handel, auch “Agentic Commerce” genannt, an. Während klassische generative KI berät und unterstützt, übernimmt ein KI-Agent im Agentic Commerce bereits sämtliche Schritte eines Kaufprozesses. Er sucht, prüft, trifft Entscheidungen und bezahlt – völlig eigenständig1.

Agentic Commerce bietet viele Vorteile

Das Potenial des Agentic Commerce ist weitreichend. Für die Verbraucher ergibt sich ein nie dagewesener Komfortgewinn: Sie sparen Zeit und Aufwand, weil ihnen die aufwendige Recherche abgenommen wird, und können sich anderen Dingen widmen, während die KI für sie das Beste herausholt. Dabei werden Preisvergleiche und Vertragsabschlüsse nicht nur schneller, sondern auch gezielter nach individuellen Bedürfnissen getroffen.

Partner aus dem HORECA Scout

Diese Entwicklung verändert auch die Customer Journey grundlegend: Die klassischen „Momente der Wahrheit“ – also die bewusste Entscheidung des Kunden – werden von unsichtbaren Mikroentscheidungen der KI ersetzt. Zum Beispiel wird dadurch Markenloyalität schwieriger aufrechtzuerhalten, da Agenten primär nach Preis-Leistung und Parametern entscheiden, nicht nach emotionaler Markenbindung.

Unternehmen profitieren ebenfalls. KI-Agenten greifen aktiv in die Steuerung von Lieferketten ein, überwachen Lagerstände und sorgen für optimale Beschaffung – automatisch und vorausschauend. Preise werden durch algorithmische Verhandlungen optimiert, was für beide Seiten Effizienzsteigerungen und bessere Konditionen bedeutet. Zudem entstehen ganz neue Geschäftsmodelle: So könnten beispielsweise Abo-Agenten regelmäßig wiederkehrende Einkäufe übernehmen oder spezialisierte Preisjäger-Agenten auf die Suche nach den besten Deals gehen, ohne dass der Mensch sich aktiv darum kümmern muss.

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und Automation
Mit KI gegen den Fachkräftemangel: LINA als digitale Partnerin der Gastronomie

Der neue Kaufprozess: Unsichtbare Zahlungen und Dauerbetrieb

Der traditionelle Einkaufsprozess erfährt durch KI-Agenten eine tiefgreifende Veränderung. Zahlungen werden künftig aus dem Hintergrund ausgelöst – gesteuert durch die Präferenzen der Nutzer und ohne deren aktiven Zutun. Shopping wird zum automatisierten Dauerzustand: Die KI überwacht rund um die Uhr Preise, bestellt nach und reagiert in Echtzeit, oft noch bevor der Verbraucher überhaupt merkt, dass ein Angebot verfügbar oder ein Vorrat knapp wird.

Themen in diesem Artikel
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationKI-Agent

Für Händler verschiebt sich der Fokus vom klassischen Marketing auf die technische Auffindbarkeit und maschinenlesbare Präsentation der eigenen Angebote. Nur Produkte, die hochwertig digitalisiert und maschinenfreundlich angeboten werden, bleiben für KI-Agenten sichtbar. Unternehmen müssen auf offene Schnittstellen und exzellente Datenqualität achten. Das bedeutet auch, dass SEO und Performance-Marketing durch „Agent Experience Optimization“ (AXO) ersetzt werden müssen – also die Optimierung von Datenstrukturen für KI-Agenten statt für menschliche Käufer.

Auch Zahlungsdienstleister stehen vor technisch erforderlichen Änderungen: Der klassische Warenkorb verschwindet, stattdessen sind performante API-Architekturen, Tokenisierung sowie schnelle, sichere Echtzeit-Transaktionen gefragt.

Herausforderungen: Rechtliche, technische und regulatorische Unsicherheiten

So viele Chancen Agentic Commerce eröffnet, so groß sind die Herausforderungen. Denn bisher war der gesamte Zahlungs- und Handelsprozess auf den Menschen als Entscheider ausgerichtet. Bislang zielten Innovationen – von Kreditkarten über E-Wallets bis zu Mobile Payments – vorrangig darauf ab, Konsumenten das Bezahlen möglichst komfortabel und sicher zu machen. KI-Agenten unterbrechen das Muster: Der Mensch wird aus dem Zahlungsvorgang herausgelöst.

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationDigitalisierungManagement
KI im Gastgewerbe: Wie Künstliche Intelligenz die Unternehmenskultur verändert

Das wirft viele neue Fragen auf: Wie ist sichergestellt, dass KI-Agenten tatsächlich im Auftrag und Sinne ihrer Nutzer handeln? Was passiert mit Rückbuchungen, wenn kein Mensch den Kauf ausgelöst hat? Wie viel Kontrolle haben die Nutzer – und wie viel möchten sie abgeben? Wie werden Sicherheits-Token für Agenten erzeugt und gemanagt? Und wer haftet bei Fehlern oder Missbrauch, wenn rund um die Uhr, weltweit und ohne menschliche Freigabe Transaktionen ausgeführt werden?

Auch technisch und regulatorisch besteht hoher Klärungsbedarf. Sicherheitstoken für KI-Agenten sind nicht standardisiert, klassische Betrugsprävention und Risikomodelle greifen nicht mehr. Neue, rund um die Uhr aktive Transaktionsmuster verlangen nach modernen Sicherheits- und Überwachungsansätzen. Zugleich sind viele rechtliche und regulatorische Fragen noch unbeantwortet, etwa im Hinblick auf Haftung, Verantwortlichkeiten und Compliance. Der Gesetzgeber wird gefordert sein, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Agentic Commerce sinnvoll, sicher und im Sinne der Verbraucher entfalten kann.

Enormes Marktpotenzial: Milliarden-Transaktionen durch KI-Agenten

Wo stehen wir also heute?

Das Potential von agentembasiertem Handel ist groß. Analysten prognostizieren, dass bis zum Jahr 2029 zwischen ein und vier Prozent aller digitalen Zahlungstransaktionen durch KI-Agenten ausgeführt werden könnten. Bei einem erwarteten Gesamtvolumen von über 36 Billionen US-Dollar jährlich bedeutet selbst ein kleiner Anteil einen Markt von bis zu 1,47 Billionen US-Dollar2.

Zudem könnte der Einsatz von KI künftig zu einer höheren Konversionsrate führen, da der menschliche Entscheidungsfaktor entfällt. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich Kund:innen während des Checkout-Prozesses doch noch umentscheiden. Das zeigt: Auch wenn der aktuelle Anteil gering erscheint, ist das Veränderungspotenzial erheblich.

Gerade Transaktionen, die regelmäßig, vorhersehbar und standardisiert ablaufen – etwa im B2B-Bereich, bei wiederkehrenden Zahlungen, im internationalen Handel, bei Abonnements und bei Mikrozahlungen – eignen sich ideal für agentenbasierte Automatisierung. Hier können KI-Agenten schnell, eigenständig und effizient arbeiten, menschliche Interaktionen sind kaum noch nötig. Bei komplexen Einzel- oder sehr großen Transaktionen dürfte der Mensch aber weiterhin einbezogen bleiben.

Praxisbeispiele und Entwicklungen im Markt

Zwar steckt agentenbasierter Handel noch in den Anfängen, die Entwicklung schreitet aber schnell voran. Ein Beispiel: Das US-Unternehmen Perplexity, ein Anbieter generativer KI mit Commerce-Fokus, brachte im September 2024 einen KI-Agenten auf den Markt, der Bestellungen eigenständig ausführen konnte. Noch läuft nicht alles reibungslos – so benötigte der Agent für den einfacheren Kauf von Zahnpasta gleich zwei Versuche und mehrere Stunden3. Solche Kinderkrankheiten zeigen: Der Weg zur flächendeckend praxistauglichen Lösung ist weit, die Richtung aber klar.

Weitere große Zahlungsdienstleister investieren in den Bereich, wie Visa und Mastercard, die Anfang 2025 neue Services rund um AI-Commerce ankündigten. Mastercard setzt auf agentenzentrierte Tokenisierung4, Visa auf eine skalierbare Plattform mit Fokus auf Datenschutz und Risikomanagement5.

Auch andere große Zahlungsdienstleister und Plattformanbieter treiben diese Entwicklung aktiv voran: Sie ermöglichen es kleinen Unternehmen und Entwicklern durch leicht einbindbare, KI-kompatible Schnittstellen, Prozesse rund um Zahlung, Abrechnung, Versand und Abo-Management zu automatisieren. Die Hürden zur Integration solcher Lösungen werden gezielt gesenkt, sodass auch Nicht-Programmierer den Einstieg in KI-gestützte Abläufe finden6.

Fazit: Die Zukunft ist zum Greifen nah

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz zeigt: Agentic Commerce ist keine Vision für die ferne Zukunft mehr, sondern schon heute greifbar. Um auf Perplexity zurückzukommen: Knapp sechs Monate später konnten US-Kunden bereits Reisen buchen, Produkte bestellen oder Tickets kaufen – die Bezahlung läuft automatisch im Hintergrund über Dienste wie PayPal oder Venmo7. Der Grundstein für autonomen Handel ist damit gelegt.

Ob sich die Technologie flächendeckend durchsetzt, wird davon abhängen, wie bereit Nutzer sind, Kaufentscheidungen an Maschinen zu delegieren – und wie sehr sie den Systemen vertrauen. Klar ist: Agentic Commerce besitzt das Potenzial, das gesamte Einkaufserlebnis zu revolutionieren – für Verbraucher, Handel und die gesamte Finanzwelt. Unternehmen, die diese Entwicklung aktiv mitgestalten, können sich entscheidende Vorteile sichern.

1 https://finsignals.substack.com/p/agentic-payments-next-frontier-in
2 https://finsignals.substack.com/p/agentic-payments-next-frontier-in
3 https://techcrunch.com/2024/12/02/the-race-is-on-to-make-ai-agents-do-your-online-shopping-for-you/
4 https://www.mastercard.com/news/press/2025/april/mastercard-unveils-agent-pay-pioneering-agentic-payments-technology-to-power-commerce-in-the-age-of-ai/
5 https://corporate.visa.com/en/products/intelligent-commerce.html
6 https://finsignals.substack.com/p/agentic-payments-part-2
7 https://www.cnbc.com/2025/05/14/perplexity-partners-with-paypal-for-in-chat-ai-shopping.html

Pavel Danilyuk, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte

Der Papierbon soll fallen, die elektronische Kasse zur Pflicht werden, und wer künftig keinen Beleg bereitstellt, müsste erstmals ein Bußgeld zahlen. Der Entwurf aus dem Bundesministerium der Finanzen sieht die Kassenpflicht ab 2028 vor und legt die nächste Stufe unterhalb der 100.000-Euro-Grenze bereits an. Beschlossen ist noch nichts, doch die Richtung ist erkennbar.

Markus Winkler, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Der Strohhalm als Prüffall: Was die neuen PFAS-Grenzwerte für die Gastronomie bedeuten

Seit dem 12. August gelten in der EU erstmals Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Zwei Monate später folgt ein zweiter Stichtag, der Papier und Karton im Lebensmittelkontakt direkt trifft. Für Gastronomiebetriebe wird damit ein Cent-Artikel zum Compliance-Thema. Und ausgerechnet die Alternative, auf die nach dem Plastikverbot fast alle umgestiegen sind, ist die am häufigsten belastete.

Markus Höfemann
Branche und Trends

Gastfreundschaft 2035 – Zehn Thesen von Niels Battenfeld zur Zukunft der Privathotellerie

Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt nicht auf Technologie, sondern auf das Gefühl, das bleibt: Wie sieht Gastfreundschaft im Jahr 2035 aus, wenn wirtschaftliche Effizienz und echte Begegnung zusammenspielen müssen?

Waldemar Brandt, Unsplash
Allgemeine Haustechnik

Gasträume kühlen ohne Umbau: Worauf es bei mobilen Klimageräten und Luftreinigern ankommt

Wenn eine fest installierte Klimaanlage nicht möglich ist, bleiben mobile Klimageräte und Luftreiniger die praktikable Lösung für Gasträume. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Kühlleistung für die Raumgröße, ein Gerät mit zwei Schläuchen statt einem und eine Aufstellung, die Gäste nicht durch Lärm oder Zugluft stört. Der Rest ist Betriebsführung.

Weitere Artikel zum Thema

Markus Höfemann
Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt[...]
Markus Höfemann
Emiliano Vittoriosi, Unsplash
Speisekartentexte aus ChatGPT, Hotelfotos aus Midjourney, Social-Media-Posts auf Knopfdruck: KI gehört im Gastgewerbe längst zum Alltag. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Acts. Die gute Nachricht vorweg:[...]
Emiliano Vittoriosi, Unsplash
TheFork
Reservierung, Tischplanung, Gästekommunikation und Zahlung laufen in vielen Restaurants längst digital – aber oft noch nebeneinander. Gastautor Carlo Carollo von TheFork erklärt, warum der nächste Schritt nicht noch mehr einzelne Tools sind, sondern besser vernetzte[...]
TheFork
DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, Campaign Creators, Unsplash
Seit 1996 bieten die offiziellen Hotelsterne Gästen Orientierung und Hotels eine einheitliche Grundlage für die Positionierung. Zum 30-jährigen Bestehen richtet die Deutsche Hotelklassifizierung den Blick nach vorn: Die Sterne sollen künftig auch von KI-gestützten Such-[...]
DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, Campaign Creators, Unsplash
Gemini, onlinebirds
Reisende fragen heute ChatGPT und Gemini nach dem passenden Hotel – doch viele Betriebe tauchen in diesen Empfehlungen gar nicht erst auf. Die erste Auswertung des AI Prompt Scores zeigt: Wer künftig von KI-Systemen empfohlen[...]
Gemini, onlinebirds
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.

baeren-apotheke-steffenberg.de