Es ist die Idealvorstellung wohl eines jeden Unternehmers: Nach einem erfüllten, jahrzehntelangen Arbeitsleben tritt zu einem lange zuvor bestimmten Zeitpunkt der Nachfolger aus der Familie an die Spitze des Hotels oder der Gaststätte und führt den Betrieb im Sinne der Familientradition. Und der Senior-Inhaber genießt die Früchte seiner unternehmerischen Tätigkeit, geht seinen Hobbies nach und steht der Familie und dem Nachfolger zur Seite.

Dr. Christopher Riedel ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater in eigener Kanzlei in Düsseldorf.

Dr. Christopher Riedel ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater in eigener Kanzlei in Düsseldorf. (Foto: Christopher Riedel)

Dass es zu diesem Szenario kommt, ist tatsächlich nicht gänzlich unwahrscheinlich. Denn es gibt regelmäßig Beispiele sehr gut und erfolgreich verlaufener Unternehmensübergaben. Aber dafür müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt sein, wie Dr. Christopher Riedel betont. Der Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater berät in seiner Düsseldorfer Kanzlei unter anderem kleine und mittelständische Unternehmer bei der (steuer-)rechtlichen und strategischen Nachfolgeplanung.

„An erster Stelle bei einer gelungenen Nachfolge steht, dass sich die Familie intern einig ist. Sind alle Kinder mit der Wahl des Nachfolgers, der ja echte fachliche Qualifikationen braucht, einverstanden? Lässt sich Gerechtigkeit bei der Vermögensübertragung herstellen, wenn der Kronprinz oder die Kronprinzessin allein das Hotel oder Restaurant erbt?

Und wie finanziert der Senior-Unternehmer seinen Ruhestand?“ Dies sei nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Fragen-Set, das Christopher Riedel mit seinen Mandanten durchgeht und für eine gelungene Unternehmensübergabe bespricht.

Unternehmenserbe mit viel Verantwortung

„Entscheidend ist, einen für alle Beteiligten fairen Modus bei der Vermögensnachfolge zu finden. Ich habe vielfach die Erfahrung gemacht, dass bei mehreren Kindern sehr wohl die Bereitschaft der Nicht-Unternehmenserben vorhanden ist, auf ihren Pflichtteil zu verzichten, wenn sie beispielsweise einen Anteil aus dem Privatvermögen erhalten – auch wenn diese Quote niedriger ist als der Wert des Betriebs“, sagt Christopher Riedel. Schließlich übernehme der Erbe auch die unternehmerische Verantwortung. „Um dies rechtssicher zu gestalten, muss der Pflichtteilsverzicht der übrigen Erben notariell beurkundet werden. Dann kann es später, wenn der Erbfall von Todes wegen einsetzt, auch nicht zu plötzlichen Pflichtteilsansprüchen kommen, die den Fortbestand des Unternehmen massiv gefährden könnten. Wie gesagt: Einigkeit in der Familie und Verständnis für die Entscheidungen sind das A und O der strategisch gelungenen Nachfolge.“ Dafür müsse der Senior-Unternehmer Werbung machen.

Alt-Eigentümer müssen eigene Versorgung sicherstellen

Apropos Senior-Unternehmer: Diese sollten bei einer lebzeitigen Unternehmensübertragung – die ja laut Christopher Riedel eigentlich immer das Ziel ist – darauf achten, dass sie nicht ihre eigene finanzielle Versorgung kappen. „Kann ich mir Großzügigkeit leisten? Diese Frage sollten sich die Alt-Eigentümer stellen, die ja in Hotellerie und Gastronomie regelmäßig auch Geschäftsführer sind und damit in allen Belangen mit dem Unternehmen als Ertragsquelle verbunden sind.“

Deshalb sollten Eigentümer vor der Übergabe gut rechnen, um mögliche Versorgungslücken festzustellen. Falls das Ruhestandseinkommen aus beispielsweise Barvermögen, Einkünften aus Verpachtung und Vermietung und privater Vorsorge nicht ausreiche, müsse eine Lösung gefunden werden, die Finanzierung sicherzustellen. „Es ist sogar gesetzlich geregelt, dass ich mich nicht ‚arm schenken’ darf.

Übertragenes Vermögen kann in solchen Fällen gegebenenfalls zurückgefordert werden, und im schlimmsten Falle werden auch keine Sozialleistungen gezahlt, solange Ansprüche auf die Rückerstattung von Schenkungen bestehen“, warnt Christopher Riedel, der mit seinen Mandanten regelmäßig individuelle und vor allem rechtssichere Übertragungskonzepte entwickelt – auch hinsichtlich der Gestaltung von Familiengesellschaften bei größeren Betriebsvermögen, um die Rollen von Anteilseignern und operativer Führung bestmöglich auszugestalten.

Um dieses Problem zu lösen, gibt es laut dem Rechtsanwalt verschiedene Organisationsmöglichkeiten. Keine sei ein Unternehmensverkauf: „Das ist steuerlich meist sehr ungünstig, und der familiäre Nachfolger muss teuer einen Kredit finanzieren. Der Verkauf bietet sich nur an, wenn das Unternehmen nicht innerhalb der Familie übertragen werden kann oder soll.“ Viel besser sei es, beispielsweise eine Versorgungsleistung festzusetzen, etwa mit mehreren tausend Euro monatlich, um die Lücke im Ruhestandseinkommen zu schließen.

Der Vorteil: Diese Leistung kann aus dem Cash Flow des Unternehmens gezahlt und von der wirtschaftlichen Entwicklung (auch mit Grenzwerten nach oben und unten) abhängig gemacht werden. „Eine andere Möglichkeit ist, nicht alle Betriebsvermögensgegenstände zu übertragen und zum Beispiel die Immobilie an den Nachfolger zu verpachten. Oder der Senior behält Gesellschaftsanteile und lässt sich monatlich seine Gewinnbeteiligung ausschütten.“ Dies müsse aber vertraglich so geregelt werden, dass die Zahlungen bis zum Tode des letztversterbenden Ehegattens fließen – damit nicht die Witwe auf einmal ohne Einkommen dastehe.

Notfallkoffer mit Handlungsanweisungen

Alle diese Themen könne man durch eine gute Beratung im Vorfeld regeln, für die es übrigens nie zu früh sein könne, wie man Dr. Christopher Riedel betont. „Das heißt nicht, dass sich der 40-Jährige heute schon eingehend mit allen Details im dereinstigen Schenkungs- oder Erbfall auseinandersetzen soll. Es geht dabei um den Notfall, der zu jeder Zeit eintreten kann, etwa durch Unfall oder Krankheit mit anschließender völliger Handlungsunfähigkeit.“

Wer dann nicht für eine temporäre Unternehmensnachfolge gesorgt habe, könne in echte Schwierigkeiten kommen, da niemand die Gesellschaftsrechte wahrnehmen könne – also Rechnungen begleichen, Steuererklärung unterzeichnen etc. „Fällt das auf, wird gerichtlich ein Notgeschäftsführer bestellt. Dieses Risiko können Unternehmer aber umgehen, indem sie einen Vertrauten bevollmächtigen, die Gesellschaftsrechte in einem solchen Fall wahrzunehmen“, erläutert Christopher Riedel. Ebenso könne es helfen, direkt einen Prokuristen oder weiteren Geschäftsführer zu bestellen; gerade bei größeren Betrieben sei das sinnvoll.

„Wer für den Notfall die Rahmenbedingungen regelt, nimmt im Falle des Falles große Last von den Schultern der Angehörigen. Der Betrieb kann dann weiterlaufen und steht nicht still, sodass zumindest ohne schwerwiegende wirtschaftliche Verluste eine neue Führungsspitze gesucht werden kann, wenn sich niemand aus der Familie direkt dafür anbietet, weil die Kinder zum Beispiel zu jung sind.“ Zu dieser Notfallplanung gehört laut dem Rechtsanwalt auch ein Unternehmertestament. Das könne – gerade bei jungen Familien – durchaus auch ein sogenanntes Berliner Testament zur gegenseitigen Erbeinsetzung sein.

„Das verhindert, dass im Falle des Todes des Unternehmers die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt und das Vermögen zersplittert wird zwischen Ehegatten und Kindern. Tritt der Notfall nicht ein, werden die Verfügungen natürlich regelmäßig überprüft und an neue Situationen angepasst, sodass zu jedem Zeitpunkt die besten Maßnahmen getroffen sind.“

Und Dr. Christopher Riedel kennt weitere Informationen, die sich in einem unternehmerischen „Notfallkoffer“ wiederfinden sollten. Dazu gehören für ihn neben dem Testament generell alle wesentlichen Dokumente (Versicherungen, Verträge etc.) sowie eine Liste mit Kontakten, die zurate gezogen werden können: vom Interims-Manager bis zum Rechtsanwalt, vom Steuerberater bis zur Personalberatung, um einen adäquaten Hoteldirektor oder Restaurantleiter zu finden. „Das sind natürlich keine abschließenden Lösungen, sondern Notmaßnahmen. Aber diese können ein Unternehmen und damit die Ertragsquelle der Familie retten“, fasst Riedel zusammen, der auch davor warnt, auf fachliche Beratung zu verzichten: „Der Gang zum versierten Rechtsanwalt kostet weniger, als es alleine und dann falsch zu machen.“