Suche
Anzeige

Profitieren Arbeitnehmer von der Corona Krise?

Die restriktive Corona-Politik hat viele gewerbliche Betriebe hart getroffen und in die Knie gezwungen, insbesondere diejenigen, die sich mit ihrem Angebot in der Gastronomie- und Freizeit-Szene bewegen. Aufgrund der wochenlangen Schließungen kam es zu einem massiven Verlust von Finanzkraft und Mitarbeitern. Arbeitnehmer sind jetzt nicht mehr in der Rolle des Bittstellers und stattdessen stark gefragt. Inwiefern sich dieser Umstand auf den Bewerbungsprozess und die Jobsuche auswirkt, erklärt uns Sascha Reinhard, Gründer der Job-App „use2connect“.

fotostorm, iStockphoto

Herr Reinhard, können Sie uns beschreiben, was die veränderten Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt für den Arbeitnehmer im Einzelnen bedeuten?

Das ist in der Tat eine sehr interessante Entwicklung. Bevor die Corona-Pandemie zugeschlagen hat, konnten vor allem Betriebe im Gastro- und Freizeitbereich aus einer Vielzahl an Bewerbern wählen. Vor allem Studenten waren hier allzeit beliebte Arbeitskräfte – günstig, flexibel und einsatzbereit. Durch die beiden Lockdowns während der Corona-Krise waren allerdings viele Studenten gezwungen, ihre Wohnungen aufzugeben, weil sie ihre Jobs verloren und sich die Mieten nicht mehr leisten konnten. Erst einmal wieder bei den Eltern eingezogen, haben sich viele mit der Situation mittlerweile arrangiert und sind schlichtweg nicht mehr auf 450 Euro Jobs angewiesen. Und diejenigen Studenten, die weiterhin in den Städten wohnen geblieben sind, haben sich meist andere 450 Euro Jobs gesucht. Folglich steht diese doch große Gruppe an potentiellen Arbeitnehmern nur noch in deutlich niedrigerem Maße den Unternehmen in jenen Branchen zur Verfügung, die am stärksten von Corona-Maßnahmen betroffen sind.

In diesen Branchen profitieren Arbeitnehmer also von der Corona-Krise. Dafür sieht es in den Branchen, die durch Corona profitiert haben, wieder anders aus. Ein Job als Kassierer:in in einem Discounter, der Produkte für den täglichen Bedarf wie Lebensmittel verkauft, war nie so interessant, wie es aktuell der Fall ist. Nicht weil der Job plötzlich mehr Spaß macht, die Work-Life-Balance passt oder man hier deutlich mehr verdient – es geht schlichtweg darum, dass die Jobs sicher sind. Also können diese Branchen jetzt aus vielen Bewerbern die besten auswählen – für Arbeitnehmer bedeutet dass meist tendenziell schlechtere Arbeitsbedingungen.

Partner aus dem HORECA Scout

Das ist nachvollziehbar – aber lassen Sie uns nochmal einen Blick auf den Gastro- und Freizeit-Sektor werfen. Viele Unternehmen sind wieder auf flexible Arbeitskräfte angewiesen, stehen aber vor dem Problem, dass sich weniger potentielle Arbeitnehmer bei ihnen bewerben. Sie haben als Gründer der Job-App „use2connect“ sicherlich eine besondere Sicht auf den Bewerbungsprozess, oder?

Das ist richtig und Sie greifen mit Ihrer Frage direkt das Kernthema auf, welches wir mit unserer App verändern möchten: den Bewerbungsprozess. Unserer Philosophie nach, sind die Prozesse und Herangehensweisen, wie Unternehmen heute nach Personal suchen nicht mehr zeitgemäß.

Wie meinen Sie das?

Sehen Sie, im Prinzip suchen die Unternehmen zwar nach Mitarbeitern, aber sie suchen nicht wirklich. Sie schalten Anzeigen und hoffen dann darauf, dass potentielle Arbeitnehmer selbst im jeweiligen Medium suchen, die Stellenanzeige sehen und sich dann bewerben. In Branchen, wo es weniger offene Stellen wie Jobsuchende gibt, funktioniert das auch oft noch gut. Ist es aber anders herum, funktioniert das nur noch bedingt.

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecht und Compliance
Typische Streitfragen bei Hotel- und Gastronomieimmobilien

Aber was sind die Alternativen?

Wirklich suchen, und zwar aktiv. Viele Unternehmen setzen bereits heute auf direkte Ansprache potentieller Arbeitnehmer über die Schaltung von Anzeigen bei Facebook, Instagram und andere Social Media Kanäle und das ist auch sinnvoll. Die Nutzung von Social Media Plattformen war vor Corona schon hoch. Seit der Corona-Krise ist die Nutzung aber nochmal deutlich angestiegen – auch bei den älteren Generationen. Warum also passiv darauf hoffen, dass die richtigen Jobkandidaten exakt jene Medien nutzen, bei denen ich eine Anzeige geschaltet habe, zumal es da ja etliche gibt, wenn ich sie aktiv über Social Media ansprechen kann? Ein nettes Video mit “Hey, wir sind das Team hinter … und wir suchen DICH als Verstärkung. Du suchst…? Dann freuen wir uns darauf, dich kennen zu lernen!” kann deutlich effektiver sein als eine Stellenanzeige in einem oder auch 3 Medien.

Themen in diesem Artikel
PersonalentwicklungArbeitnehmerCorona

Verstehe, aber nur die wenigsten Unternehmen kennen sich hier aus und wissen, wie sie hier überhaupt ansetzen sollten…

Das ist natürlich richtig. Die meisten Unternehmen arbeiten aber bereits mit Werbeagenturen zusammen, die hier eventuell unterstützen können und darüber hinaus gibt es immer mehr Agenturen, die sich genau auf dieses Thema spezialisieren.

So wie Sie mit use2connect?

Nicht wirklich. Wir verfolgen da einen nochmal anderen Ansatz. Wie der Name schon sagt, können sich bei use2connect Unternehmen mit Jobsuchenden verbinden, ähnlich wie bei einer Partnerbörse. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass wir hier noch am Anfang stehen. Natürlich freuen wir uns über jedes Unternehmen, dass sich bei uns kostenlos registriert und unsere Mitarbeiter-Suche nutzt – aber noch sind wir keine vollwertige Alternative, die alle anderen Möglichkeiten obsolet macht. Noch nicht!

Lesen Sie auch
MarketingAusstattung und Interieur
Stille Verkäufer: Vor-Ort-Kommunikation als Umsatzhebel in der Gastronomie

Herr Reinhard, das hört sich alles sehr spannend an. Vielen Dank für Ihre interessante Einschätzung und die Einblicke, die wir durch das Gespräch gewinnen durften. Und natürlich viel Erfolg mit Ihrer App.

Banerjee & Kollegen
Gastro, Recht und Gewerbe

Typische Streitfragen bei Hotel- und Gastronomieimmobilien

Gewährleistungsausschlüsse sind bei Bestandsimmobilien üblich, im Gastgewerbe aber nur dann tragfähig, wenn die Informationslage stimmt. Streit entsteht regelmäßig dort, wo bekannte Einschränkungen der Nutzung oder der Betriebsfähigkeit nicht sauber offengelegt und vertraglich eingeordnet werden.

Nikita Kulikov, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Stille Verkäufer: Vor-Ort-Kommunikation als Umsatzhebel in der Gastronomie

Speisequalität und Service sind die Grundlage gastronomischen Erfolgs – doch der Umsatz entscheidet sich oft Sekunden vor dem ersten Gespräch mit dem Personal. Betriebe, die ihre Kommunikationsflächen strategisch bespielen, verwandeln passive Wände in aktive Verkäufer und steigern den durchschnittlichen Warenkorb ohne Personalmehreinsatz. Anhand verschiedener Beispiele wird deutlich, welche Flächen sich für welche Zwecke eignen – vom Schaufenster bis zum Sanitärbereich.

Ivan Vranić, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Einbrüchen ins Restaurant vorbeugen – welche Maßnahmen können dabei helfen?

Rund 90.000 Einbrüche zählte Deutschland 2024 – und längst nicht mehr nur in Privatwohnungen. Auch Restaurants geraten zunehmend ins Visier krimineller Banden. Neben gestohlenem Bargeld bleiben oft zerstörte Einrichtung und tagelange Schließungen zurück. Gerade für kleinere Lokale kann das schnell existenzbedrohend werden – selbst mit Versicherung. Doch mit den richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Welche das sind, zeigt dieser Überblick.

Click A Tree
Kostenmanagement

7 Wege für profitable Nachhaltigkeit in der Gastronomie

Nachhaltigkeit in der Gastronomie – klingt nach Verzicht und hohen Investitionen? Irrtum. Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch einsetzt, steigert nicht nur das Image, sondern auch die Rendite. Sieben praxiserprobte Wege zeigen, wie sich Umweltschutz, Teamzufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg gewinnbringend verbinden lassen – vom wertschätzenden Employer Branding bis zur intelligenten Müllreduktion.

Canva
Finanzen und Controlling

Gewerbesteuer-Erstattung: Vorsicht, die Zinsen sind steuerpflichtig!

Eine Gewerbesteuer-Rückerstattung klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Hoteliers und Gastronomen. Doch Vorsicht: Was der Staat an Zinsen obendrauf zahlt, will das Finanzamt als Betriebseinnahme versteuert sehen. Ein aktuelles BFH-Urteil macht klar, dass diese scheinbare Ungerechtigkeit rechtens ist – und was Sie jetzt beachten sollten.

Infiprotec GmbH
Allgemeine Haustechnik

Brandgefahr durch Akkus im Gastgewerbe?

Lithium-Ionen-Akkus sind im Gastgewerbe längst Alltag, schaffen jedoch neue und oft unterschätzte Brandschutzrisiken – von Gästegeräten in Hotelzimmern über E-Bike-Akkus bis hin zu interner Betriebstechnik und Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen. Entscheidend sind geeignete Lade- und Lagerkonzepte, frühzeitige Branddetektion sowie geschulte Mitarbeitende, um Risiken wirksam zu minimieren.

Weitere Artikel zum Thema

Emma Dau, Unsplash
Schichtdienst, hohe Fluktuation, knappe Personaldecke – die Hotellerie steht unter Druck. Sandra Himmeldirk, Head of People & Culture bei den 25hours Hotels, erklärt im Gespräch mit dem IST-Studieninstitut, was modernes Personalmanagement in der Branche heute[...]
Emma Dau, Unsplash
LudgerA, Pixabay
Im April 2026 startete in Wiesbaden ein neuer Jahrgang der Mineralwassersommelier-Ausbildung. Die seit 20 Jahren etablierte Qualifizierung des Handelsverbandes für Heil- und Mineralwasser vermittelt Fachkräften aus Gastronomie und Handel das notwendige Rüstzeug für eine kompetente[...]
LudgerA, Pixabay
Patrick Steeger
Während die Fluktuationsrate im Gastgewerbe bei 68 Prozent verharrt und der Krankenstand historische Höchstwerte erreicht, kämpfen Hotels und Restaurants mit strukturellen Personalproblemen. Kann systematisches Gesundheitsmanagement hier mehr sein als nur eine Symptombekämpfung? Ein Blick auf[...]
Patrick Steeger
Isabelle Weyand
Im Gastgewerbe, wo sich Qualität im Takt von Schichten, Auslastung und kurzfristigen Ausfällen verändert, ist eine effektive Führung entscheidend. Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, benötigen Führungskräfte Verfahren, die Entscheidungen beschleunigen und die Folgen[...]
Isabelle Weyand
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Messestände anschauen kann jeder. Aber echtes Praxiswissen mitnehmen? Die HospitalityPioneers zeigen auf der Internorga 2026, wie das geht – in ingesamt 60 kompakten Deep Dives. e2n ist mit sechs Vorträgen zu Personalmanagement, Teamführung und nachhaltiger[...]
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.