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Nachhaltigkeit war gestern – Hotellerie braucht Haltung

Nachhaltigkeit ist zum Marketingbegriff verkommen – reduziert auf Photovoltaik und Regionalität. Doch echte Verantwortung geht tiefer: Sie braucht Ehrlichkeit, Menschlichkeit und den Mut, Zukunft bewusst zu gestalten. Ein Plädoyer für ein neues Denken in der Tourismusbranche von Dominik Edlinger, Slow Travel Hotels.

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„Nachhaltig“ – ein Wort, das heute in fast jedem Hotelprospekt steht. Auf Websites, in Leitbildern, in Social-Media-Posts. Es ist ein gutes Wort, ein wichtiges Wort – aber es hat an Schärfe verloren. Zu oft wurde es auf die ökologische Dimension reduziert: Photovoltaik, Regionalität, Recycling. Alles richtig, alles notwendig – aber eben nicht genug.

Nachhaltigkeit bedeutet weit mehr als Ökologie. Sie umfasst soziale, wirtschaftliche und kulturelle Verantwortung. Es geht um ein System, das langfristig trägt – für Unternehmen, Mitarbeiter, Gäste und Regionen. Und genau dieses Verständnis müssen wir neu denken.

Ein Hotel kann klimaneutral wirtschaften und trotzdem unnachhaltig geführt sein, wenn die Menschen darin ausgebrannt sind, die Löhne nicht fair sind und die Beziehungen im Team von Misstrauen geprägt werden. Gleichzeitig kann ein kleiner Familienbetrieb, der vielleicht keine Zertifikate besitzt, aber ehrlich mit sich und seinen Gästen umgeht, seine Lehrlinge fördert und regionale Kreisläufe unterstützt, sehr wohl ein Vorbild für gelebte Verantwortung sein.

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Denn Nachhaltigkeit ohne Menschlichkeit ist nur Marketing.

Dabei geht es nicht darum, Fehler oder Schwächen zu verbergen – sondern offen damit umzugehen. Kein Gast wird es einem übel nehmen, wenn der Strom nicht zu 100 % aus Photovoltaik kommt, wenn man erklärt, dass es aktuell schlicht nicht genug finanziellen Spielraum für weitere Investitionen gibt. Diese Ehrlichkeit schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Basis jeder Form von Nachhaltigkeit.

Was wir heute brauchen, ist also nicht nur ein neues Verständnis, sondern auch mehr Ehrlichkeit – zu uns selbst und zu unseren Gästen. Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Balanceakt: zwischen Ökologie und Ökonomie, zwischen Bewahren und Verändern, zwischen Mensch und System.

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Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen wir auch den Mut haben, Zukunft mitzudenken. Nicht alles, was früher war, war besser. Aber vieles, was heute als nachhaltig gilt, war früher selbstverständlich: Lebensmittel aus der Region, handwerkliche Qualität, das Bewusstsein, Dinge zu reparieren statt zu ersetzen. Das war kein Konzept, sondern gesunder Menschenverstand.

Doch Nachhaltigkeit bedeutet kein Rückschritt – sie bedeutet, diese Haltung mit den Möglichkeiten von heute zu verbinden. Zukunft und Technologie sind kein Widerspruch zur Nachhaltigkeit – sie sind Teil davon. Nur wer bereit ist, in neue Systeme, Digitalisierung, Innovation und Wissen zu investieren, kann Verantwortung wirklich langfristig leben.

Themen in diesem Artikel
Nachhaltigkeit und UmweltschutzBranche und TrendsFührung, Management und LeadershipNachhaltigkeitUnternehmensführungUnternehmenskultur

Auch Kommunikation und Marketing gehören zu diesem Wandel. Broschüren, Kampagnen und Zertifikate sind nicht sinnlos – sie machen Entwicklungen sichtbar, regen zum Nachdenken an und tragen dazu bei, dass sich in der Branche etwas bewegt. Wichtig ist nur, dass hinter allen Worten eine echte Haltung steht. Nachhaltigkeit darf keine PR-Strategie bleiben. Sie muss wieder zu dem werden, was sie einmal war: eine Haltung. Eine Entscheidung für Balance, Bewusstsein und Menschlichkeit.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles unsicher geworden ist. Doch genau diese Unsicherheit zwingt uns dazu, Dinge neu zu denken – und das ist eine Chance. Herausfordernde Zeiten formen herausragende Persönlichkeiten und Unternehmen. Solche, die den Mut haben, ehrlich zu bleiben, in Bewegung zu bleiben und die Zukunft nicht nur nachhaltig, sondern bewusst zu gestalten.

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