Der alljährliche Eis-Trott: Schokolade, Vanille und Erdbeere bleiben beliebt
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind bekennende Gewohnheitstiere. Mit einem Unterschied: Während das Klassiker-Trio Vanille, Schoko und Erdbeere 2023 in allen drei Ländern nicht vom Thron zu stoßen war, haben die Schweizer 2025 für mehr Abwechslung in den Waffeln und Bechern gesorgt, sodass Erdbeere erstmals das Treppchen verpasste.
Die Deutschen schlecken getreu ihrer Flagge am liebsten schwarz-rot-gold: Schokolade, Vanille und Erdbeere machen zusammen stolze 86,9 Prozent aller ausgewiesenen Eisverkäufe aus. Schokolade holt sich dabei mit einem kleinen Vorsprung die Goldmedaille (29,76 Prozent), dicht gefolgt von Vanille (29,65 Prozent) und Erdbeere (27,49 Prozent). Wer es ausgefallener mag, greift in Deutschland zu Joghurt (7,23 Prozent) oder Stracciatella (5,87 Prozent). In der regionalen Detailauswertung erfreuen sich auch Sorten wie Karamell, Mango, Pistazie oder Haselnuss an Beliebtheit – an das klassische Trio à la First Pückler kommen sie aber nicht ran.
In Österreich hat Vanille die Nase deutlich vorn und sichert sich mit 32,60 Prozent den Spitzenplatz, klar vor Schokolade (23,14 Prozent) und Erdbeere (21,75 Prozent). Zusammen kommen die drei Klassiker auf 77,49 Prozent aller Eisbestellungen. Die eigentliche Überraschung ist Platz vier: Banane kommt in Österreich auf beachtliche 15,14 Prozent und ist damit weit mehr als eine Nischensorte. Haselnuss rundet die Top fünf mit 7,38 Prozent aller Bestellungen ab.
In der Schweiz ist das Bild noch klarer – hier holt sich Vanille mit großem Abstand den ersten Platz. Mit 43,73 Prozent liegt die Lieblingssorte fast doppelt so hoch wie Schokolade auf Platz zwei (20,94 Prozent). Besonders auffällig: Dahinter folgt Karamell mit 13,07 Prozent aller Bestellungen und stößt damit erstmals Erdbeere (12,22 Prozent) knapp vom Treppchen. Mango (10,04 Prozent) komplettiert die fünf Favoriten und zeigt, dass die Schweizer experimentierfreudigere Eisgenießer sind als ihre Nachbarn.
Eiszeit-Stimmung bei den Preisen: Alle zahlen mehr – aber nicht überall gleich
Gestiegene Löhne, Energiekosten und Rohstoffpreise machen auch vor der Eistheke keinen Halt – das bestätigt ein Blick auf die Zahlen. Wie steil die Preise klettern, ist Ländersache.
In Deutschland kostet eine Kugel 2025 im Durchschnitt 1,97 Euro – 21 Cent mehr als 2023. Der stärkste Anstieg fand zwischen 2023 und 2024 statt (+7,39 Prozent), seitdem hat sich das Tempo etwas abgekühlt (+4,23 Prozent). Insgesamt kommt Deutschland damit auf ein Plus von 11,93 Prozent in zwei Jahren.
Österreich liegt mit 2,05 Euro pro Kugel knapp über Deutschland – und hat ebenfalls 21 Cent zugelegt. Der Anstieg verlief ähnlich: Der größere Sprung kam zwischen 2023 und 2024 (+9,24 Prozent), 2025 hat sich die Preisbewegung mit +1,99 Prozent deutlich verlangsamt. Insgesamt verzeichnet Österreich ein Plus von 11,41 Prozent bei den Eiskugelpreisen.
In der Schweiz bezahlt man zwar am meisten, der Anstieg hat Eisliebhaber aber weniger eiskalt erwischt. Mit CHF 4,64 pro Kugel liegt das Preisniveau deutlich über dem der Nachbarländer. Die Preissteigerung fiel mit +7,16 Prozent in zwei Jahren jedoch moderater aus. Der größte Anstieg fand dabei zwischen 2023 und 2024 statt (+6,93 Prozent), von 2024 auf 2025 ist das Wachstum mit gerade einmal +0,22 Prozent nahezu eingefroren.
Die Preise klettern weiter, doch die Dynamik lässt nach – insgesamt dürfen Eisliebhaber also vorsichtig aufatmen – auch wenn die Preise aufgrund der Inflation nach wie vor einen Aufwärtstrend zeigen.
Eiskalte Preisüberraschung in der Hauptstadt, erschwinglich schlemmen in Sachsen-Anhalt
Am tiefsten in die Tasche greifen müssen Eisliebhaber in Berlin. Mit durchschnittlich 2,27 Euro pro Kugel liegt die Hauptstadt klar über dem deutschen Durchschnitt von 1,97 Euro – und damit ganze 59 Cent über dem günstigsten Bundesland. Wer also mehr Kugeln für das gleiche Geld möchte, ist in Sachsen-Anhalt bestens aufgehoben: Hier liegt der Preis bei lediglich 1,68 Euro. Sachsen (2,18 Euro), Thüringen (2,08 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern sowie Brandenburg (jeweils 2,07 Euro) bewegen sich merklich über dem Schnitt. Bayern (2,01 Euro) und Hamburg (1,99 Euro) liegen knapp darüber. Schleswig-Holstein (1,80 Euro), Rheinland-Pfalz (1,83 Euro) und Hessen (1,84 Euro) hingegen bleiben spürbar unter dem Bundesdurchschnitt.
Neben den Preisen zeigt sich auch bei den Lieblingssorten eine regionale Handschrift: Erdbeere ist in sieben Bundesländern die beliebteste Sorte, Schokolade führt in fünf Bundesländern. Vanille liegt in vier Bundesländern vorne. Ein Blick in die Absatzzahlen zeigt, dass im Osten am meisten Erdbeereiskugeln über den Tresen gehen. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist Erdbeere die stärkste Sorte. Auch im Saarland mag man es fruchtig, während in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Vanille vorne liegt. In Bayern, Baden-Württemberg und Berlin schlägt das Herz der Eisliebhaber am höchsten für Schokolade. Generell sind sich die Deutschen beim Geschmack bundesweit einig und bleiben dem klassischen Trio treu.
Frühlingserwachen an der Eistheke – die Saison startet früher als gedacht
Steigen die Temperaturen, steigt auch die Lust auf Eis. Die Hauptsaison beginnt jedoch nicht erst im Hochsommer. Die Deutschen gehen bereits im Frühling gerne zur Eisdiele, sodass April bis September 81,6 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen. Juni (15,68 Prozent) ist dabei der stärkste Monat, August (14,90 Prozent) und Juli (14,31 Prozent) folgen dicht auf. Januar und Dezember spielen mit je rund einem Prozent kaum eine Rolle.
Ähnlich verhält es sich in Österreich: April bis September kommen auf 88,13 Prozent des Jahresumsatzes. Der Juni ist auch hier die Haupt-Eiszeit und dominiert mit 22,45 Prozent. November, Dezember und Januar liegen je unter einem Prozent.
In der Schweiz ist die Saisonalität am stärksten auf den Hochsommer konzentriert: Juni, Juli und August machen alleine 56,87 Prozent des Jahresumsatzes aus. Mai bis September kommen auf 78,57 Prozent. Auffällig ist, dass der April in der Schweizer Auswertung schwächer ist als in den Nachbarländern – die Schweizer Eissaison startet also etwas später, dafür mit voller Wucht.
Das Eis zum Sonntag – oder Samstag? Ende der Woche wird überall geschlemmt
Wann schlägt die Eistüten-Stunde? Die Daten sind eindeutig: Eis wird in den drei Nachbarländern am liebsten zum Ausklang der Woche geschleckt. Beim bevorzugten Schlemmertag gibt es jedoch kleine Unterschiede: In Deutschland und Österreich ist Sonntag der stärkste Eistag: In Deutschland entfallen 20,25 Prozent aller Verkäufe auf den Sonntag, in Österreich sind es 17,20 Prozent. Samstag und Sonntag machen in Deutschland 38,9 Prozent des Wochenumsatzes aus, in Österreich 34,2 Prozent. Nimmt man jeweils den Freitag dazu, entfallen in Deutschland 53,9 Prozent und in Österreich 49,2 Prozent der Wochenverkäufe auf das verlängerte Wochenende.
In der Schweiz hingegen wird am Samstag am meisten Eis verspeist: 25,27 Prozent aller Wochenverkäufe finden an einem Samstag statt. Freitag und Samstag zusammen kommen auf 44,13 Prozent und Donnerstag bis Samstag sogar auf 58,31 Prozent. Der Sonntag ist für ein Eis in der Schweiz hingegen nicht so beliebt, sodass dieser abgeschlagen auf Platz sechs landet. In allen drei Ländern gilt aber: Der Montag ist der schwächste Eistag.
Nachmittag oder Abend? Wann die Eistüte am häufigsten über den Tresen wandert
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind sich einig: Nach Eis zum Frühstück steht den wenigsten der Sinn. Jedoch zeigt sich bei der Frage, wann am liebsten Eis gegessen wird, ein interessanter Unterschied zwischen den Nachbarländern.
In Deutschland und Österreich ist Eis klar ein Nachmittagsprodukt. In Deutschland werden zwischen 15 und 16 Uhr allein rund 37 Prozent des Tagesumsatzes erzielt, in Österreich kommen 15 und 16 Uhr zusammen auf knapp 32 Prozent. Tipp für alle, die die Wartezeit vor der Eisdiele vermeiden möchten, weicht am besten auf die Mittagspause oder den frühen Abend aus – Eis schmeckt schließlich auch nach dem Abendessen. Das finden auch die Schweizer. Hier ist 20 Uhr (17,74 Prozent) die verkaufsstärkste Stunde, dicht gefolgt von 21 Uhr (14,32 Prozent). Zwischen 19 und 21 Uhr werden in der Schweiz damit 44 Prozent aller Tagesverkäufe erzielt.
Methodik
Für die Ergebnisse wurden anonymisierte Daten aus den Jahren 2023 bis Juni 2025 von 4.268 gastronomischen Betrieben in Deutschland, 239 in Österreich und 110 in der Schweiz, die Kassensysteme von orderbird nutzen, intern ausgewertet und aufgearbeitet. Während die Stichprobe für Deutschland hochrepräsentativ ist, sind die Daten für Österreich und insbesondere für die Schweiz mit Vorsicht zu interpretieren, da die Anzahl der einbezogenen Betriebe im Verhältnis zur Gesamtzahl der Eisdielen begrenzt ist. Alle Prozentangaben wurden auf eine Nachkommastelle gerundet.











