Suche
Anzeige

Robot Recruiting: Die Zukunft der Personalbeschaffung?

Künstliche Intelligenz automatisiert und optimiert HR-Prozesse an vielen Stellen. Insbesondere im Recruiting ergibt die Einführung von KI-Tools Sinn. Doch wo viele Chancen aufwarten, lauern Fallstricke im Verborgenen. Wo bieten Recruiting KI-Tools Mehrwert und welche Hürden müssen Verantwortungstragende überwinden?

ee factor/ Midjourneyee factor/ Midjourney

Disruption fordert Innovation. Dennoch scheuen viele HR-Akteure bislang den Einsatz von KI-Tools in der Personalbeschaffung. Dabei erleichtert ein hoher bestehender Datafizierungsgrad im Recruiting-Prozess die Einführung der Emerging Tech in Theorie und Praxis. Die geringe Experimentierfreude des Personalmanagements kann Unternehmen schlimmstenfalls fähige Kandidat:innen kosten. Denn wenn es darum geht, Talente für sich zu gewinnen, ist der professionelle Bewerbungsprozess ein unterschätzter Dreh- und Angelpunkt. Insbesondere Unternehmen mit hohem Mitarbeiterbedarf unterstützt KI dabei, Bewerbungen schnell zu sichten und Job-Anwärter:innen eine qualifizierte Rückmeldung zu geben. In Zeiten rar gesäter Talente am Arbeitsmarkt dürfen Unternehmen Ressourceneinsparungen durch den Einsatz von KI nicht auf Kosten der Candidate Experience erreichen – der Faktor Mensch bleibt als Bestandteil des Bewerbungsprozesses essentiell. An welchen Punkten im Recruiting KI-Tools einen Mehrwert bieten und welche Hürden Verantwortungstragende überwinden müssen, erläutert das folgende Listing.

Active Sourcing

Unternehmen aller Größen wetteifern um Fachkräfte und Nachwuchstalente. Wer nach dem Post-and-Pray-Prinzip lediglich Jobinserate veröffentlicht und auf Bewerbungen hofft, den lässt die Konkurrenz schnell alt aussehen. Vor allem mittelständische Firmen aktivieren enorme Potenziale durch die Ansprache passiver Kandidat:innen. Hier erleichtert Sparringspartner KI dem Recruiting, die passenden Personen für aktuell und künftig zu besetzende Stellen zu identifizieren oder den Talent Pool zu erweitern.

Partner aus dem HORECA Scout

Per CV-Parsing liest die künstliche Intelligenz wesentliche Daten aus Online-Profilen aus. KI-basierte Matching-Anwendungen schlagen anhand konkreter Suchkriterien Talente vor, die mit den Anforderungen eines Jobprofils mehrheitlich übereinstimmen. „Viele der herkömmlichen Bewerbungsplattformen bringen längst nicht mehr die gewünschten Ergebnisse ein. Social-Plattformen wie LinkedIn hingegen liefern schnell hochwertige Kontakte. Der potenzielle Bewerberpool ist in solchen Netzwerken sehr groß – KI filtert die Profile und schreibt Personen individuell, auf deren Präferenzen abgestimmt, an“, erläutert Edgar Ehlers, Gründer und Geschäftsführer der agilen Strategieberatung ee factor. „Die immense Reichweite beschert als positiven Nebeneffekt auch dem eigenen Netzwerk Wachstum.“

Erstkontakt mit Kandidat:innen

Ein Chatbot generiert den Erstkontakt zu Kandidat:innen. Vielversprechende Profile ausfindig machen und per individueller Ansprache echte Kontakte knüpfen – ein Leichtes für entsprechende KI-Tools. Nichtsdestotrotz verlangt künstliche Intelligenz Stand heute nach engmaschigen Kontrollen: „Die meisten KI-Lösungen sind neu am Markt und noch störanfällig. Ich empfehle jedem User die Ergebnisse der Systeme auf Richtigkeit zu prüfen, um Fehler schnellstmöglich zu evaluieren und zu beseitigen“, so Ehlers. Viele Bewerbende stehen dem Einsatz von KI im Recruiting bislang kritisch gegenüber. Die Nutzung von künstlicher Intelligenz über den Erstkontakt hinaus sollte also wohldosiert geschehen und gegebenenfalls von Aufklärung durch das Recruiting begleitet sein. Der Faktor Mensch bleibt auch im Personalbeschaffungsmanagement unabdingbar.

Lesen Sie auch
Gehalt, Benefits und AltersversorgungRecruiting und Fachkräftemangel
Minijob-Reform: Die Minijob-Debatte auf dem Prüfstand – welche Folgen hätte die Reform für die Gastronomie?

Datenschutzauflagen

Kommt es zu personenbezogenen Daten von Job-Anwärter:innen, bestehen über die üblicherweise geltenden Datenschutzbestimmungen hinaus enge Vorschriften. Unterstützt und vereinfacht eine künstliche Intelligenz den Recruiting-Prozess, sollte Klarheit über die Rechtslage herrschen. So erkennen und umgehen Recruiter mögliche Fallstricke frühzeitig. Fundierte Informationen zur Funktion und Trainingsweise der KI-Lösung sind notwendig, um die Rechtssicherheit im Vorwege abzuschätzen. Verarbeiten HR-Teams personenbezogene Daten mithilfe von KI, so muss für jeden Datenverarbeitungsvorgang eine sogenannte datenschutzrechtliche Erlaubnisnorm bestehen. Außerdem dürfen Recruiter nach dem Prinzip der Datenminimierung nur solche persönlichen Daten erheben und verarbeiten, die für die Erfüllung spezifischer Zwecke erforderlich sind.

Themen in diesem Artikel
Recruiting und Fachkräftemangel

Diskriminierungsrisiko

Künstliche Intelligenz beeinflusst die Chancengleichheit im Bewerbungsprozess positiv. Davon gehen ein Drittel der insgesamt 1.005 Befragten aus, die im Jahr 2022 an einer repräsentativen Studie der IU Internationalen Hochschule Erfurt teilnahmen. Intelligente Systeme fällen Entscheidungen grundsätzlich objektiv und frei von Vorurteilen. Doch im dichter werdenden Algorithmus-Dschungel lassen die selbstlernenden Systeme kaum Rückschlüsse auf die Quelle ihrer Ergebnisse zu.

Datenanalysen im Personalbeschaffungsprozess, durchgeführt von KI-Anwendungen, werfen deshalb ethische Fragen auf. Wie ist das Resultat eines Datenverarbeitungsprozesses zustande gekommen? Wer die Qualität der Trainingsdaten nicht kritisch hinterfragt, riskiert eine sogenannte stellvertretende Diskriminierung. „War eine Gruppe in früheren Datensätzen überrepräsentiert, so bevorzugt die KI sie auch in Zukunft“, erklärt Agilist Ehlers. „Besetzte ein Unternehmen offene Stellen bislang mit primär männlichen Personen, so lernt das System aus der Datenbasis, Männer vorzugsweise einzustellen – und benachteiligt in der Konsequenz weibliche Kandidat:innen“, verdeutlicht der Autor seines Erstlingswerks „Digitale Ethik“ die bestehende Problematik.

Mehr Informationen

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecruiting und Fachkräftemangel
Wenn Bürokratie Fachkräfte am Arbeiten hindert
Pavel Danilyuk, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte

Der Papierbon soll fallen, die elektronische Kasse zur Pflicht werden, und wer künftig keinen Beleg bereitstellt, müsste erstmals ein Bußgeld zahlen. Der Entwurf aus dem Bundesministerium der Finanzen sieht die Kassenpflicht ab 2028 vor und legt die nächste Stufe unterhalb der 100.000-Euro-Grenze bereits an. Beschlossen ist noch nichts, doch die Richtung ist erkennbar.

Markus Winkler, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Der Strohhalm als Prüffall: Was die neuen PFAS-Grenzwerte für die Gastronomie bedeuten

Seit dem 12. August gelten in der EU erstmals Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Zwei Monate später folgt ein zweiter Stichtag, der Papier und Karton im Lebensmittelkontakt direkt trifft. Für Gastronomiebetriebe wird damit ein Cent-Artikel zum Compliance-Thema. Und ausgerechnet die Alternative, auf die nach dem Plastikverbot fast alle umgestiegen sind, ist die am häufigsten belastete.

Markus Höfemann
Branche und Trends

Gastfreundschaft 2035 – Zehn Thesen von Niels Battenfeld zur Zukunft der Privathotellerie

Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt nicht auf Technologie, sondern auf das Gefühl, das bleibt: Wie sieht Gastfreundschaft im Jahr 2035 aus, wenn wirtschaftliche Effizienz und echte Begegnung zusammenspielen müssen?

Waldemar Brandt, Unsplash
Allgemeine Haustechnik

Gasträume kühlen ohne Umbau: Worauf es bei mobilen Klimageräten und Luftreinigern ankommt

Wenn eine fest installierte Klimaanlage nicht möglich ist, bleiben mobile Klimageräte und Luftreiniger die praktikable Lösung für Gasträume. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Kühlleistung für die Raumgröße, ein Gerät mit zwei Schläuchen statt einem und eine Aufstellung, die Gäste nicht durch Lärm oder Zugluft stört. Der Rest ist Betriebsführung.

Weitere Artikel zum Thema

orderbird
Die Debatte um eine Reform der Minijobs trifft das Gastgewerbe an einer empfindlichen Stelle. Denn viele Betriebe sind nicht nur auf bezahlbare Arbeitsmodelle angewiesen, sondern vor allem auf flexible Einsatzmöglichkeiten bei Stoßzeiten, Wochenenden, Veranstaltungen und[...]
orderbird
athree23, Pixabay
Viele Hotels und Gastronomiebetriebe suchen händeringend Personal. Doch selbst wenn geeignete Fachkräfte gefunden sind, können Verfahren rund um Beschäftigungserlaubnis, Aufenthaltstitel oder Arbeitgeberwechsel den Einsatz über Wochen verzögern. Hotelier Manfred Lang schildert zwei Fälle aus seinem[...]
athree23, Pixabay
Sterne-Advo
Anonyme Bewertungen auf Arbeitgeberportalen können Hotels und Gastronomiebetriebe erheblich treffen – besonders, wenn unklar bleibt, ob die bewertende Person tatsächlich Kontakt zum Betrieb hatte. Nach einem rechtskräftigen Kununu-Beschluss ordnet Rechtsanwalt Jan Meyer im Interview ein,[...]
Sterne-Advo
Winterhalter Deutschland GmbH
Der Spülmaschinenherstellter Winterhalter ruft zum zweiten Mal zur Wahl des „Spülers des Jahres" auf. Die Auszeichnung richtet sich an Mitarbeiter in der Spülküche, deren Arbeit für den Betriebsablauf unverzichtbar ist, aber selten öffentliche Anerkennung findet.[...]
Winterhalter Deutschland GmbH
Tim Douglas, Pexels
Die Branche sucht Nachwuchs – und Nachwuchs fragt zuerst nach dem Gehalt. Die aktuellen Zahlen inklusive der unbequemen Wahrheiten und der Stellschrauben, an denen gute Arbeitgeber drehen sollten.[...]
Tim Douglas, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.