Suche

Stabilität statt Preissenkung: Wie die Sieben-Prozent-Mehrwertsteuer die Gastronomie stärkt

  • Die Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent dient nicht der Preissenkung für Gäste, sondern der Existenzsicherung von Gastronomiebetrieben, die mit massiv gestiegenen Kosten für Personal, Lebensmittel und Energie kämpfen.
  • 73 Prozent der Restaurants haben ihre Preise trotz Steuersenkung unverändert gelassen, weil sie die Ersparnis zur Deckung ihrer Betriebskosten benötigen – eine direkte Weitergabe wäre wirtschaftlich nicht tragbar.
  • Die Steuersenkung schafft Planungssicherheit und stabilisiert die Branche langfristig: Sie erhält Arbeitsplätze, bewahrt kulinarische Vielfalt und sichert die soziale Funktion von Restaurants als gesellschaftliche Treffpunkte.

orderbirdorderbird

Seit Januar 2026 gilt in der Gastronomie wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Doch warum kommt die Ersparnis kaum bei den Gästen an – und wie stabilisiert sie stattdessen eine unter Druck stehende Branche? Natalie Seifert, Head of Marketing bei orderbird, analysiert die Daten und zeigt Perspektiven auf.

Warum wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder auf sieben Prozent gesenkt?

Die Rückkehr zum ermäßigten Steuersatz ist eine Reaktion auf die anhaltenden Herausforderungen der Gastronomiebranche. Die Senkung schafft zunächst überfällige Gleichbehandlung: Bisher zahlten Gäste in Restaurants 19 Prozent Mehrwertsteuer – für To-Go-Essen oder Supermarkt-Mahlzeiten nur 7 Prozent, obwohl die Lebensmittel dieselben sind. Ursprünglich als Corona-Hilfe eingeführt, soll die Maßnahme zudem dauerhaft Entlastung schaffen, insbesondere angesichts gestiegener Kosten für Energie, Personal und Wareneinsatz. Die Politik erkennt damit an, dass die Gastronomie als systemrelevante Branche Unterstützung braucht, um Arbeitsplätze zu sichern und wirtschaftliche Stabilität zu wahren.

Partner aus dem HORECA Scout

Wie reagieren Gastronominnen und Gastronomen auf die Senkung?

Eine aktuelle Auswertung von orderbird (in Kooperation mit dem Tagesspiegel, der Stuttgarter Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) zeigt ein differenziertes Bild:

  • 73 Prozent der Restaurants haben ihre Preise unverändert gelassen.
  • 17 Prozent haben sie erhöht (davon 14 % nur moderat).
  • Neun Prozent haben die Senkung an die Gäste weitergegeben.

Die Mehrwertsteuersenkung ist nicht mit einem Rabatt für Gäste gleichzusetzen, sondern eine Notwendigkeit für die Branche.

Natalie Seifert

Die Daten basieren auf Bestelldaten von 2.749 Restaurants (Oktober 2025–Februar 2026).

Warum geben so wenige Restaurants die Ersparnis weiter?

Die Gründe liegen vor allem in der Kostenentwicklung der Branche und zeigen, warum die Senkung vor allem der wirtschaftlichen Stabilität dient:

Themen in diesem Artikel
Finanzen und ControllingSteuernEnergiekostenGastronomieMehrwertsteuersenkungPersonalkostenPreisentwicklung

Die Senkung wird daher genutzt, um Betriebskosten auszugleichen. Sie ermöglicht es Betrieben, Investitionen zu tätigen, Personal zu halten und die Qualität ihrer Angebote aufrechtzuerhalten. Eine direkte Preissenkung wäre für viele schlicht nicht tragbar.

Was bedeutet die Senkung für die Gäste?

Für Gäste mag es enttäuschend sein, dass die Preise nicht sinken. Doch die Senkung dient primär der Existenzsicherung der Betriebe. Sie sichert langfristig die gewohnte Vielfalt, Qualität und den persönlichen Service, den Gäste am Restaurantbesuch schätzen – und verhindert weitere Schließungen.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingVersicherungen und RisikomanagementKostenmanagement
Insolvenzrisiko im Gastgewerbe: Drei Schritte, mit denen sich Betriebe vor Zahlungsausfällen schützen

Was bedeutet das für die Zukunft der Gastronomie?

Die Daten belegen: Die Mehrwertsteuersenkung ist nicht mit einem Rabatt für Gäste gleichzusetzen, sondern eine Notwendigkeit für die Branche. Sie schafft:

  • Planungssicherheit für Betriebe in unsicheren Zeiten.
  • Stabilität trotz hoher Energie-, Personal und Lebensmittelkosten.
  • Erhalt von Arbeitsplätzen – besonders in lokalen, oft familiengeführten Betrieben.
  • Bewahrung kulinarischer Vielfalt durch regionale Spezialitäten, internationale Küchen und handwerkliche Traditionen.

Restaurants, Cafés und Bars sind mehr als Verpflegungsstätten – sie sind soziale Treffpunkte, stärken gesellschaftlichen Zusammenhalt und regionale Wirtschaftskreisläufe.

Fazit: Stabilität durch sieben Prozent – warum sie mehr als eine Entlastung ist

Die Mehrwertsteuersenkung ist eine Überlebenshilfe für die Gastronomie. Sie ermöglicht es Betrieben, gestiegene Kosten zu tragen und ihre Existenz zu sichern – und bleibt damit eine Investition in die Stabilität und Vielfalt der Branche.

Zur Methodik

Gemeinsam mit der „Stuttgarter Zeitung" und der Lokalredaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat der Tagesspiegel aggregierte Bestelldaten des Zahlungsdienstleisters orderbird vom 1. Oktober 2025 bis zum 25. Februar 2026 ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich Speisen für den Vor-Ort-Verzehr (keine Getränke) sowie Betriebe mit mindestens drei auswertbaren Gerichten. Für jedes Gericht wurde die durchschnittliche monatliche Preisentwicklung berechnet und anschließend auf Restaurantebene zusammengeführt.

CSRIF GmbH
Finanzen und Controlling

Insolvenzrisiko im Gastgewerbe: Drei Schritte, mit denen sich Betriebe vor Zahlungsausfällen schützen

Zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland sind insolvenzgefährdet, der höchste Stand seit 2014 – im branchenvergleich liegt Gastronomie ganz vorn. Zahlungsausfälle führen oft zu Dominoeffekten, sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer des Informationsdienstleiters CRIF Deutschland. Wie Betreiber Frühwarnsignale erkennen, ihr Unternehmen wirksam vor Ausfällen schützen und wann sich externe Bonitätsprüfung auszahlt.

Hans. Pixabay
Außengastronomie

Anhaltende Hitze: Was Gäste jetzt erwarten

Wenn die Temperaturen steigen, wird der Platz an der frischen Luft zum entscheidenden Kriterium: 46 Minuten Anfahrt für den perfekten Außenplatz, längeres Verweilen am Tisch und höhere Ausgaben – warum draußen essen für Gäste 2026 mehr ist als nur eine Frage des Wetters, und welche Rolle Fußball und Hunde dabei spielen.

Winterhalter Deutschland GmbH
Personalentwicklung

Winterhalter sucht auch 2026 den „Spüler des Jahres“

Der Spülmaschinenherstellter Winterhalter ruft zum zweiten Mal zur Wahl des „Spülers des Jahres“ auf. Die Auszeichnung richtet sich an Mitarbeiter in der Spülküche, deren Arbeit für den Betriebsablauf unverzichtbar ist, aber selten öffentliche Anerkennung findet. Gastronomische Betriebe können ihre Kandidaten bis Anfang August nominieren.

Steuern mit System GmbH
Finanzen und Controlling

Cloud-Kasse, Reservierungs-App, IoT-Küche und Co. – Hotels und Gastronomie müssen bei digitalen Investitionen steuerlich genauer hinsehen

Digitale Lösungen sind im Gastgewerbe längst betriebliche Notwendigkeit. Doch viele Hotels, Restaurants und Freizeitbetriebe nutzen die steuerlichen Möglichkeiten rund um Software, Cloud-Systeme oder digitale Infrastruktur noch unvollständig. Die Folge: Sofort abzugsfähige Ausgaben werden unnötig aktiviert, aktivierungspflichtige Investitionen falsch verbucht oder Fördermittel zu spät berücksichtigt. Gerade bei knappen Margen kostet diese Unschärfe unnötig Liquidität.

Rene Terp, Pexels
Branche und Trends

Hochzeitsreport 2026: Kleiner Kreis statt großer Show: Welche Hochzeiten die Deutschen wirklich mögen

Der Trustlocal Hochzeitsreport 2026 verbindet eine Appinio-Umfrage unter 1.000 Personen mit anonymisierten Plattform-Anfragedaten. Das Ergebnis: Über die Hälfte der Befragten bevorzugt Feiern im kleinen Kreis, ein Budget bis 10.000 Euro gilt als angemessen. Als größte Störfaktoren gelten schlechte Stimmung, chaotischer Ablauf und mittelmäßiges Essen. Auffällig ist zudem die Lücke zwischen der als ausreichend empfundenen Planungszeit und dem tatsächlich deutlich früheren Anfragezeitpunkt für Dienstleister.

Weitere Artikel zum Thema

CSRIF GmbH
Zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland sind insolvenzgefährdet, der höchste Stand seit 2014 – im branchenvergleich liegt Gastronomie ganz vorn. Zahlungsausfälle führen oft zu Dominoeffekten, sagt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer des Informationsdienstleiters CRIF Deutschland. Wie[...]
CSRIF GmbH
Steuern mit System GmbH
Digitale Lösungen sind im Gastgewerbe längst betriebliche Notwendigkeit. Doch viele Hotels, Restaurants und Freizeitbetriebe nutzen die steuerlichen Möglichkeiten rund um Software, Cloud-Systeme oder digitale Infrastruktur noch unvollständig. Die Folge: Sofort abzugsfähige Ausgaben werden unnötig aktiviert,[...]
Steuern mit System GmbH
Quinyx
13,90 Euro heute, 14,60 Euro 2027 – und fast jede zweite Arbeitskraft im Gastgewerbe ist betroffen. Doch der Stundensatz allein entscheidet nicht über die Personalkosten. Wo genau im Dienstplan das Geld verloren geht und welche[...]
Quinyx
Tim Douglas, Pexels
Die Branche sucht Nachwuchs – und Nachwuchs fragt zuerst nach dem Gehalt. Die aktuellen Zahlen inklusive der unbequemen Wahrheiten und der Stellschrauben, an denen gute Arbeitgeber drehen sollten.[...]
Tim Douglas, Pexels
ACCONSIS
Belege werden korrekt gedruckt, Kartenzahlungen laufen, der Tagesabschluss meldet keinen Fehler – und trotzdem kann die technische Sicherheitseinrichtung im Hintergrund zur Schwachstelle werden. Warum gerade TSE-Themen in der Kassennachschau besonders heikel sind und an welchen[...]
ACCONSIS
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.