Kassengesetz

TSE – Varianten und Module im Überblick

Eine der großen Umstellungen im Bereich der Kassensysteme ist die Einrichtung einer zertifizierten Technische Sicherheitseinrichtung. Trotz der Fristverlängerung bis zum 30. September 2020 müssen alle Systeme umgehend aufgerüstet werden, sobald für ihr Kassensystem die TSE verfügbar ist. Doch welche Technischen Sicherheitseinrichungen sind bereits verfügbar? Und welche Ausnahmeregelungen gelten bei Stromausfall oder voller Speichereinheit?

© Cecilie_Arcurs | iStockphoto

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Wöchentlich gibt es neue Meldungen rund um die Zertifizierung der registrierten Technischen Sicherheitseinrichtungen, und auch wenn es so scheint, als ob bis zum Stichtag am 30. September alle Kassensysteme aktualisiert werden können, zögern viele Gastronomen und Hoteliers. Grundlos – denn nur der Anbieter des eigenen Kassensystems kann jetzt schon sagen, wann die TSE für das eigene System geliefert und installiert werden kann. Hierbei gibt es verschiedene Soft- und Hardware-Lösungen, die je nach Kassensystem eingesetzt werden können.

TSE als USB-Stick

Wie jeder herkömmliche USB-Stick kann auch eine zertifizierte Technische Sicherheitseinrichtung in Form eines USB-Sticks über die entsprechende Schnittstelle eingesteckt werden. Die Swissbit USB-Lösung bietet neben dem sicheren Fiskalspeicher, in dem die automatisch signierten Transaktionen gespeichert werden, noch einen frei nutzbaren Anwendungsspeicher.

TSE als SD-Karte

Technische Sicherheitseinrichtungen gibt es auch als SD- und MicroSD-Karte. Die Karte kann ebenso wie der USB-Stick in den entsprechenden Slot gesteckt werden. Je nach Hersteller muss die Karte nach 3-5 Jahren ausgetauscht werden, da dann das Signaturzertifikat ausläuft.

TSE als Cloud-Lösung

Wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik versichert, sind „im Zuge der Technologieoffenheit auch fernverbundene Technische Sicherheitseinrichtungen und Komponenten von Technischen Sicherheitseinrichtungen möglich.“ Wird eine Cloud-Lösung eingesetzt, muss auch in der Kasse eine zertifizierte Sicherheitsmodulanwendung eingesetzt werden, über welche die sichere Anbindung des fernverbundenen Hardware-Sicherheitsmoduls erfolgt.

Eine für Alle

Wer mehrere Kassen in einem Verbund nutzt, muss nicht für jedes Geräte eine eigene Technische Sicherheitseinrichtung einsetzen. Eine Gruppe elektronischer Aufzeichnungssysteme – Kassen, Bestellsysteme ohne Abrechnungseinheit oder Verbundwaagen – kann die digitalen Aufzeichnungen mit einer einzigen TSE schützen.

Speichereinheit voll

Eine weitere, immer wieder gestellte Frage dreht sich rund um die eingesetzte Speichereinheit. Was passiert, wenn der Speicher voll ist? Jede Speichereinheit besitzt eine Exportfunktion, über die Daten ausgelagert und dann an geeigneter Stelle aufbewahrt werden können. Die Daten im Speicher selbst können dann gelöscht werden. Zu jedem Zeitpunkt muss gewährleistet werden, dass alle benötigten Daten bei einer Prüfung umgehend abrufbar sind und im Export-Format der TSE zur Übergabe bereit stehen.

Ausfall der TSE

Ob Stromausfall oder technischer Defekt – es kann immer zu einem Ausfall kommen. Wichtig ist die Dokumentation der Auszeit, Anfang und Ende sowie die Ursache müssen festgehalten werden. Fällt nur die TSE, nicht aber das komplette Kassensystem aus, muss jeder einzelne Beleg entsprechend gekennzeichnet werden. Die Belegausgabepflicht besteht weiterhin, es sei denn, das komplette Kassensystem oder die Druckeinheit sind vom Ausfall betroffen.

Welche Systeme sind bereits zertifiziert?

Der Kassenhersteller Gastrofix arbeitet mit Epson zusammen, die bereits Ende Dezember die amtliche Zertifizierung ihrer TSE bekannt gaben. Verfügbar für den direkten Einsatz an der Kasse ist die eine zertifizierte USB TSE V1.0, außerdem gibt es die microSD TSE V1.0 und mit TM-m30F und TM-T88VI-iHub-F zwei Bondrucker, die bereits mit einer nach technischer Richtlinie BSI-K-TR-0373-2019 zertifizierten TSE ausgestattet sind oder innerhalb weniger Minuten ausgerüstet werden können.

Christoph Ruhnke, Leiter Business Systems der Epson Deutschland GmbH, erklärt: „Mit der Zertifizierung unserer TSE haben wir die letzte Hürde genommen. Ab jetzt bieten wir und unsere Partner eine fiskalkonforme und zertifizierte Lösung an. Die Integration ist bereits abgeschlossen.  Epson hat als weltweit agierendes Unternehmen diesen Prozess bereits in einer Vielzahl von Ländern begleitet und besitzt große Erfahrung auf diesem Gebiet. Handelsunternehmen jeder Größe sind bei Epson sicher, zum Stichtag eine gesetzeskonforme Kassenanlage zu besitzen.“

Die Gastro-MIS GmbH, Spezialist für Software- und Servicelösungen im Bereich Gastronomie, und die Swissbit AG, Experte für Speicherung und Schutz von Daten in Industrieanwendungen, können dank ihrer Zusammenarbeit die ersten zertifizierten  Technischen Sicherheitseinrichtungen (TSE) anbieten. Während Swissbit die Hardware liefert, kümmert sich die Gastro-MIS um den Kundenservice bei der Umstellung auf den geforderten technischen Manipulationsschutz. Die Lösung ist denkbar einfach: Eine USB-, SD- oder microSD-Schnittstelle ergänzt jede PC- oder auch Tabletkasse um die notwendige Hardware. Zudem stellt Swissbit ein Software Development Kit, Treiber und Support für Windows, Linux, Android und Embedded-Systeme bereit. Die Gastro-MIS steuert den notwendigen Support bei und kann auch bei der Implementierung der DSFinV-K 2.0 (Schnittstelle für den Export von Daten aus elektronischen Aufzeichnungssystemen für die Datenträgerüberlassung) und mit dem Angebot von Schulungen helfen. Hersteller wie KMZ Kassensysteme verarbeiten die USB-, SD- und microSD-Komponenten bereits in ihren Systemen.

„Wir wissen um die komplexen Herausforderungen der Kassenhersteller bei der Bereitstellung gesetzeskonformer Kassensysteme und erfüllen selbstverständlich die hohen Zertifizierungsanforderungen des BSI“, sagt Hubertus Grobbel, Vice President Security Solutions bei der Swissbit AG in München. „Alle bereits im Feld befindlichen Kassensysteme in Handel, Handwerk und Gastronomie sind verpflichtend bis spätestens Ende 2022 nachzurüsten – PC-Systeme sogar noch bis Ende September 2020. Das ist mit den steckbaren Swissbit-TSEs mit einem Handgriff erledigt“. Alle drei Varianten der TSE sind seit dem 20. Dezember 2019 vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), damit rechtzeitig und als erster im Markt, zertifiziert. 

Für die Kassen von Duratec digital world gibt es eine neue Softwareversion, mit der sich die vorgeschriebene Technische Sicherheitseinrichtung einsetzen lässt. Kunden von Vectrons All-inclusive-Lösung für die Gastronomie erhalten schon heute eine Kasse, die alle neuen Anforderungen erfüllt. Bis Ende März ist zusätzlich die TSE selbst kostenlos im Produktpaket enthalten. Auch die orderbird Kassensoftware verfügt über eine zertifizierte Technische Sicherheitseinrichtung, die für orderbird Kunden mit zwei Klicks aktiviert werden kann. Die Cloudlösung Ready2Order hat die Anbindung für die TSE bereits im System programmiert, wartet aber noch auf die Freigabe der Zertifizierung.

Zahlreiche weitere Hersteller haben ihre Produkte zur Zertifizierung beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eingereicht. Alle Eigentümer elektronischer Registrierkassen sollten sich mit ihrem Kassenhersteller in Verbindung setzen, um möglichst schnell über die passende Lösung informiert zu werden.

Woraus besteht eine TSE und warum wird sie benötigt?

Die Vorschrift bezüglich der Sicherheitseinrichtungen an Kassen ist im § 146a (Ordnungsvorschrift für die Buchführung und für Aufzeichnungen mittels elektronischer Aufzeichnungssysteme) geregelt. Demnach muss, wer aufzeichnungspflichtige Geschäftsvorfälle oder andere Vorgänge mit Hilfe eines elektronischen Aufzeichnungssystems erfasst, ein elektronisches Aufzeichnungssystem verwenden, das jeden aufzeichnungspflichtigen Geschäftsvorfall und anderen Vorgang einzeln, vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet aufzeichnet. Das elektronische Aufzeichnungssystem und die digitalen Aufzeichnungen sind durch eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung zu schützen, welche aus:

  • einem Sicherheitsmodul,
  • einem Speichermedium und
  • einer einheitlichen digitalen Schnittstelle

besteht.
 
Die digitalen Aufzeichnungen sind auf dem Speichermedium zu sichern und für Nachschauen sowie Außenprüfungen durch elektronische Aufbewahrung verfügbar zu halten.
 

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