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Hier ist nicht nur der Kaffee heiß – Dessous im Café

Eine Melange der besonderen Art: Lifestyle-Café und Dessous-Geschäft mit Liebeslust. Das geht nicht? Doch! In Saarbrücken ist die pikante Kombination erfolgreich gestartet.

Elena F. BarbaElena F. Barba

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„Willst du noch auf einen Kaffee mit zu mir kommen?“ Hinter dem Klassiker aller Fragen steckt in den meisten Fällen mehr als nur die nette Einladung auf einen Schluck des Heißgetränks. Dass Erotik und Espresso durchaus auch öffentlich zusammenpassen, beweist das Café Pikant in Saarbrücken. In einem deutschlandweit wohl einzigartigen Konzept bieten die Betreiber Petra Blandfort und Michael Heinz neben kulinarischen Köstlichkeiten auch ein erotisches Einkaufserlebnis an. „Einen Cappuccino und einen sexy Slip, bitte!“, ist ein Satz, den man im Normalfall nicht sehr oft zu hören bekommt. In der saarländischen Landeshauptstadt allerdings schon. Das Inhaber-Pärchen verbindet ein schickes Lifestyle-Café mit einem Dessous-Geschäft. Neben den klassischen Angeboten eines solchen Gastrobetriebes findet sich hier auch Kollektionen namhafter Hersteller von romantischer Reizwäsche, verspielten Strapsen, erotischen Bodys oder auch Accessoires wie Augenmasken, Handfesseln, Gleitmittel oder Parfüms. Eben alles, was Frau oder Mann für die ganz privaten Vorlieben benötigt. Wobei Petra Blandfort eine strenge Grenze zieht: „Wir sind für die sinnlichen Augenblicke zuständig – aber wir haben keine Pornografie.“

Partner aus dem HORECA Scout

Erotik statt Schmuddel

Warum die 54-Jährige so scharf interveniert, gehört nicht nur zum selbstauferlegten ästhetischen Anspruch, sondern ist auf die Ur-Idee zurückzuführen, die diesen einmaligen Geschäftsansatz überhaupt ins Leben rief. „Ich war mit meinen Schwestern in der Stadt unterwegs und wir waren auf der Suche nach etwas Neckischem zum Anziehen. Doch außer in einem Sex-Shop wären wir in einem normalen Geschäft nie fündig geworden. Es gab keine Dessous, die so etwas auf die freche Seite geht, ohne gleich anstößig schmuddelig zu sein“, erklärt Blandfort. Also sah das Paar eine Marktlücke und verband sie mit der Idee eines Cafés. Denn in der heutigen Zeit braucht es für ein erfolgreiches Unternehmen oft mehr als nur guten Kaffee und Kuchen. Gäste sehnen sich nach etwas Besonderem, nach dem gewissen Extra. Mit einem gut ausgewählten, hochwertigen Zusatzangebot lassen sich Kunden anlocken. Man setzt sich von der Konkurrenz ab und erwirtschaftet im günstigsten Fall einen soliden Gewinn aus dem Nebengeschäft. Dass dies gut funktioniert, hat Tchibo als Mutter aller Shop-Cafés im großen Stil schon unter Beweis gestellt.

Cafe oder BH? Dezent getrennt und doch in einem Geschäft

Jedoch Café und Unterwäsche samt Sinnesfreuden miteinander zu kombinieren, das ist mutig und aus dem Rahmen fallend. „Wir haben aber räumlich ganz bewusst beide Bereiche dezent voneinander getrennt“, erklärt der 61-jährige Neu-Gastronom. Zuerst kommt das Café, dahinter geht es in das Atelier mit der Reizwäsche. Gut sichtbar, jedoch leicht abgeteilt. „Wir stehen nicht in Konkurrenz zu einem Dessous-Laden, wir bieten keine Alltagswäsche“, macht Petra Blandfort deutlich. Man besetzt eine Nische – und fühlt sich wohl darin. Das Gründerpärchen erkannte zudem, dass es gerade für die etwas üppigeren Frauen trotz hoher Nachfrage fast keine Angebote gibt. „Hier sahen wir die nächste Marktlücke. So kommen nun sehr gerne Damen zu uns, die wir mit Übergrößen bedienen können – und damit machen wir ganz viele Kundinnen eine große Freude“, weiß Blandfort, die zwei Mal im Jahr in Paris eine internationale Wäschemesse besucht. Genauso haben die beiden Inhaber aber auch schon Barista-Kurse belegt. Es sind immer die zwei Seiten der gleichen Medaille.

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Wie ein zweites Wohnzimmer

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind die wohl größten Umkleidekabinen Saarbrückens. In der Regel kann man sich in solchen Garderoben nur schwerlich umdrehen, doch im Café Pikant lässt es sich auf drei Quadratmeter wunderbar umziehen. Davor gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten und damit die Möglichkeit, bei einem Glas Crémant gespannt zu warten. In dem dank vier großer Glaskuppeln mit Sonnenlicht durchfluteten Café ist es freundlich und hell. „Die Kundschaft ist bunt gemischt. Leute, die hier nicht reinpassen, sortieren sich selbst schnell aus und kommen einfach nicht wieder. Und für andere sind wir ein zweites Wohnzimmer geworden“, erzählt die Unternehmerin. Man soll sich ein bisschen wie zu Hause fühlen. Und dieses Wohlbehagen kann eigentlich als dritte Säule der Geschäftsidee verstanden werden. Auf „Kaffee to go“ wird bewusst verzichtet, denn das nimmt die Ruhe raus. Dafür gibt es Live-Musik, JamSessions, Ausstellungen, Autorenlesungen, Vorträge … Die Gäste sollen sich entspannen – oder wie man heute sagt, entschleunigen.

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Kaffee und Tee

2 Jahre Vorbereitung zahlen sich aus

Knapp zwei Jahre hat das Paar sich auf den Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet – und das akribisch. Michael Heinz ist gelernter Kaufmann und hatte vor der Eröffnung des Cafés eine Handelsvertretung. Er verkaufte und baute Solaranlagen in Nordamerika. Seine Partnerin ist Arzthelferin und auch Konditorin ­– und bringt somit das gastronomische Rüstzeug mit. Blandfort arbeitete in mehreren Hotels und Restaurants in der Schweiz und Deutschland – zuletzt im Schwarzwald. Vor rund zehn Jahren lernten die beiden sich kennen. Und sie entschlossen sich dazu, ihr Leben komplett umzukrempeln und das Wagnis der Selbstständigkeit in Angriff zu nehmen. Im Jahr 2015 wurde der Businessplan geschrieben und am 15. April 2017 war die Eröffnung.

„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, denn nicht nur das Konzept war ungewöhnlich, auch das ausgearbeitete Gesamtpaket hatte wirklich Hand und Fuß. Es war geradezu vorbildlich. Mit speziellen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen für das Gastgewerbe und auch bei einigen rechtlichen Fragen konnten wir dann behilflich sein“, weiß Frank C. Hohrath. Der Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Saarland griff damals den potenziellen Gründern unter die Arme. Denn von der Gaststättenerlaubnis über die Finanzierung bis hin zur Gewerbeversicherung – es gibt viele bürokratische Hürden zu meistern.

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Das Verbandsangebot nahm auch das Duo vom Café Pikant wahr. „Das war enorm wichtig, denn dort wurde uns mit Rat und Tat geholfen. Sei es bei der Hygieneverordnung oder auch bezüglich rechtlicher Fragen“, stellt Michael Heinz fest und er sagt weiter: „Zudem hat uns die Industrie- und Handelskammer bestens beraten. Da wusste ich, warum ich jahrelang meinen Beitrag geleistet habe“, lacht Heinz und meint: „Das hat sich in dem Augenblick alles ausgezahlt. Von dort und von der SIKB – Saarländische Investitionskreditbank AG kam auch der Tipp, unbedingt mit dem DEHOGA zu sprechen.“

Es gab einen strukturierten Marketing-Plan. Es existierten klare Vorstellungen, wie das Café zu einem eigenen Label aufgebaut werden könnte. Und bis zum Corporate Identity wurde an alles gedacht. Die Inhaber ließen sich sogar das Logo schützen. „Man muss alle Punkte durcharbeiten und durchdenken. Auch sollte man viel Durchhaltevermögen mitbringen und schlechtere Zeiten mit einplanen“, unterstreichen die Gründer. Petra Blandfort und Michael Heinz haben bewiesen, wie man mit einer pfiffigen Idee die Liebeslust in ein Café transportiert bekommt – und das ohne schlüpfrig oder gar ordinär zu wirken. Damit ist ihr Plan aufgegangen, ihren Herzenswunsch der Selbstständigkeit haben sie sich erfüllt. Denn Träume sind dazu da, dass sie gelebt werden. Besonders die sinnlichen.

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